Schule im Landkreis Aurich So will der Kreis explodierende Kosten für Schülerbeförderung senken
In den vergangenen Jahren ist vor allem die Zahl der Schüler, die eine teure Individualbeförderung mit Taxis brauchen, gestiegen. Darauf will die Kreisverwaltung reagieren.
Aurich - In den vergangenen Wochen ist im Landkreis Aurich mehrfach die Schule ausgefallen. Der Grund: Die Schülerbeförderung, die rund 10.000 Schüler betrifft, konnte wegen Eis und Schnee nicht gewährleistet werden. Dadurch hat der Landkreis Aurich womöglich Geld eingespart. Doch das war im jüngsten Schulausschuss nur eine ironische Randbemerkung.
Denn tatsächlich sind die Kosten für die Schülerbeförderung im Landkreis Aurich in den vergangenen Jahren geradezu explodiert und werden von vielen Kreispolitikern als zu hoch angesehen. Für 2026 wird laut Schulamtsleiter Jens Kleen mit Gesamtkosten von rund 17 Millionen Euro gerechnet. 2022 waren es „nur“ 11,7 Millionen Euro gewesen. Dem Anstieg will die Verwaltung nun mit verschiedenen Maßnahmen entgegenwirken. Im Schulausschuss stellte Kleen noch einmal die herausfordernde Situation dar. Demnach erhalten derzeit knapp 21.000 Schüler ein Jugendticket, das seit dem Schuljahr 2022/23 die Schülersammelzeitkarten ersetzt hat. Es kostet monatlich 36 Euro. Tatsächlich haben laut Kleen knapp 10.000 Schüler einen Anspruch auf Beförderung. Die Kosten dafür lagen im Jahr 2025 bei rund 9,1 Millionen Euro.
Mehr als 1500 Schüler brauchen Individualbeförderung
Dazu kommt die sogenannte Individualbeförderung in besonderen Fällen, meist mit Taxis. Das betrifft derzeit immerhin 1556 Schüler im Landkreis Aurich. Dabei ist auch hier ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen - im Jahr 2021 waren es nur 1254 betroffene Schüler. Die Kosten für die Individualbeförderung lagen laut Kleen 2025 bei rund 7,5 Millionen Euro – je Schultag waren das laut Kleen immerhin 40.000 Euro. Für die Individualbeförderung gibt es viele verschiedene Gründe: bei 663 Schülern war es im Januar die fehlende Busverbindung, in 526 Fällen eine geistige Behinderung, in 107 Fällen eine körperliche Behinderung. Dazu kommen etwa Flüchtlinge, die nicht direkt vor Ort beschult werden (49) und Fälle, wo Maßnahmen des Jugendamtes eine Rolle spielen (48).
Insgesamt habe die Kostensteigerung mehrere Gründe, erklärte Amtsleiter Kleen den Kreispolitikern. Dazu gehörten die steigende Schülerzahl, Kraftstoffpreise, Busfahrerlöhne, Taxipreise, veränderte Routen und Auslastungen, rechtliche Ansprüche sowie persönliche Bedürfnisse und Atteste der Schüler. So gebe es etwa eine steigende Zahl von Schülern mit Förderbedarf Geistige Entwicklung. Ein weiteres Beispiel: Rund 30 Kinder dürfen wegen einer Autismus-Spektrum-Störung nur alleine, nicht mit anderen zusammen, gefahren werden. Und der Ganztagsanspruch für Grundschüler, der ab dem nächsten Schuljahr gelten soll, werde eine weitere Herausforderung, kündigte Kleen an.
Tatsächliche Ansprüche sollen überprüft werden
Grundsätzlich habe man bereits Schritte unternommen, um die Kosten einzudämmen, erklärte Amtsleiter Kleen. So habe man Eltern, Schulen und Unternehmen auf die tatsächlichen Ansprüche hingewiesen. Für alle Schüler wurden die tatsächlichen Stundenpläne angefordert, um eine genauere Tourenplanung zu ermöglichen. Auch über Sammelstellen soll nachgedacht werden, ebenso über eine bessere Zusammenarbeit mit Nachbar-Landkreisen.
Zudem sollen gefährliche Schulwege, die einen Anspruch auf Beförderung begründen, verbessert werden, zum Beispiel durch Einsatz von Personal vor Ort, aber auch Gespräche mit Städten und Gemeinden etwa über bessere Straßenbeleuchtung, Gehwege und anderes mehr. Schließlich wolle man auch die Schülerbeförderungssatzung anpassen, etwa in Hinblick auf die Kilometer-Grenzen, ebenso seien vertragliche Anpassungen bei Vergaben an die Bus- und Taxifirmen möglich.
Harald Bathmann (SPD, Aurich) sagte, der Landkreis habe sich zum Ziel gesetzt, für alle Schüler eine gute Bildung zu ermöglichen. Dazu seien etwa Oberstufen auf dem Land eingerichtet worden, was auch schon zu Erfolgen bei der Abiturquote geführt habe. „Dass das nicht umsonst zu haben ist, war klar“, so der SPD-Kreistagsabgeordnete, der selber Lehrer ist.