Meinung Geschätzte Fahrgastzahl könnte viel zu hoch sein
Angeblich könnten täglich mehr als 4000 Fahrgäste eine reaktivierte Bahnstrecke Aurich-Emden nutzen. Doch es spricht viel dafür, dass die Zahl zu hoch ist. Ein Kommentar.
Eine Zahl hält sich in der Diskussion um eine Wiederbelebung des Bahn-Personenverkehrs zwischen Aurich und Emden hartnäckig: 4135. So viele Fahrgäste täglich werden in der Machbarkeitsstudie angenommen. In dieser Woche forderte die CDU-Landtagsabgeordnete Saskia Buschmann aus Aurich, besser zu erklären, wie die Schätzung zustande gekommen ist. Damit legt sie, ob gewollt oder nicht, den Finger in die Wunde. Denn die Zahl ist wahrscheinlich viel zu hoch gegriffen. Und das hätte massive Auswirkungen auf die Kosten-Nutzen-Schätzung des 90 Millionen Euro-Projekts.
Schon im Dezember sprach Hilko Gerdes von einem „Rätsel“
Nur scheint das allein die Kritiker zu interessieren. Die kommen vor allem aus Südbrookmerland. Sie wiesen schon kurz nach der Vorstellung der Machbarkeitsstudie im Dezember auf eine mögliche kolossale Fehleinschätzung des Potenzials hin. Zu ihnen gehörte der CDU-Kreistagsabgeordnete Hilko Gerdes aus Moorhusen. Er hält es für ein „Rätsel“, wie man auf mehr als 4100 Fahrgäste am Tag gekommen sei. Das sei unrealistisch.
Genaue Nachfrage beim Ministerium zeigt Unterschiede
Die ON fragten im Dezember beim Verkehrsministerium in Hannover genau nach: Wie ist die Zahl zustande gekommen? Die knappe Antwort: Zugrundegelegt wurden Mobilfunkbewegungsdaten, die auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet wurden. Das Problem: Das Potenzial wurde vor der Machbarkeitsstudie ermittelt, während deren Erstellung Haltestellen gestrichen wurden. So ging das Ministerium noch von einem Stopp in Aurich-Extum mit der Anbindung des Schülerverkehrs zur IGS und zur BBS aus. Doch von einem Halt in Extum ist in der finalen Machbarkeitsstudie keine Rede mehr.
Weniger Haltepunkte, weniger Fahrgäste
Es ist eine einfache Gleichung: Weniger Haltepunkte bedeuten weniger Fahrgäste. Das gilt besonders für den einst angedachten Halt in Abelitz, der Stand heute vom Tisch ist. Die Planer der Machbarkeitsstudie schließen die Verbindung zum Netz der Deutschen Bahn aus diversen Gründen derzeit aus – und damit auch die attraktive Anbindung für Pendler und Touristen nach Norden und Norddeich.
Wurde das beim Potenzial von 4135 Fahrgästen am Tag berücksichtigt? Es sieht nicht so aus. Klarheit könnte eine genaue Erklärung bringen, die Buschmann fordert. Es wird Zeit, die Diskussion mit mehr Fakten zu füttern.