Brookmerland

Ein ganz neues Gemeindehaus im alten Gebäude

| | 26.10.2021 22:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Im neu angebauten großen Saal hängt die alte Turmuhr an prominenter Stelle. Gerhard Evers (von links) vom Kirchenvorstand, Architekt Jann Kersten und Pastorin Katrin Krüger war es wichtig, im denkmalgeschützten Haus Modernes und Historisches zu kombinieren. Foto: Karin Böhmer
Im neu angebauten großen Saal hängt die alte Turmuhr an prominenter Stelle. Gerhard Evers (von links) vom Kirchenvorstand, Architekt Jann Kersten und Pastorin Katrin Krüger war es wichtig, im denkmalgeschützten Haus Modernes und Historisches zu kombinieren. Foto: Karin Böhmer
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In Marienhafe steht die Eröffnung des neuen Gemeindehauses bevor. Das Gebäude ist innen kaum wiederzuerkennen. Und zwischen all dem Neuen hängen Schätze aus der Vergangenheit wie die alte Turmuhr.

Marienhafe - Wenn Marienhafes Pastorin Katrin Krüger das Wort „Pilz-Raum“ sagt, muss sie immer ein bisschen lächeln. Es ist einiges neu und anders im umgebauten und vergrößerten Gemeindehaus in Marienhafe. Am ungewöhnlichsten ist aber wohl der Raum unter dem Dach, der mit dickem Teppich ausgekleidet und mit Hockern vollgestellt ist, die an Pilze erinnern.

Im sogenannten Pilz-Raum sollen Konfirmanden eine andere Lernatmosphäre vorfinden als in der Schule. Foto: Karin Böhmer
Im sogenannten Pilz-Raum sollen Konfirmanden eine andere Lernatmosphäre vorfinden als in der Schule. Foto: Karin Böhmer

Dieser Pilz-Raum ist für die Konfirmanden, die Krabbelgruppe und alle Gruppen gedacht, die mal nicht herkömmlich an U- oder O-förmig aufgestellten Tischen sitzen wollen. Der Norder Architekt Jann Kersten hat diese Gestaltung gewählt, damit die Konfirmanden etwas anderes vorfinden als in der Schule. Wenn sie nach dem Unterricht zum Konfirmandenunterricht kommen, sollen sie nicht gleich wieder an Tischen sitzen müssen. Mit einem Smartboard kann aber auch dort durchaus gearbeitet werden.

Toiletten und Mini-Teeküche auch im Obergeschoss

Tische und Platz für eine größere Gruppe gibt es im Obergeschoss hinter dem Südgiebel des neuen Gemeindehauses - ganz klassisch. Auch in dem Raum ist Teppich verlegt. Das verbessert die Raumakustik, wie Kersten sagt. Zwischen den beiden Gruppenräumen gibt es ein kleineres Besprechungszimmer und - das ist ungewöhnlich - Toiletten sowie eine Mini-Teeküche. Somit ist das Obergeschoss, das auch durch sepatate Eingänge zugänglich ist und eine innenliegende Fluchttreppe hat, autark. Auch wenn die Pläne schon aus der Zeit vor Corona stammen: Dies ist laut Kersten ein Vorteil, weil Gruppen das Gebäude nutzen können, ohne sich zu begegnen.

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26.10.2021

Obwohl am Ende nur ein Teil an das alte Gemeindehaus angebaut wurde - im Inneren hat sich fast alles verändert. Das Pfarrsekretariat befindet sich noch am alten Platz. Wo früher der Saal war, sind nun die Toiletten, eine Dusche und Abstellräume. Am alten Platz der Küche ist jetzt das Büro von Diakonin Monika Bauer, die bislang von ihrer Privatwohnung aus arbeiten musste und sich über die neue Lösung sehr freut. Auch die kleiderkammer hat hier wieder einen Raum bekommen, der laut Krüger in den nächsten Wochen aber noch als Materiallager für den Einzug fungiert. Der Keller wird nun nicht mehr genutzt.

Uhr ist das Schmuckstück des neuen Saals

Der Zugang erfolgt zum Erdgeschoss aus allen Richtungen barrierefrei. Neben der Vordertür gibt es zwei Seiteneingänge und die große Scheunentür zum Gemeindesaal. Vor allem an den Fenstern und Türen soll man erkennen, dass das mal die Gulfscheune war, sagt Kersten. Der Saal ist zwar kleiner als die alte Tenne. Aber das Scheunentor, die Tür des Mistganges, die kleinen Stallfenster an der Seite und die Doppelreihe Sprossenfenster im Giebel erinnern an die einst landwirtschaftliche Nutzung. Nur zum Westen raus sind große bodentiefe Fenster und Dachfenster eingebaut worden - als moderner Konterpart.

