Schimmelstreit in Aurich  Gutachten soll Mietern der Wiesenstraße Klarheit bringen

Neelke Harms
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Von Neelke Harms
| 05.10.2022 19:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mit Schimmelspray behandelten Michael Kranke und seine Lebensgefährtin die betroffenen Stellen. Foto: Romuald Banik
Mit Schimmelspray behandelten Michael Kranke und seine Lebensgefährtin die betroffenen Stellen. Foto: Romuald Banik
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In der kommenden Woche soll ein Fachmann eine der Wohnungen begutachten. Mit dem Herbst nimmt der Schimmelbefall zu.

Aurich - Klarheit soll ein Gutachten nun den Mietern in der Auricher Wiesenstraße bringen. Immer wieder haben einige von ihnen mit Schimmel in der Wohnung zu kämpfen. Für den Vermieter, die LEG, steht fest, dass die Probleme durch falsches Heiz- und Lüftungsverhalten auftreten. Die Bewohner wollen nun beweisen, dass es anders ist.

Die Mieter sind sich sicher: Das Problem liegt in der fehlenden Außendämmung des Gebäudes. So zum Beispiel auch Michael Kranke. Der 46-Jährige und seine Lebensgefährtin haben zwei Wohnungen in gegenüberliegenden Häusern in der Wiesenstraße gemietet. Bei den beiden Wohnungen gibt es einen entscheidenden Unterschied: Laut Kranke wurden in einer die Wände von innen nachträglich gedämmt, in der anderen nicht. Nur in der Wohnung ohne Dämmung kommt es immer wieder zu Schimmelbefall. Gelüftet und geheizt wird in beiden Wohnungen gleich.

Mit dem Herbst kommt der Schimmel

Zuletzt am Dienstag behandelte seine 49-jährige Lebensgefährtin eine Wand im Zimmer ihres 16-jährigen Sohnes mit Chlorspray, um Schimmel zu beseitigen. Und das nicht zum ersten Mal. Tapeten gibt es wegen der andauernden Probleme mit Feuchtigkeit an den Wänden schon lange nicht mehr, und die Möbel sind ein Stück von der Wand gerückt. Knapp vier Jahre wohnt die Familie in der Wiesenstraße. Und jedes Jahr aufs neue kommt der Schimmel mit Beginn der kalten Jahreszeit zurück. Wärmer als 19 Grad werde es in der Wohnung nicht, so Kranke. „Wenn man im Wohnzimmer auf der Couch sitzt, zieht die Kälte einem in den Nacken“, sagt er. Dabei sei egal, ob die Heizung auf Stufe eins oder fünf laufe. Ein von der LEG beauftragter Gutachter hatte im Mai dieses Jahres festgestellt, dass in der Wohnung zu wenig geheizt und gelüftet werde.

Kranke glaubt, dass das Problem nicht nur in der fehlenden Dämmung der Außenwände liegt. Die Kälte käme von oben, sagt er. Der 46-Jährige beschwerte sich deshalb schon bei der Stadt Aurich. Laut Stadtsprecher Johann Stromann liegt die Überprüfung des Gebäudes jedoch nicht im Aufgabenbereich des Bauordnungsamtes.

Von Dachdämmung keine Spur

Schaut man auf den Dachboden des Mehrfamilienhauses, ist von einer Dämmung nichts zu sehen: Der Blick auf die Dachziegel liegt frei. Doch laut Bodo Bargmann, Auricher Mitglied der Schornsteinfegerinnung Ostfrieslands und Energieberater, muss das auf den ersten Blick auch nicht so sein. Denn Pflicht ist nicht die Dämmung des Dachstuhls, sondern der obersten Geschossdecke. Die Dämmung könne zum Beispiel auch in der Zwischendecke verbaut und somit für den Laien nicht ersichtlich sein, so Bargmann. Von der LEG hieß es in der vergangenen Woche dazu: „Unsere Gebäude erfüllen grundsätzlich die gesetzlichen Anforderungen.“

Nicht gedämmt ist der Dachstuhl des Hauses in der Auricher Wiesenstraße. Foto: Romuald Banik
Nicht gedämmt ist der Dachstuhl des Hauses in der Auricher Wiesenstraße. Foto: Romuald Banik

Rechtliche Schritte gegen Kündigung

Wegen der Schimmelprobleme kürzte ein anderes Ehepaar aus der Wiesenstraße, Herbert und Christel Fath, über mehrere Monate auf eigene Faust die Miete – wenn auch auf Anraten ihres Rechtsanwaltes hin. Am Freitag erhielten sie deshalb die fristlose Kündigung von der LEG. Die einzige Möglichkeit, in ihrer Wohnung zu bleiben, war es, den Mietrückstand von 1400 Euro nachzuzahlen. Aus Angst, ohne Wohnung dazustehen, wollten die Faths eigentlich zahlen. Doch nun haben sie sich umentschieden: Ihr Anwalt lege nun Widerspruch gegen die Kündigung ein, so Herbert Fath.

Kranke und seine Lebensgefährtin fürchten sich vor einer Kündigung nicht. „Es kann ja nicht sein, dass man die Missstände nicht mehr anprangern darf“, sagt der 46-Jährige. Bisher haben sie noch keine Miete gekürzt. Doch wenn es so weiter geht, könnte sich das bald ändern. Sie stehen im Austausch mit dem Mieterschutzbund.

Sowohl Faths als auch Familie Kranke hoffen, dass das Gutachten Klarheit bringt und die Probleme angegangen werden. Gemeinsam mit dem Gutachter soll in der kommenden Woche auch ein Kamerateam einer Hannoveraner Film- und Fernsehproduktionsfirma die Wohnung der Faths besuchen.

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