Schimmel in Wohnungen Vermieter bestätigt fehlende Dämmung in Auricher Häusern
Zahlreiche Wohnungen in der Auricher Wiesenstraße sind von Schimmel befallen. Es fehlt die Außendämmung. Doch die LEG hat keine energetische Modernisierung geplant.
Aurich – Schimmelbefall ist ein Problem in zahlreichen Wohnungen in der Auricher Wiesenstraße. Die Gebäude sind seit dem Ende des vergangenen Jahres in der Hand des Düsseldorfer Wohnungsunternehmens LEG. Das sieht sich jedoch nicht in der Pflicht, den Schimmelbefall zu beseitigen und die Schuld bei den Mietern. Es ist von falschem Heiz- und Lüftungsverhalten und einem „absoluten Einzelfall“ in einer der Wohnungen die Rede.
In den sozialen Netzwerken sorgt das für Aufruhr. Ein Großteil der Kommentierenden sind Bewohner und die, die es mal waren. Und nahezu alle haben dieselbe Meinung: „Der Schimmel ist von Anfang an da. Ich bin dort groß geworden, und vor 30 Jahren war es genauso. Ich vermute, da ist beim Bau etwas schiefgelaufen“, schreibt eine Frau. Mehrere Mieter, mit denen die ON am Wochenende sprach, Kommentierende und ein weiterer Bewohner, der sich am Montag bei der Redaktion meldete, gehen von einer fehlenden Wärmedämmung der Außenwand aus. Laut Bodo Bargmann, Auricher Mitglied der Schornsteinfegerinnung Ostfrieslands und Energieberater, kann das die Gefahr eines Schimmelbefalls erhöhen.
LEG will nicht sanieren
Die Außenwände der betroffenen Gebäude sind tatsächlich nicht gedämmt, wie die LEG am Montag bestätigt. Auch wenn es heutzutage bei Neubauten Vorschrift ist – bei Altbauten ist der Inhaber gesetzlich nicht verpflichtet, die Wände nachträglich zu sanieren. Und das hat die LEG auch nicht vor. Denn das wäre mit einer Mietsteigerung verbunden. Sie würden ihren Mietern „bezahlbares Wohnen anbieten, treue Mieter halten und sie finanziell nicht überfordern“ wollen, heißt es von dem Wohnungsunternehmen, gerade angesichts der derzeitigen Energiekrise. „Finanziell überfordert“ fühlen sich einige Mieter der Wiesenstraße schon jetzt. Im Gespräch mit den ON erzählt eine 72-jährige Witwe, dass sie für 64 Quadratmeter 800 Euro Warmmiete zahlt.
Sogenannte „Austausch- und Nachrüstverpflichtungen“ sind jedoch im Gebäudeenergiegesetz verankert. Sind obere Geschossdecken nicht gedämmt, so musste das bis 2015 nachgeholt sein. Dazu heißt es von der LEG: „Unsere Gebäude erfüllen grundsätzlich die gesetzlichen Anforderungen.“
Richtiges Lüften ist das A und O
Die fehlende Dämmung kann, muss jedoch nicht der Grund für die Probleme sein, sagt Bargmann. „Das richtige Heizen und Lüften ist das A und O.“ Und das sei in alten Häusern wichtiger als in Neubauten. Auch ein Fehler in der Bausubstanz könne für den Schimmelbefall verantwortlich sein. „Die Wahrscheinlichkeit, dass jeder verkehrt lüftet, ist eher gering“, so Bargmann. Die Ursache für die Probleme in der Wiesenstraße könne man pauschal aber nicht benennen, betont er. In diesem Fall könne nur ein unabhängiger Gutachter helfen.
Auch Keller der Häuser in der Wiesenstraße sind von Schimmel befallen und in ihnen steht Wasser. Das Problem kennt Christiane Wachtendorf. Sie ist selbst in der Gegend aufgewachsen. Ihrer Familie gehörte über lange Zeit das Gelände, auf dem nun der neue Aldimarkt steht. Auch in einem ihrer Gebäude stand im Kellerraum Wasser – teilweise knöchelhoch. Sie ist davon überzeugt, dass es sich dabei um Grundwasser handelte. Diese Erklärung lieferte auch die LEG auf ON-Anfrage und will in der Wiesenstraße Kellerwände abdichten. Das Wasser könne in der Gegend nicht versickern, weil die Häuser aus den 60ern auf Lehmboden gebaut seien, so Christiane Wachtendorf. „Ich kenne die Wiesenstraße wie meine Westentasche“, sagt sie. Schimmel in den Wohnungen sei schon immer ein Problem gewesen.
Fernsehproduktionsfirma nimmt sich des Falls an
Ein Ehepaar aus der Wiesenstraße wandte sich bereits über einen Rechtsanwalt an die LEG. „Nach Auffassung eines Sachverständigen benötigt das Haus eine neue Außendämmung. Andererseits kommt es immer wieder zu Schimmelbildung, wie der vorliegende Fall zeigt“, heißt es unter anderem in dem Schreiben. Laut Angaben der Auricher gab es darauf bisher keine Antwort seitens des Wohnungsunternehmens. Die Rentner wollen sich nun erneut an die Betreuerin des Gebäudes und die Geschäftsführung der LEG wenden.
Nach dem Bericht der ON will sich nun auch die Hannoveraner Film- und Fernsehproduktionsfirma KameraZwei mit dem Fall beschäftigen.
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Froh über erste Einschätzung des Gutachters