Landwirtschaftsmesse in Aurich  Neuer Besucherrekord und vielleicht ein neuer Termin

| | 29.01.2026 11:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Hightech auf dem Bauernhof entlastet bei vielen täglichen Arbeitern wie Füttern, Melken und Reinigen. Foto: Karin Böhmer
Hightech auf dem Bauernhof entlastet bei vielen täglichen Arbeitern wie Füttern, Melken und Reinigen. Foto: Karin Böhmer
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Erneut zulegen konnte die Fachmesse in Tannenhausen. Über den Termin für die nächste Schau wird aber noch einmal nachgedacht. Neben Investitionen ging es an manchen Ständen um andere Ackerfrüchte.

Aurich - 11.983 Gäste waren im vergangenen Jahr schon ein Rekord. Nun zog die dreitägige Landwirtschaftsmesse in Aurich-Tannenhausen sogar 12.103 Besucher an. Und das trotz der unsicheren Wetterlage, so Veranstalter Johan Wolters von CNO-Expo. „Auch dank des großen Engagements der Aussteller können wir von einer besonders erfolgreichen Ausgabe sprechen.“

Noch offen ist, ob die Schau im nächsten Jahr auch wieder im Januar - genau parallel zur Landwirtschaftsmesse Grüne Woche in Berlin - stattfinden soll. Dreimal hatten die Veranstalter sich nun in Folge für diesen Termin entschieden. Der Vorteil: Die Landwirte haben vergleichsweise viel Zeit - deutlich mehr als im Sommer. Doch es gibt auch einige Nachteile, denn das Außengelände war im Winter weniger bespielt als bei den Sommermessen zuvor. Und die Veranstalter kämpften mit widrigen Wetterbedingungen. 2024 beschädigte ein Sturm kurz vor der Eröffnung gar einen Zeltgiebel. In diesem Jahr war es zeitweise glatt. „Für die nächste Ausgabe hoffen wir auf eine stabilere Zeit, in der die Landwirte auch Zeit haben, die Messe zu besuchen“, so Wolters. In Absprache mit den Ausstellern soll in Kürze mehr Klarheit geschaffen werden. „Der unsichere Wetterfaktor in Verbindung mit den damit verbundenen hohen Kosten zwingt uns, eine mögliche Änderung des Termins kritisch zu prüfen“, teilte der Veranstalter mit.

Landwirtschaftskammer setze auf Hülsenfrüchte

Veränderung ist ein konstanter Faktor in der Landwirtschaft und bei der Messe. In jedem Jahr gibt sich die Landwirtschaftskammer Niedersachsen an ihrem Stand einen anderen Schwerpunkt. In diesem Jahr standen neben der allgemeinen Beratung Hülsenfrüchte im Vordergrund.

Torben Windheim stellte am Stand der Landwirtschaftskammer Hülsenfrüchte als Ackerfrucht vor. Foto: Karin Böhmer
Torben Windheim stellte am Stand der Landwirtschaftskammer Hülsenfrüchte als Ackerfrucht vor. Foto: Karin Böhmer

Torben Windheim stellte Hülsenfrüchte für den Ackerbau vor - nicht nur als bodenverbessernde Zwischenfrucht, sondern als Hauptfrucht. Neben Lupinen waren am Stand auch Sojabohnen, Körnererbsen und Ackerbohnen zu betrachten. Der Anbau von Sojabohnen findet in Ostfriesland schon sehr vereinzelt statt. Wegen der Bodenbeschaffenheit sei der Anbau im südlichen Niedersachsen aber deutlich verbreiteter, so Windheim. Für die ostfriesischen Verhältnisse typischer sei die Ackerbohne, die ebenfalls in einem gewissen Umfang in der Produktion von veganen Lebensmitteln Verwendung findet, ansonsten aber auch eine sehr gute Futterpflanze sei. Statt Soja zu importieren oder auf großen Flächen Mais anzubauen, sei die Hülsenfrucht eine gute Alternative bei der Tierfütterung. Zudem reichere sie den Biden mit Stickstoff an - der dann für die nächste Frucht nicht mehr gedüngt werden müsse.

Mehr als Erbsen- und Bohnensuppe

Mit der Rügenwalder Mühle befindet sich zudem ein bedeutender Produzent von veganen Produkten in Bad Zwischenahn. Dort werden nach Unternehmensangaben vor allem Soja-, Weizen- und Erbsenprotein verarbeitet. Ein Ziel des Unternehmens sei, die Rohstoffe möglichst in Deutschland zu beschaffen.

