Geflüchtete in der Kaserne  Pachtvertrag für Divisionsgebäude läuft bald aus

| | 02.02.2026 13:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Derzeit sind die Fenster in mehreren Gebäuden der Kaserne abends erleuchtet. Links im Bild das Divisionsgebäude, rechts das H-Gebäude Nr. 12. Foto: Karin Böhmer
Derzeit sind die Fenster in mehreren Gebäuden der Kaserne abends erleuchtet. Links im Bild das Divisionsgebäude, rechts das H-Gebäude Nr. 12. Foto: Karin Böhmer
Artikel teilen:

Der Landkreis Aurich hat sich 2022 fünf Gebäude der früheren Blücher-Kaserne zur Unterbringung von Geflüchteten gesichert. So lange laufen die Verträge noch und so soll es dann weitergehen.

Aurich - Fünf Gebäude der Auricher Kaserne werden derzeit noch vom Landkreis Aurich zur Unterbringung von Geflüchteten genutzt. Doch die Unterkunft mit den meisten Plätzen, das Divisionsgebäude, steht vor dem Aus. Ende März 2026 endet der Nutzungsvertrag für diese Immobilie mit insgesamt 545 Plätzen.

Doch von Anfang an: Im August 2022 war die Nutzung von fünf Gebäuden zwischen dem potenziellen Investor Norbert Dittel aus Bremen, der Kreisverwaltung, der Geländeeigentümerin Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) und der Stadt Aurich vereinbart worden. Damals benötigte der Landkreis dringend Räume für den starken Zustrom von Menschen, beispielsweise aus der Ukraine und aus Afghanistan, und hatte entsprechend Druck gemacht. Es wurden Verträge geschlossen - mit einem Ablaufdatum für die jeweiligen Gebäude.

Drei weitere Verträge enden spätestens Ende April 2027

Inzwischen ist das erste Datum schon verstrichen, der Vertrag wurde aber per vereinbarter Option verlängert. Das sehr große Divisionsgebäude, das laut Landkreis eine Kapazität von 545 Plätzen hat und Ende November 2025 insgesamt 251 belegt war, sollte ursprünglich schon Ende 2025 an Dittel übergeben werden. Ein weiteres Jahr hätte der Kreis es beanspruchen können. Doch nun endet der Vertrag nur drei Monate später.

Die anderen Verträge laufen länger. Das nächste Pachtverhältnis läuft nach Landkreisangaben Ende 2026 aus. Dann soll das Gebäude 12, eines der H-Gebäude, mit 205 Plätzen aus der Nutzung als Unterkunft ausscheiden. Dort waren im vergangenen November 159 Menschen untergebracht.

Bereiche der Kaserne sind als Unterkunft abgesperrt, während in einigen angrenzenden Bereichen die Stadt kürzlich bereits erste Straßen für das kommende Wohnviertel ausgebaut hat. Foto: Romuald Banik
Bereiche der Kaserne sind als Unterkunft abgesperrt, während in einigen angrenzenden Bereichen die Stadt kürzlich bereits erste Straßen für das kommende Wohnviertel ausgebaut hat. Foto: Romuald Banik

Am 30. April 2027 enden dann gleich zwei Verträge, und zwar für Gebäude 13, das Wirtschaftsgebäude, welches 130 Plätze bietet. Außerdem für das Gebäude 22, das alte Offizierswohnheim B, das nach Landkreisangaben 83 Plätze bietet. Das einzige Gebäude, das darüber hinaus als Unterkunft für Geflüchtete erhalten bleibt, ist das Gebäude 11. Dabei handelt es sich um ein H-Gebäude, das in den Plänen der Stadt Aurich für ein neues Stadtviertel aber nicht mehr erhalten bleiben soll. Der Landkreis kann es nach jetzigem Stand bis Ende 2029 nutzen. Dort stehen laut Landkreis 207 Plätze zur Verfügung.

Kreis: Wegfallende Plätze lassen sich kompensieren

Zeitweise gab es so viele Geflüchtete unterzubringen, dass der Landkreis zwei Containeranlagen mit 46 und 24 Plätzen aufstellte. In der größeren Anlage waren im November 41 Plätze besetzt. Zeitweise wurde auch noch die frühere Bundeswehr-Turnhalle als Notunterkunft mit 75 Plätzen genutzt, das allerdings nur von Ende 2022 bis Anfang 2024. Die bald wegfallenden Plätze im Divisionsgebäude können laut Landkreissprecher Rainer Müller-Gummels durch die Umverteilung der Bewohner auf dem Kasernengelände oder durch Überleitung in privaten Wohnraum kompensiert werden.

