Schimmel in Wohnungen  Auricher Nachbarschaft erhebt schwere Vorwürfe gegen LEG

Neelke Harms
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Von Neelke Harms
| 25.09.2022 19:57 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Einer der Kellerräume in der Wiesenstraße ist von Schimmel befallen. Immer wieder steht hier das Wasser. Fotos: Neelke Harms
Einer der Kellerräume in der Wiesenstraße ist von Schimmel befallen. Immer wieder steht hier das Wasser. Fotos: Neelke Harms
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Wohnungen in der Auricher Wiesenstraße sind unter anderem von Schimmel befallen und in Kellern steht Wasser. Nun stellt sich die Frage der Schuld – und da gehen die Ansichten auseinander.

Aurich - Schimmel an den Außenwänden, undichte Türen und Wasser in Kellern – schaut man sich in Mehrfamilienhäusern in der Auricher Wiesenstraße um, stechen so manche Mängel ins Auge. Die Nachbarschaft erhebt nun schwere Vorwürfe gegenüber dem Düsseldorfer Wohnungsunternehmen LEG.

Seit Ende des vergangenen Jahres sind die Objekte in der Hand der LEG. Vorher betreute sie die Immobiliengesellschaft Adler. Die Probleme mit Feuchtigkeit und Schimmelbefall gibt es laut mehreren Mietern schon jahrelang. Doch getan hat sich kaum etwas.

LEG sieht Schuld bei Mietern

Herbert und Christel Fath, Bewohner eines der Gebäude, beschwerten sich schon mehrmals, sowohl bei Adler als auch der LEG. Mittlerweile hat das Ehepaar einen Rechtsanwalt sowie einen Gutachter eingeschaltet. Denn nach der Auffassung des Wohnungsunternehmens liegt die Schuld bei den Mietern selbst. „Grund für den Schimmel ist eindeutig das falsche Nutzerverhalten, also falsches Heiz- und Lüftungsverhalten entgegen der von uns empfohlenen Handhabung“, heißt es auf ON-Anfrage von der LEG. Einmal seien die Mängel aus Kulanz behoben worden. Das reicht den Aurichern allerdings nicht. Sie sind sich sicher, dass das Problem in der Außendämmung des Hauses liegt. Auf das Schreiben ihres Rechtsanwaltes gab es bisher seitens der LEG laut Faths keine Rückmeldung.

Herbert und Christel Fath aus Aurich. Seit Monaten haben sie mit Mängeln zu kämpfen. Foto: Neelke Harms
Herbert und Christel Fath aus Aurich. Seit Monaten haben sie mit Mängeln zu kämpfen. Foto: Neelke Harms

Das Düsseldorfer Wohnungsunternehmen spricht von einem „absoluten Einzelfall“. Die Annahme, dass es in der Nachbarschaft mehrere Wohnungen mit ähnlichen Problemen gebe, sei ihnen weder bekannt, noch treffe sie zu. Dass Wasser in den Kellern stehe, sei bekannt. Aber auch dafür hat die LEG eine andere Erklärung als die Mieter. Ein Besuch der ON in sechs Wohnungen zeigt: Um einen Einzelfall handelt es sich bei den Faths nicht. Und sowohl sie als auch ihre Nachbarn sorgen sich um ihre Gesundheit.

Angst, die Wohnung zu verlieren

Eine Fünfjährige spielt mit ihrem dreijährigen Bruder auf dem Fußboden ihres Kinderzimmers in der Auricher Wiesenstraße. Keine drei Meter weiter steht ein Hochbett. Die Wand dahinter ist von Schimmel befallen. Die Eltern der Kinder reinigen in regelmäßigen Abständen die Tapeten. Bisher haben sie sich noch nicht getraut, den Schaden ihrem Vermieter, der LEG, zu melden – aus Angst, ihre Wohnung zu verlieren.

Anders ist es bei Herbert Fath. Er zieht Konsequenzen. Seit dem August des vergangenen Jahres lebt der 79-Jährige mit seiner Frau Christel ein Haus weiter. In nahezu jedem Raum ihrer Wohnung findet sich Schimmel, der Laminatboden wölbt sich und im Keller steht Wasser. Die LEG schickte den Faths einen Mitarbeiter, der die Schimmelflecken mit Chlorspray bekämpfte. Doch nur einige Wochen später war der Schimmel zurück.

