Meinung Aus diesem Breitband-Schlamassel im Kreis Aurich muss man lernen
Beim Breitband-Ausbau im Landkreis Aurich hakt es mächtig. Dieses Desaster steht auch für ein Staatsversagen, das viele Menschen unzufrieden macht. Das muss besser werden. Ein Kommentar.
Wenn man die Verantwortlichen beim Landkreis Aurich über immer neue Pleiten, Pech und Pannen beim Breitband-Ausbau berichten hört, bekommt man fast Mitleid. Besonders hakt es wohl bei den Dokumentationen der Tiefbaufirmen, mit deren Arbeit Netzpächter Vodafone nicht zufrieden ist und nachbessern lässt.
Fast jeder hat bisweilen haarsträubende Geschichten gehört über jahrelanges Warten, über Beschädigungen beim Tiefbau. Insgesamt macht keiner der Beteiligten eine gute Figur bei dem Projekt, das in aller Ehrlichkeit als Desaster bezeichnet werden muss.
Landkreis stets bemüht – aber offenbar überfordert
Der Landkreis zeigte sich zwar stets bemüht, aber zugleich offenbar überfordert angesichts dieser Größenordnung mit Hunderten Kilometern Kabeln und Tausenden unzufriedenen Kunden. Deren Information über selten aktualisierte Internetseiten war nicht ausreichend.
Und der Großkonzern Vodafone richtete zum Vermarktungsstart 2019 zahllose Vertriebsbüros ein, wo für das „Turbo-Internet“ geworben wurde. Doch in den Betriebsausschüssen, in denen der Landkreis und enttäuschte Bürger von Problemen berichteten, ließ sich kaum noch jemand blicken. Die Lokalpolitiker mussten sich viele Beschwerden der Bürger anhören. Aber sie hätten beim Landkreis mehr öffentlichen Druck erzeugen, die Misere klarer benennen können.
Kunden kommen sich zu Recht veräppelt vor
Das Auricher Breitband-Desaster steht zugleich für ein immer augenfälliger werdendes Staatsversagen, eine Dysfunktionalität, die viele Menschen unzufrieden macht und die Demokratie gefährdet. Dazu gehört die Delegation von staatlichen Mammut-Aufgaben auf die kommunale Ebene, die damit überfordert ist. Dazu ein Wust von Bürokratie, langwierigen Prozessen und Ausschreibungsverfahren, die vieles lahm legen – wo am Ende oft die günstigsten, aber nicht die besten Baufirmen zum Zuge kommen.
Die Verantwortlichen können so viele technisch-rechtlich-bürokratische, in sich schlüssige Erklärungen für die Verzögerungen liefern, wie sie wollen: Den Kunden darf das völlig egal sein. Sie wollen nicht bis zu sieben Jahre lang auf ihren Anschluss warten müssen. Sie kommen sich zu Recht veräppelt vor. Die Kreis-Verantwortlichen haben es richtig erkannt: Aus diesem Riesen-Schlamassel kann und muss man lernen – und es künftig besser machen.