Debatte um Auricher Realschule  Kreistagsfraktion möchte nun Oberschule mit Gymnasialzweig

| | 15.03.2026 08:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Droht die Realschule Aurich, durch eine Umwandlung in eine Oberschule in Schieflage zu geraten? Foto: Romuald Banik
Droht die Realschule Aurich, durch eine Umwandlung in eine Oberschule in Schieflage zu geraten? Foto: Romuald Banik
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Trotz des Widerstands aus der Stadt Aurich hält die Kreistagsfraktion Moin/Herr Weiss am Plan zur Einrichtung einer Oberschule fest. Der Auricher Politik wirft sie Verantwortungslosigkeit vor.

Aurich - Die Kreistagsfraktion Moin/Herr Weiss legt nach der nicht-öffentlichen Sitzung der Interfraktionellen Arbeitsgruppe zur Schulentwicklungsplanung am 11. März 2026 noch einmal nach. Zum einen stellt sie zusätzlich zu den beiden vorliegenden Anträgen zur Umwandlung der Realschule Aurich in eine Oberschule für Haupt- und Realschüler zwei weitere Anträge. Zum anderen kritisiert sie die Auricher Stadtratspolitiker, die sich für den Erhalt der Realschule als solcher ausgesprochen haben, scharf. Die Stadt Aurich wolle sich „der gesellschaftlichen Verantwortung entziehen“, heißt es in einer Mitteilung des Fraktionsvorsitzenden Heinrich Ubben.

Die Auricher Politik will die gut funktionierende Realschule nicht schwächen, sondern spricht sich allenfalls für die Ergänzung um eine Oberschule aus. Die sei eine „Ghettoisierung statt Sozialisierung der Schüler in der Region Aurich“, so Ubben. „Die Aussagen, dass die Realschule Aurich quasi unantastbar sei, wirft die Frage nach Übernahme der gesellschaftlichen Verantwortung gegenüber Schülerinnen und Schülern mit niedrigerem Bildungsniveau im Stadtgebiet auf.“

Ubben: „Unanständiges Unterfangen“ der Auricher Politik

Alle Gemeinden und Städte im Kreis Aurich hielten in eigener Trägerschaft im Sekundarbereich I (Klassen 5 bis 10) mindestens Bildungsangebote zur Erreichung des Haupt- und Realschulabschlusses vor. Nur die Kreisstadt wolle sich aus der Verantwortung ziehen und die Kosten auf den Landkreis abwälzen, kritisiert Ubben.

Ganz Recht hat er damit auch nicht, selbst, wenn man nur das Festland betrachtet. Denn die gemeinsame weiterführende Schule in den Gemeinden Hinte und Krummhörn - eine IGS - befindet sich in Trägerschaft des Landkreises. Die Gemeinden zahlen allerdings die Investitionen. In Dornum gibt es zudem, ähnlich wie in Aurich, nur eine gemeindeeigene Realschule. Im Auricher Stadtgebiet gibt es zudem schon ein Angebot für Haupt- und Realschüler: die IGS Aurich in Trägerschaft des Landkreises.

Derzeit steht die Tür der städtischen Realschule nur Realschülern offen. Foto: Romuald Banik
Derzeit steht die Tür der städtischen Realschule nur Realschülern offen. Foto: Romuald Banik

Die Realschule soll nach dem Willen der Stadtpolitik unbedingt eigenständig und in Hand der Stadt Aurich bleiben. „Sollte eine Oberschule entstehen, dann bitte in Trägerschaft des Landkreises Aurich. Natürlich ist es ein unanständiges Unterfangen, welches nicht toleriert werden darf. Der Stadt sollten alle ihre Schüler lieb und teuer sein“, so Moin/Herr Weiss.

Fraktion: Gymnasialzweig entlastet Gymnasium

Ubben bezieht sich nach seinen Angaben auf Aussagen von Realschulleiterin Kathrin Peters. Rund 50 Prozent eines Jahrgangs verließen die Schule im Laufe der Jahre. Vor allem durch Abgänge vom Gymnasium würden die Klassen wieder aufgefüllt.

Moin/Herr Weiss favorisiere den Weg, die sehr gut arbeitende Realschule um einen Zweig auf Hauptschulniveau zu ergänzen. Zur Optimierung des Schulangebots könne die etablierte Realschule zusätzlich um einen Gymnasialzweig bis Klasse 10 ergänzt werden, so die Fraktion. Dies hat sie inzwischen in einem neuen Antrag formuliert. „Moin/Herr Weiss sieht ein großes Schülerpotential für eine Schule mit der Beschulung auf Haupt-, Real- und Gymnasialniveau“, heißt es darin. „Der Gymnasialzweig ist ideal für Schüler, die vor der schweren Entscheidung stehen, ob der Besuch des Gymnasiums die richtige Entscheidung nach dem Grundschulbesuch ist. Das wird einerseits zu einer Entlastung des Gymnasiums führen und andererseits zu einer Stärkung der Realschule führen.“

Weiss: Kreistag hat nun Verantwortung zu tragen

Niemand wolle die Realschule schwächen, sondern die Schule stärken durch optimierte Bildungsangebote, so Ubben. Ein entsprechender Prüfauftrag an die Kreisverwaltung wurde ebenfalls in einem Antrag formuliert.

Die Umwandlung in eine Oberschule habe für zukünftige Schüler mit berufsorientiertem Anspruch den großen Vorteil, dass unter einem Dach und ohne Schulortwechsel eine Durchlässigkeit der Schulsysteme in beide Richtungen möglich sei. „Der Kreistag hat jetzt Verantwortung zu tragen“, so Edgar Weiss.

In einer Oberschule würden Schüler nicht stigmatisiert. Sie verblieben auch nach einem Wechsel weiter in der ihnen bekannten Schule und ihrem sozialen Umfeld.

Die Gründung einer Oberschule ergänzend zum Gymnasium, zur Realschule und IGS würde laut Ubben nur dazu führen, dass die Schule als Restschule abgestempelt werden wird. Bei der Weiterentwicklung der Schullandschaft könne die Realschule nicht außen vor gelassen werden.

Für zusätzliche Schule fehlt es an Schülern

Für eine Oberschule als weiteres Angebot neben der IGS und der Realschule fehle es an Schülern. „Warum soll viel Geld in die Hand genommen werden, um neue Schulbauten entstehen zu lassen? Es gibt hervorragende Beispiele dafür, dass bestehende Schulen um andere Standorte erweitert wurden. Die KGS Hage wurde ergänzt um den Standort in Norden, die anfängliche IGS Marienhafe um den Standort Moorhusen. „Der Schulleitung und dem Kollegium der Realschule wird es gelingen, einen Hauptschulzweig aufzubauen und zu integrieren“, so Ubben. Die Politik solle auf die Fachleute des Landesamtes für Schule und Bildung vertrauen, die dem Weg einer integrativen Beschulung positiv gegenüberstünden.

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