Gastronomie Das ändert sich im Strandcafé am Badesee Tannenhausen
Nach zwei schwierigen Hochwasserjahren eröffnet die Wakeboard-Anlage an diesem Wochenende mit vollem Wasserski-Angebot. Im Mai soll zudem mit einer Neuerung im Gastro-Konzept das Freibadfeeling der 90er aufleben.
Tannenhausen - Die Palmwedel rascheln im Wind, der Badesee in Tannenhausen funkelt im Sonnenlicht: Mitte März ist alles bereit für die neue Saison. Am Sonnabend, 21. März 2026, dreht sich bei der Wakeboardanlage North Bound erstmals wieder der Lift. Um 13 Uhr geht es mit einer langsamen Runde los, von 14 bis 18 Uhr ist dann wieder Tempo angesagt.
In der Vorsaison wird je nach Wetter geöffnet sein, sagt Geschäftsführer Julian Berg. Wenn es schüttet, kommen ohnehin keine Gäste. Erst mit Himmelfahrt am 14. Mai 2026 beginnt die Hauptsaison in der Gastronomie. Dann wird auch die Spiellandschaft des Aquaparks wieder aufgebaut sein. Und das Kulturprogramm am See geht wieder los mit Konzerten an jedem Mittwoch und Sonnabend ab 18 Uhr. Außerdem sind laut Berg die „Mama-geht-tanzen“-Events schon fest eingeplant. Und auch das Familienfest.
Zweiter Standort direkt am Badestrand
Eine Neuerung von North Bound spielt sich etwas abseits des Wasserski-Lifts und der Strandbar ab. Denn auch das Strandcafé im Mehrzweckgebäude wird ab Mai North Bound bespielen. Die Idee ist schon im vergangenen Jahr gereift. Das Konzept wird dabei etwas verändert, wie Berg verrät. Das jetzige Strandcafé wird eher wie ein Strandkiosk geführt. Dabei gebe es durchaus weiterhin die Sitzplätze im Wintergarten und auf der Terrasse. Das Motto lautet aber Selbstbedienung, so Berg. Dazu hat er eigens zwei Self-Service-Automaten bestellt, an denen Speisen und Getränke geordert und bezahlt werden können. Am Tresen werden diese dann nur noch zubereitet und ausgegeben.
Sollte jemand Schwierigkeiten mit dieser Art des Bestellens haben, darf er um Hilfe bitten. Dann wird die Funktionsweise erklärt, so Berg. Vielen Badeseegästen dürfte das Prinzip aber auch schon aus Fastfood-Restaurants bekannt sein.
Bestellung direkt vom Handtuch aus möglich
Außerdem kann online bestellt werden – vom Tisch oder auch vom Badehandtuch aus. „Die Gäste bekommen dann eine SMS, wenn sie sich ihre Bestellung abholen können“, so Berg. Und was gibt es im Café überhaupt? North Bound setze auf ein Angebot „mit dem Freibadfeeling in den 1990ern“, wie Berg sagt.
Dazu gehöre Pommes in der Spitztüte ebenso wie süße Tüten, Softdrinks und Softeis und natürlich heiße Getränke. „Wer seinen Kaffee aber aus der Tasse trinken möchte, der muss in die Strandbar gehen“, sagt Berg und deutet mit dem Kinn in Richtung Wakeboard-Anlage. Im Standcafé direkt am Badestrand wird alles „to go“ angeboten. Um Müll zu reduzieren, gibt es dort allerdings beispielsweise Mehrwegbecher von Recup.
Synergien in zwei Gastronomien
Das sind die Pläne für die erste Saison im Standcafé. In der Beachbar sei North Bound personell gut aufgestellt, deshalb könne man in der Kooperation der beiden gastronomischen Angebote Synergien nutzen. Ein Traum wäre für die Geschäftsführer auch, wenn das Strandcafé mit seinem Wintergarten dazu beitragen könnte, die Saison am See zu verlängern.
Bislang beschränke sich der Badebetrieb auf die Schönwettertage. Und in der Wintersaison muss auch die auf Open-Air-Betrieb ausgelegte Strandbar schließen. „Vielen Wassersportlern ist das Wetter aber ziemlich egal“, sagt Berg. Er hoffe daher, dass die Wintersaison für sie vielleicht bei gutem Wetter attraktiver werden könnte, wenn der Wintergarten als Gastronomie und die Duschen im Mehrzweckgebäude zur Verfügung stünden. „Und wer weiß?“, sagt Berg. „Wenn wir mit den Wassersportlern erstmal ein Grundrauschen in der Gastronomie haben, vielleicht wird ja dann auch noch mehr draus.“
Hoffnung auf Saisonverlängerung im Wintergarten
Saisonverlängerung ist ein Ziel im von der Stadt in Auftrag gegebenen Tourismuskonzept für den Badesee. Die Gastronomie dort sei aber von zweierlei Faktoren abhängig, so Berg: Von gutem Wetter, das zum Baden einlädt. Oder zumindest vom Unterhaltungsfaktor der Wasserski-Anlage.
Die Wakeboard-Anlage feiert in diesem September ihren zehnten Geburtstag. Nach anfänglichen Traumsommern waren die beiden zurückliegenden Jahre allerdings herausfordernd für die Betreiber. 2024 stieg der Wasserstand im See nach langen Regenfällen im Winter auf ein Rekordhoch. Die Terrasse am See und das Startdock nahmen Schaden, ein Betrieb war in der Saison 2024 erst spät und nur mit Einschränkungen möglich. Ein aufwendiger Umbau folgte und verkürzte die Saison 2025 auf wenige Tage im September. Insgesamt sei ein hoher Umsatzverlust entstanden, sagte Geschäftsführer Julian Berg.
Nun steht die im vergangenen Herbst nur noch kurz genutzte neue Plattform vor ihrer ersten vollen Saison. Die neue Plattform ist nicht nur auf mögliches Hochwasser ausgerichtet. Bei einem heißen Sommer verzeiht sie laut Berg auch einen niedrigen Wasserstand.
Parkgebühren immer noch ein Ärgernis
Laut Berg hänge auch die Auslastung der Strandbar stark davon ab, ob es auf dem Wasser etwas zu schauen gibt. Als der Ski-Lift außer Betrieb war, sei dies sofort zu spüren gewesen. „Das ist ja unser Alleinstellungsmerkmal, eine Art Event-Gastronomie“, so Berg.
Noch einen dritten Faktor hat Berg im Kopf, wenn es um die Auslastung der Einrichtungen am Badesee geht. Die auf dem Parkplatz der Stadt erhobenen Parkgebühren sind ihm schon länger ein Dorn im Auge. Inzwischen habe er noch einmal Gespräche mit der Stadt Aurich aufgenommen, die auch gut angelaufen seien, so Berg.
Am liebsten wäre es ihm, wenn im gesamten Jahr keine Gebühren fällig wären. Im Vergleich zur Gastronomie beispielsweise am Auricher Hafen, wo Autos mit eingestellter Parkscheibe drei Stunden kostenlos abgestellt werden dürfen, sei die Tannenhausener Regelung ein klarer Wettbewerbsnachteil. „Und wir arbeiten hier zudem noch im Außenbereich“, so Berg. Diese Ungleichbehandlung der Kunden und Gastronomen müsse aus seiner Sicht geprüft werden.
Und wenn das Argument weiter laute, dass die Stadt in den Sommermonaten ein großes kostenfreies Angebot am See vorhalte, könne er zumindest die Parkraumbewirtschaftung in der Neben- und Wintersaison nicht nachvollziehen.