Meinung Kein SPD-Kandidat – Eingeständnis der eigenen Schwäche
Früher war Südbrookmerland eine rote Hochburg. Jetzt traut sich die SPD dort nicht einmal mehr eine Kandidatur zu. Dabei würde Konkurrenz guttun. Ein Kommentar.
Für Thomas Erdwiens (FWG) ist es ein Triumph. Er hat es geschafft, in seinem Amt als Bürgermeister von Südbrookmerland unangefochten zu werden. Alternativlos, wenn man so will. In dieser Woche hat die SPD bekannt gegeben, keinen Kandidaten für die Wahl im September aufzustellen. Garniert war diese Ankündigung mit höchstem Lob für Erdwiens. Wie kaum ein Bürgermeister vor ihm kenne er sich in allen aktuellen Themen aus. Nur selten verpasse er eine Ausschusssitzung. Und ihm sei daran gelegen, bei wichtigen Entscheidungen fraktionsübergreifend alle Ratspolitiker mitzunehmen. Sagt die SPD.
Lorbeeren für den Amtsinhaber – von der SPD
Das muss dem Amtsinhaber runter gehen wie Öl. Die Lorbeeren kommen von einer Partei, mit der sich Erdwiens und seine FWG vor seiner Zeit als Bürgermeister im Rat immer wieder angelegt hatten. Da wurde gekabbelt, gezankt und gegiftet. Doch der Angriffsmodus ist aus. Die Genossen haben die Waffen gestreckt. Die Nichtteilnahme an der Wahl ist sowohl ein Zeichen der Anerkennung für Erdwiens, als auch das Eingeständnis der eigenen Schwäche.
Südbrookmerland war mal eine rote Hochburg – insbesondere in den 90er Jahren und Anfang der 2000er, als Hermann Bontjer als Landtagsabgeordneter der starke Mann der SPD war. Zu seinen Lebzeiten wäre es für die Sozialdemokraten wohl undenkbar gewesen, keinen Kandidaten aufzustellen, und sei die Konkurrenz noch so kompetent. Doch das ist Spekulation. Fakt ist: In der heutigen SPD gibt es niemanden, der sich vorwagt und das Risiko eingeht, die Wahl zu verlieren.
Kandidieren um des demokratischen Wettstreits willen
Dabei würde Konkurrenz guttun. Es belebt die Demokratie. Immer wieder stellen sich Außenseiter auf, stellen kleine Parteien Direktkandidaten. Warum? Nicht, weil sie ernsthaft mit einem Sieg rechnen. Sondern weil sie Profil zeigen und für das Programm oder die Programmatik ihrer Partei werben wollen. Kandidieren um des demokratischen Wettstreits willen eben.
Dass sich die SPD aus dem Rennen heraushält, spiegelt die Wahl-Entwicklung der letzten Jahre wider. Der letzte Bürgermeisterkandidat, Konke Wienekamp, schaffte es nicht mal in die Stichwahl. Dort landete mit Stefan Hiller ein übergangener Ex-Genosse – und unterlag knapp. Aber wenigstens hatte es die SPD versucht.