Gudrun Göppert von der Landwirtschaftskammer findet, dass Hülsenfrüchte viel öfter auf den Teller gehören. Foto: Karin Böhmer
Gudrun Göppert von der Landwirtschaftskammer findet, dass Hülsenfrüchte viel öfter auf den Teller gehören. Foto: Karin Böhmer

Windheims Kollegin und Ökotrophologin Gudrun Göppert machte direkt nebenan Werbung für Hülsenfrüchte als Nahrungsmittel. Leider seien die protein- und ballaststoffreichen Feldfrüchte in Deutschland etwas in Vergessenheit geraten. Dabei seien sie auch ganz ohne die industrielle Verarbeitung zum Fleischersatzprodukt ein wichtiger Bestandteil der Ernährung. Vor allem bekannt seien aber die Erbsen- oder die Bohnensuppe beziehungsweise der Linseneintopf. Andere Kulturen hätten eine größere Vielfalt an Lebensmitteln auf Hülsenfruchtbasis hervorgebracht - und mit Gewürzen auch sehr schmackhaft gemacht, so Göppert. Hummus oder Falafel seien inzwischen etwas bekannter geworden. Göppert warb mit Rezeptblättern und viel eigener Begeisterung, stieß in Tannenhausen aber auf eher verhaltene Resonanz. „Ein Landwirt sagte gerade, er esse Hülsenfrüchte am liebsten nach der Veredelung durch das Schwein.“

Vielfältige Unterstützung - vor allem wichtig in Krisen

Die Maschinenringe Aurich und Nordwest präsentierten ebenfalls ihr Angebot. Kommt man noch mit, wenn immer mehr Hightech von verschiedenen Anbietern auf den Höfen steht? Laut der Auricher Geschäftsführerin Annika Jaborg werden die Betriebshelfer regelmäßig an den Geräten der in Ostfriesland gängigsten Hersteller geschult. Wenn ein Mitgliedsbetrieb beispielsweise einen neuen Melkroboter habe, fänden dort Workshops statt, um die Helfer mit der Technik vertraut zu machen. Es gebe aber auch Helfer, die speziell für ältere Gerätschaften geschult seien und auch einen alten Traktor wieder in Schuss bringen könnten.

Vom Zusammenschluss zum Tausch von Maschinen haben sich die Maschinenringe laut Jaborg inzwischen zum Unterstützer bei personellen Engpässen auf den Höfen entwickelt. Die eingesetzten Kräfte hätten eine landwirtschaftliche Ausbildung absolviert. Derzeit habe der Maschinenring Aurich 21 Mitarbeiter im Außendienst, davon fünf Hauswirtschafterinnen plus vier Verwaltungskräfte, die die Höfe bei bürokratischen Aufgaben unterstützen. Der Maschinenring Nordwest sei für ganz Ostfriesland zuständig und habe rund 100 Mitarbeiter, davon rund ein Drittel Hauswirtschaftskräfte.

Annika Jaborg (links) und ihr Team vom Maschinenring präsentierten die Leistungen von Betriebshelfern und Dorfhelferinnen. Foto: Karin Böhmer
Annika Jaborg (links) und ihr Team vom Maschinenring präsentierten die Leistungen von Betriebshelfern und Dorfhelferinnen. Foto: Karin Böhmer

Die Betriebshelfer sind beispielweise Landwirte, die ihren eigenen Hof aufgegeben haben. Neben den Haushaltshilfen gibt es inzwischen Dorfhelferinnen, die auch in Säuglings- oder Altenpflege qualifiziert sind. Mit einer entsprechenden Verordnung und Zustimmung der Krankenkasse könnten sie auch in Haushalten eingesetzt werden, die nichts mit Landwirtschaft zu tun haben, berichtete Jaborg.

Gerade in Krisenzeiten sei Hilfe auf den Höfen gefragt. Und laut Jaborg „schlittern wir wohl gerade wieder in eine Krise rein“. Der wirtschaftliche Druck steige, der Personaleinsatz werde immer weiter optimiert. Das berge die Gefahr von Verletzungen und Unfällen, von Rückenerkrankungen oder auch Burn-out. „Die Arbeit auf den Höfen ist durch Maschinen leichter geworden, aber auf wachsenden Betrieben ist sie dadurch nicht weniger geworden.“ Arbeitssicherheit sei ein großes Thema. Und einige Änderungen zeigten Resultate. Dadurch, dass Bullen nicht mehr dauerhaft in der Herde gehalten würden, sei die Zahl entsprechender Unfälle beispielsweise zurückgegangen.

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