Theoretisch könnte Investor Norbert Dittel seine Planungen in den nächsten Jahren also nach und nach umsetzen. Für die Division war beispielsweise eine große Seniorenwohnanlage mit unterschiedlichen Betreuungsintensitäten geplant. Praktisch steht derzeit aber alles still, denn das Verteidigungsministerium hat im vergangenen Herbst für fast 200 Bundeswehrstandorte einen Umwandlungsstopp verhängt – auch für Aurich. Wie sieht es in der Sache aus?

Prüfung für militärische Nutzung läuft noch

Das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr hat auf Nachfrage mitgeteilt, dass die Kaserne eine von derzeit rund 200 Liegenschaften sei, die „nach Aktenlage als potenziell geeignet für eine militärische Nutzung bewertet“ worden seien. Die jetzige Prüfung diene dem Erhalt der Handlungsoptionen im Rahmen des Aufwuchses der Bundeswehr.

Im Sommer 2025 war der Bauausschuss auf dem Gelände unterwegs, um sich die Baufortschritte anzuschauen. Unter anderem am Divisionsgebäude vorbei verläuft eine der Planstraßen. Foto: Romuald Banik
Im Sommer 2025 war der Bauausschuss auf dem Gelände unterwegs, um sich die Baufortschritte anzuschauen. Unter anderem am Divisionsgebäude vorbei verläuft eine der Planstraßen. Foto: Romuald Banik

Im Rahmen einer weiteren vertieften Prüfung wird deren konkrete Eignung für einen organisatorischen Bedarf bewertet werden. Zum jetzigen Zeitpunkt könnten keine konkreten Aussagen zu einzelnen Liegenschaften getroffen werden. Die Bundeswehr stehe jedoch in einem engen Austausch mit betroffenen Ländern und Kommunen, „um neben den militärischen Belangen auch deren Interessen möglichst gerecht zu werden“.

Bürgermeister sieht beide Szenarien als zukunftsfähig an

Der Auricher Bürgermeister Horst Feddermann hat unterdessen mehrfach betont, dass Aurich mit beiden Optionen leben könne. Einerseits werde dringend Wohnraum gebraucht, sodass das geplante Stadtviertel sehr wünschenswert sei. Andererseits würde Aurich - gezwungenermaßen - auch mit einer erneuten Nutzung der Kaserne durch die Bundeswehr klarkommen, meint Feddermann. Die Soldaten und Angestellten brächten Kaufkraft in die Stadt.

Hier sieht man Baucontainer. In unmittelbarer Nähe hat der Landkreis allerdings auch zwei Wohncontaineranlagen zur Unterbringung von Geflüchteten aufgebaut. Foto: Romuald Banik
Hier sieht man Baucontainer. In unmittelbarer Nähe hat der Landkreis allerdings auch zwei Wohncontaineranlagen zur Unterbringung von Geflüchteten aufgebaut. Foto: Romuald Banik

Im Optimalfall seien beide Nutzungen möglich, so Feddermanns Hoffnung. Davon war auch schon die Rede, als die Bundeswehr noch gar nicht abgezogen war. Schon um 2005 sei die Bundeswehr bereit gewesen, rund die Hälfte des Kasernengeländes an die Stadt abzugeben, hieß es 2010 in Artikeln rund um den Abzug des Einsatzführungsbereichs 4 der Luftwaffe.

Zwei Kommunen hoffen noch auf das Kreiswehrersatzamt

Nicht direkt auf dem Kasernengelände, aber in direkter Nachbarschaft, ist nach dem Auszug der Bundesanstalt für Verwaltungsdienstleistungen auch noch die Zukunft des Kreiswehrersatzamts unklar. Der Landkreis möchte das Gebäude gerne als dauerhafte Unterkunft für Geflüchtete übernehmen. Die Stadt würde dort gerne den Kindergarten am Wasserturm unterbringen, der derzeit nach Schimmelproblemen am Ursprungsstandort in Containern untergebracht ist. Zudem besteht Hoffnung, dort auch die Freie Schule Ostfriesland unterzubringen. Sie hatte einen Standort in Aurich gesucht und zog bereits bei einer anderen Immobilie den Kürzeren.

„Der Landkreis Aurich hat nach wie vor Interesse an dem Gebäude. Es fällt jedoch unter das Moratorium und die Stadt Aurich hätte satzungsgemäß ein Vorkaufsrecht, insofern bleibt die weitere Entwicklung abzuwarten“, so Landkreissprecher Rainer Müller-Gummels.

Ähnliche Artikel