Mehrere Ideen Diskussion um öffentliches WC auf Sandhorster Dorfplatz
Die Dorf-AG möchte in Eigenleistung ein Toilettenhäuschen bauen und sich drum kümmern. Die Stadt soll nur fürs Material zahlen. Im Bauausschuss gab es jedoch ganz andere Vorschläge.
Sandhorst - Das dringende Bedürfnis lässt sich nicht aufschieben – und deshalb hat die AWG-Fraktion im Stadtrat kürzlich einen Antrag auf ein Toilettenhäuschen auf dem Sandhorster Dorfplatz gestellt. Dort fänden regelmäßig Veranstaltungen statt. Ein öffentliches WC gebe es aber nicht. Das benachbarte Gasthaus sei unregelmäßig geöffnet. Man könne den Gästen – und das auch nur werktags – nur den Kik-Markt auf der anderen Seite des Ehewegs empfehlen – und das auch nur, solange dieser dabei mitspiele.
Die AWG fragte im Namen der Sandhorster Dorf-AG an, ob die AG nicht von der Stadt Aurich Material für ein Toilettenhäuschen bekommen könne. Der Bau könne dann in Eigenleistung entstehen. Auch für die Sauberkeit wolle der Verein die Verantwortung übernehmen.
Zwei Alternativvorschläge
Dieser Antrag wurde am 11. Februar 2026 im Auricher Bauausschuss beraten – und nun gibt es neue Lösungsansätze. Die Verwaltung soll diese zeitnah prüfen.
Mit dem Grundanliegen, Besuchern eine Toilette anbieten zu wollen, stießen die Sandhorster auf großes Verständnis. Ihr Angebot sorgte aber auch für Skepsis. Deshalb wurde die Verwaltung beauftragt, alternativ die Anschaffung eines Toilettencontainers zu prüfen und in Erfahrung zu bringen, was ein Kontingent an Buchungen bei einem Toilettenwagenverleiher kosten würde, damit allen Ortsräten ein paar Mal im Jahr für Veranstaltungen ein kostengünstigerer Toilettenwagen zur Verfügung stehen könnte.
Richard Rokicki (AWG) hatte den Antrag vorgestellt und dabei kritisiert, dass die Verwaltung bislang nicht auf entsprechende Vorstöße reagiert hatte. Auch der Sandhorster Ortsbürgermeister Rolf-Werner Blesene (SPD) zeigte sich verwundert, dass der vom Ortsrat beschlossene Prüfauftrag keine Antwort bekommen habe. Blesene sagte aber auch, dass es zwar etliche Veranstaltungen auf dem Dorfplatz gebe, er dennoch Zweifel habe, ob die Investition in ein Toilettenhäuschen gerechtfertigt sei. Er bevorzuge die von der AWG und Dorf-AG ebenfalls geäußerte Alternativ-Idee, dass die Stadt einen Toilettenwagen anschaffe, beim Betriebshof lagere und für Veranstaltungen zur Verfügung stelle. Dieser sei dann auch für andere Orte verfügbar.
Toilettenhäuschen als Beitrag zum Auricher Tourismus
Heidrun Weber (GfA) will ebenfalls keine Konkurrenz zwischen den Ortsteilen aufmachen. Bekomme Sandhorst ein WC-Häuschen, würden andere Orte entsprechende Forderungen äußern. Andererseits habe Sandhorst aus ihrer Sicht ein Alleinstellungsmerkmal: Denn direkt neben den Veranstaltungen auf dem Dorfplatz gebe es dort noch etwas anderes: den fahrradtouristisch bedeutsamen Ostfrieslandwanderweg, an dem ohnehin zu wenig Toiletten zur Verfügung stünden. „Somit wäre ein Toilettenhäuschen dort dann auch ein Mehrwert für den Radverkehr und den Tourismus“, so Weber.
Arno Fecht (FDP-Fraktion) und Volker Rudolph (SPD) äußerten gleichermaßen die Befürchtung, dass ein Toilettenhäuschen Ziel von Vandalismus werde. „Wer in der Gastronomie Erfahrungen hat, weiß, dass es mit einer täglichen Reinigung nicht getan ist“, so Fecht. Die Erfahrung in Aurich habe gezeigt, dass fast alle öffentlichen Toiletten irgendwann zu Bedarfstoiletten geworden seien, sie also nur mit Spezialschlüssel oder zu bestimmten Zeiten geöffnet seien.
Materialkosten lägen allein bei knapp 100.000 Euro
Arnold Gossel (CDU) brachte den Vorschlag auf, statt eines steinernen Gebäudes über einen WC-Container nachzudenken oder ein Sonderangebot für die Toilettenwagenmiete für alle Ortsteile einzuholen.
Rokicki äußerte Zweifel an der Miet-Idee. Beispielsweise zum Maibaumaufstellen wollten alle Ortsteile einen Wagen haben – dann komme es zu Engpässen.
Stadtbaurat Mirko Wento kanalisierte die Diskussion: Ein kleines Toilettenhäuschen würde beim Materialkauf bereits bei rund 150.000 Euro liegen. Ein sehr kleines immer noch im hohen fünfstelligen Bereich. Auch die Verwaltung fürchte, dass ein Bau in Sandhorst woanders Begehrlichkeiten wecken werde. Das Angebot der Dorf-AG, sich um die Reinigung zu kümmern, sei ehrenwert, es sei viel Bereitschaft zu erkennen. Aber es lasse sich nie sagen, was in zehn oder 20 Jahren sei. Am Ende bleibe die Reinigung an der Verwaltung hängen. „Wir wollen, ehrlich gesagt, mit diesem Thema nicht viel zu tun haben“, so Wento.
Ausschussvorsitzender Manfred Möhlmann (CDU) formulierte dann einen Prüfauftrag an die Verwaltung für die Installation eines WC-Containers und für die Abfrage eines Sondertarifs für die WC-Wagen-Miete.
Beispiel für „betriebsfertige Kompakt-WC-Anlage“ in Marienhafe
Gila Altmann (Grüne) warf ein, dass jenseits aller Begehrlichkeiten die Möglichkeit, eine Toilette aufsuchen zu können, ein wichtiger touristischer Aspekt sei – an dem es gerade in den Ortsteilen fehle. Sie unterstützte Weber in der Idee, die Nutzung kostenpflichtig zu machen, um so Vandalismus zu reduzieren.
Wento konterte jedoch mit Zahlen: Ein einfacher Toilettencontainer koste nach Recherche der Verwaltung rund 5000 bis 8000 Euro. Funktioniere das Angebot nicht, könne er rasch wieder abgebaut werden. Ein WC-Container mit Geldeinwurf sei ungleich teurer – und belaste bei Störungen ebenfalls die Verwaltung.
Ein Beispiel für einen solchen Container können die Auricher in Marienhafe finden. Dort wurde 2023 am neuen Abenteuerspielplatz eine „betriebsfertige Kompakt-WC-Anlage“ installiert. Diese kostete inklusive Anlieferung rund 180.000 Euro. Pro WC-Besuch werden 50 Cent verlangt. Die Wartung erfolgte im ersten Jahr aus der Ferne – der Hersteller war für die technische Wartung, elektrische Sicherheitsüberprüfung, Datenfernübertragung und Beseitigung von Störungen verantwortlich. Dies kostete monatlich rund 1100 Euro. Schon in dieser Phase mussten handfeste Probleme von Rathausmitarbeitern beseitigt werden.