Nach Streit um Schimmel Fristlose Kündigung für Ehepaar aus der Wiesenstraße
Wegen Schimmelbefalls kürzten Faths aus Aurich auf eigene Faust die Miete. Nun erhielten sie Post von dem Wohnungsunternehmen LEG. Für die Mieter gibt es nur einen Ausweg.
Aurich - Erst Schimmel in der Wohnung, jetzt die fristlose Kündigung der LEG: Der Ärger des Ehepaares Fath aus der Auricher Wiesenstraße reißt nicht ab. Weil sie nach mehreren Beschwerden auf eigene Faust die Miete kürzten, sollen sie nun gehen. Seit Februar dieses Jahres hatten Christel und Herbert Fath einen Teil des Geldes einbehalten. Anfänglich waren es rund 160 Euro, im September schon 250 Euro der ursprünglichen Summe von rund 650 Euro. Der Grund: Seitdem sie die Wohnung im vergangenen Jahr bezogen, traten unter anderem immer wieder Probleme mit Schimmel auf. Für die Mieter gibt es nur einen Ausweg.
Die einzige Möglichkeit, die Kündigung zu stoppen sei, die 1480 Euro, die sie in den vergangenen Monaten einbehalten haben, bis zum Freitag, 7. Oktober, zurückzuzahlen. „Das widerstrebt mit natürlich. Aber was soll ich sonst machen?“, sagt Herbert Fath. Er habe keine Lust, Weihnachten in einer Notunterkunft zu verbringen. Im Gespräch mit den ON kommen dem 79-Jährigen und seiner Frau die Tränen.
Anwalt empfahl Mietkürzung
Das Geld hatten sie zwar auf eigene Faust, aber auf Anraten ihres Rechtsanwaltes hin einbehalten. Dieser informierte die Mieter jedoch auch schon im Juni darüber, dass die Kürzung in einem vernünftigen Verhältnis zum Schaden bleiben müsse, da es sonst zur Kündigung kommen könne. Laut Herbert Fath hat er jede weitere Kürzung mit seinem Anwalt besprochen.
Von dem Wohnungsunternehmen hieß es auf Anfrage der ON: „Der Mieter mindert trotz Ausführung der Arbeiten bzw. Beauftragung der Behebung der Mängel die Miete weiterhin in einem hohen und für uns nicht nachvollziehbaren Maße.“ Nach Ansicht der LEG sind die zahlreichen Beschwerden der Faths ein „absoluter Einzelfall“. Dass es in mehreren Wohnungen Probleme mit Schimmel gebe, treffe nicht zu, heißt es weiter. Der Befall sei auf falsches Heiz- und Lüftungsverhalten der Mieter zurückzuführen. Ein Besuch der ON in anderen Wohnungen der Wiesenstraße zeigte: Die Faths sind nicht die Einzigen, die dort mit Feuchtigkeit und Schimmel zu kämpfen haben. Auch in den sozialen Netzwerken beschweren sich einige Bewohner und die, die es mal waren.
Erspartes ist aufgebraucht
Auch wenn Herbert Fath die Summe nun bezahlt – auf sich sitzenlassen will er es nicht. Seinen Anwalt habe er am Freitag nicht mehr erreichen können, wolle jedoch auf jeden Fall gegen die Kündigung vorgehen, sagt der 79-Jährige.
Auch wenn es für die Rentner eigentlich keine langfristige Lösung ist, in der Wiesenstraße zu bleiben, werden sie das wohl noch einige Zeit müssen. Wegziehen wollte das Ehepaar schon seit mehreren Monaten. Doch in Aurich etwas zu finden, das in ihr Budget passt, gestaltete sich schwierig.
Selbst, wenn sie nun etwas Passendes finden würden, könnten sie den Umzug nicht bezahlen, sagt Herbert Fath. Mit der Zahlung an die LEG sei das Ersparte, das er für einen möglichen Umzug zurückgelegt hatte, aufgebraucht. „Wir stehen jetzt wieder bei null“, sagt Herbert Fath.
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