Hinter den Tapeten verbirgt sich Schimmel. Foto: privat
Hinter den Tapeten verbirgt sich Schimmel. Foto: privat

Kellerwände sollen abgedichtet werden

Ein Besuch der ON bei fünf Nachbarn der Faths zeigt: Mit Schimmel hatten nahezu alle von ihnen schon Probleme. Besonders erschreckend ist der Blick in einen Keller: Aus einer Ecke des Raumes läuft Wasser und die gesamte hintere Wand ist von Schimmel befallen.

Das Problem ist der LEG bekannt. „Wir haben ein Angebot zur Abdichtung von zwei Kellerwänden eingeholt und dieses auch beauftragt“, heißt es von dem Wohnungsunternehmen. Es handele sich dabei um hochgedrücktes Grundwasser. Eine 34-jährige Mieterin ist davon überzeugt, dass das nicht zutrifft. Sie habe schon selbst gesehen, wie das Wasser aus den Wänden laufe. Für die Keller zahlen die Mieter aufgrund der bekannten Mängel jedoch nicht. „Laut den für uns tätigen Handwerkern sind diese bereits mehrfach in der Woche vor Ort und saugen den Keller aus“, heißt es weiter. Darauf angesprochen, beginnen die Mieter zu lachen. Im Normalfall dauere es nach der Schadensmeldung bis zu 14 Tage, bis ein Handwerker komme. Herbert Fath erzählt, den vergangenen Heiligabend mit Nachbarn im Keller verbracht zu haben, um diesen auszupumpen. Das Wasser sei bis ins Treppenhaus gekommen.

Im Winter kommt der Schimmel wieder

Kommt man in die Wohnung einer 48-jährigen Frau, die namentlich nicht erwähnt werden möchte, scheint auf den ersten Blick alles in Ordnung zu sein. Schaut man in das Zimmer ihres Sohnes, fällt jedoch auf: An den Wänden sind keine Tapeten und die Möbelstücke sind mehrere Zentimeter von der Wand gerückt. Denn auch dort gibt es immer wieder Probleme mit Schimmel. Auch die 48-Jährige wendete sich an die LEG. Und sie erhielt die gleiche Antwort wie die Faths: Falsches Heiz- und Lüftverhalten sei der Grund. Ein Gutachter gab ihr den Tipp, keine Möbelstücke direkt an die Wand zu stellen. Sobald es draußen kälter wird, kommt der Schimmel jedoch zurück. Dann wäscht die 48-Jährige die Wände selbst ab.

Eine 72-Jährige zeigt in ihrem Bad einen dunklen Fleck. In regelmäßigen Abständen helfen ihr ihre Söhne, die Wohnung von Schimmel zu befreien. Auf eine schriftliche Beschwerde habe es seitens der LEG keine Antwort gegeben, sagt die 72-Jährige. Am liebsten würde sie sofort ausziehen.

Mieter wollen möglichst schnell ausziehen

„Ich würde lieber heut als morgen gehen“, sagt auch Herbert Fath. Doch in Aurich eine neue Wohnung zu finden, die in ihr Budget passt, ist für ihn und seine Frau nicht leicht. Gemeinsam leben die Rentner von rund 1500 Euro im Monat.

Auch in den Kellerräumen der Mietshäuser steht immer wieder Wasser. Foto: Neelke Harms
Auch in den Kellerräumen der Mietshäuser steht immer wieder Wasser. Foto: Neelke Harms

Der 79-Jährige hat Konsequenzen gezogen: Nachdem ein von der LEG beauftragter Gutachter unkritische Feuchtigkeitswerte der Wände feststellte, wandte Herbert Fath sich an die Verbraucherzentrale. Ein Energieberater stellte unter anderem fest, dass die Rollladenkästen der Wohnung nicht gedämmt sind und einen hohen Wärmeverlust verursachen. Daraufhin beauftragten die Faths einen Rechtsanwalt. „Es ist nicht damit getan, den Mietern ein mangelhaftes Lüften vorzuwerfen. Unsere Mandantin nimmt täglich mehrfaches Stoßlüften vor, wie es allgemein geeignet, erforderlich und verhältnismäßig ist. Wenn es trotzdem zur Schimmelbildung kommt, liegt es an der baulichen Substanz“, schreibt dieser an die LEG. Laut Faths gab es darauf keine Antwort. Auf Anraten ihres Anwalts kürzen sie nun schon seit mehreren Monaten die Miete – mittlerweile um 250 Euro. Herbert Fath hat nicht vor, damit aufzuhören. „Denen scheint wirklich alles egal zu sein“, sagt der Rentner über die LEG.

Auch die anderen Mieter aus der Auricher Wiesenstraße haben nun vor, gegen die LEG vorzugehen. Gerade die Familien sorgen sich um ihre und die Gesundheit ihrer Kinder.

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