Der ausgemusterte Wetterhahn vom Turm hängt nun im Flur. Foto: Karin Böhmer
Der ausgemusterte Wetterhahn vom Turm hängt nun im Flur. Foto: Karin Böhmer

Dominant ist die alte Brandmauer, die durch rostrote Wandfarbe hervorgehoben wurde. An der Wand prangt die alte Uhr vom Störtebekerturm, die bislang ein verborgenes Dasein fristete. Im Flur ziert der alte Wetterhahn die Wand. Und an weiteren Wänden haben ein mindestens 60 Jahre altes früheres Kirchenfenster und ausgebaute Teile des alten Kirchengestühls Platz gefunden.

Küche lädt zum Schnack ein

Die LED-Lampen im Gemeindesaal sind umso moderner. Große Ringe hängen von der Decke, welche mit groben Holzplatten verkleidet ist. Ein Beamer mit Leinwand und Lautsprecheranlage ist für Veranstaltungen eingebaut. Die Dachfenster lassen sich laut Kersten elektrisch öffnen und beschatten und haben auch einen Regensensor, um bei Bedarf zu schließen. Durch Fenster an gegenüberliegenden Seiten lasse sich ein schneller Lufttausch gewährleisten, sagte der Architekt. Der vordere Wohntrakt ist energetisch saniert worden und nun laut Kersten CO2-neutral.

Die Küche wirkt zunächst klein, hat allerdings einen Lagerraum. Dafür gibt es im vorderen Bereich Sitzplätze zum Klönen. Foto: Karin Böhmer
Die Küche wirkt zunächst klein, hat allerdings einen Lagerraum. Dafür gibt es im vorderen Bereich Sitzplätze zum Klönen. Foto: Karin Böhmer

Die Küche hat Platz gefunden, wo bisher der Sanitärtrakt war. Auch sie ist ungewöhnlich, denn auf den ersten Blick wirkt sie recht klein für eine 4000-Seelen-Gemeinde mit rund 10 kirchlichen Gruppen. Das Geheimnis liegt hinter einer Tür: Geschirr und Vorräte finden in einem Lagerraum Platz. Deshalb ist in der Küche Platz für Sitzbänke. „Früher standen in der Küche alle und haben sich angelehnt“, sagt Krüger.

Möbel waren nicht mehr im Kostenrahmen

Gekostet hat der Umbau laut Gerhard Evers vom Kirchenvorstand gut eine Million Euro. Durch Baukostensteigerungen waren die Möbel am Ende nicht mehr im Budget und wurden aus den vorgeschriebenen Rücklagen der Gemeinde bezahlt. „Die Finanzen haben immer den Rahmen vorgegeben“, sagt Kersten.

Der Anbau hat große Fenster nach Westen raus. Im Giebel und an der Straße findet sich die Fensterstruktur einer Scheune wieder. Foto: Karin Böhmer
Der Anbau hat große Fenster nach Westen raus. Im Giebel und an der Straße findet sich die Fensterstruktur einer Scheune wieder. Foto: Karin Böhmer

Gefördert wurde der Bau durch das Programm Basisdienstleistungen. Das bedeutet, dass die Kirchengemeinde das Gebäude für außerkirchekiche Gruppen öffnen muss. Der Bauausschuss des Kirchenvorstands muss sich im November damit befassen, eine Nutzungsordnung zu erstellen.

Am Sonntag gibt es Führungen

Am Sonnabend dürfen sich die ehrenamtlich Tätigen der Gemeinde ihr neues Heim schon mal anschauen und blicken in einer Präsentation auf die neunmonatige Bauphase zurück. Am Sonntag gibt es um 9, 10 und 11 Uhr Rundgänge für alle Interessierten. Die Führungen finden unter 3G-Bedingungen statt. Eine Mund-Nase-Bedeckung ist Pflicht. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, bittet der Kirchenvorstand um vorherige Anmeldung unter Tel. (0 49 34) 41 66 oder per E-Mail an katrin.krueger@evlka.de.

Am Sonntag findet um 15 Uhr der Festgottesdienst zur Einweihung statt.

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