Messe in Aurich Optimierung für Landwirte weiter Chance und Zwang
Auf der Agrarschau in Tannenhausen zeigen Hersteller Roboter, Apparate, Futtermittel und Energietechnik. Ein Paradies für Fachleute – und ein Beweis, dass Effizienz und Nachhaltigkeit Trumpf sind.
Aurich - Arbeitsoptimierung bleibt das Hauptschlagwort in der Landwirtschaft. Das zeigt die derzeitige Landwirtschaftsmesse, die am Mittwoch, 21. Januar 2026, auf dem Mehrzweckgelände in Tannenhausen begonnen hat und noch bis zum 23. Januar läuft. Von vollautomatisierter Stalltechnik, über Energieerzeugung und Wasseraufbereitung, neue Anbaupflanzen bis hin zu Futterzusätzen, Einstreu und die ressourcenschonende Verwertung von Rohstoffen wird von knapp 120 Ausstellern gezeigt, was die Arbeit auf dem Hof effizienter machen kann.
Es ist das dritte Mal, das die ostfriesische Schau des Veranstalters CNO-Expo im Januar - parallel zur Grünen Woche in Berlin - stattfindet. Zu dieser Jahreszeit prägen landwirtschaftliche Themen oft die öffentliche Debatte. Vor zwei Jahren waren es die erheblichen Proteste gegen beispielsweise die Streichung der Steuererleichterungen auf Diesel, 2025 war es die Blauzungenkrankheit in Kombination mit den politischen Forderungen der Landwirtschaft kurz vor der Bundestagswahl. In diesem Jahr ist es die Sorge vor den Folgen des Mercosur-Abkommens für die europäische Landwirtschaft. Doch während überall debattiert wird, ist die große Politik in den Messezelten in Tannenhausen erneut kein großes Thema. Hier geht es um die Entwicklung des eigenen Hofes, das Gespräch unter Kollegen und jede Menge Fachfragen.
Messe erneut vergrößert und breiter aufgestellt
Messeleiterin Manja Tijhoff sieht schon nach wenigen Stunden zufrieden aus. Die Veranstaltungsfläche ist in diesem Jahr erneut gewachsen. Auch auf dem Außengelände ist trotz der eisigen Temperaturen ein größerer Fuhrpark zu betrachten als in den Vorjahren. Insgesamt sind fast 120 Aussteller auf dem Gelände. Und auch für fachfremde Besucher gibt es mehr Stände als im Vorjahr - beispielsweise mit Massagesesseln, Spirituosen oder wetterfesten Kopfbedeckungen. Aber auch Dachdeckerbetriebe oder Versicherer kümmern sich grundsätzlich um mehr als nur Kunden aus der Landwirtschaft.
Die Innovationen erzählen zwei Geschichten: Zum einen die von einer immer moderner und smarter werdenden Landwirtschaft. Daneben aber auch die von immer größerem Preisdruck und von immer weniger Arbeitskräften, die die Betriebsabläufe wuppen müssen. Dabei geht es auch im nachhaltiges Wirtschaften.
Roboter verlangen sauberes Tränkwasser
Jan Hamhuis von Aumann Hygienetechnik erklärt am Stand von Stefan Hinrichs aus Sedelsberg, wie Landwirte mit Chlordioxid das Tränkwasser beispielsweise aus Brunnen aufbereiten können. Sauberes Wasser sei nämlich ähnlich wichtig wie die richtige Futtermischung, so der Goldenstedter. Viele Melkroboterhersteller forderten bereits den Einsatz von teurerem Trinkwasser, damit durch Stoffe wie Eisen oder Mangan im Tränkwasser nicht die Düsen der empfindlichen Geräte verstopft würden. Ein weiteres Thema sei die Desinfektion von Wasser, beispielsweise im Hinblick auf den Biofilm im Stall. Das Tränkwasser sei in vielen Betrieben bislang kaum betrachtet worden, so Hamhuis. Das ändere sich jetzt. Wer eine Wasserprobe an die Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt schicke, bekomme anschließend eine auf die Wasserqualität und -verbrauchsmenge seines Hofes zugeschnittene Dosierung für die Chlordioxidaufbereitungsanlage.
Um effizienten Mitteleinsatz und einen Zusatzverdienst für die Landwirte geht es auch bei der Colostrum BioTec GmbH. Das Unternehmen mit Sitz in Königsbrunn ist auf der Messe, um neue Lieferanten für Biestmilch, also die erste Milch nach der Geburt eines Kalbs zu gewinnen. Hochleistungsmilchkühe produzierten deutlich mehr Colostrum als das Kalb für den Immunstart benötige, sagte Günter Sauter. Das Unternehmen habe schon rund 40 Lieferanten in Ostfriesland, suche aber weitere. Die Landwirte sammeln nicht gebrauchtes Colostrum, frieren es in einer Truhe des Unternehmens ein. Ist diese voll, wird der Rohstoff abgeholt. Gewonnen werden daraus die Immunglobuli, die wiederum zu Cremes und Nahrungsergänzungsmitteln für Menschen verarbeitet werden. Die Nährstoffe in der Erstmilch von Kühen und Menschen seien nahezu identisch, so Sauter. So lasse sich die Immunabwehr der Kunden verbessern. Die Nachfrage steige seit der Coronazeit deutlich. Sogar Hollywood-Stars wie Jennifer Aniston setzten auf Biestmilch-Produkte.
Recycling: Ja und Nein
Verwertung ist auch das Thema von Luka Dorsch von AFA Folien. Das Unternehmen aus Rendsburg holt Silo-, Wickel- und Unterziehfolien bei Höfen ab und recycelt diese. In der Regel fließt das gewonnene Granulat mit einem Mengenanteil von 25 bis 30 Prozent wieder in neue Folien ein. Der höchste Recyclinganteil liege bei 89 Prozent. Dann habe die neue Folie aber nicht alle Funktionen, so Dorsch. Landwirte können Folie eintauschen und zwar im Verhältnis zwei (Altfolie) zu eins (Neufolie). Entsorgung und Recycling werde ein immer größeres Thema auf den Höfen, berichtete Dorsch.
Ebenfalls mit Hilfsmitteln zum Wickeln und Packen hat Lothar Rustemeier von Rolltex zu tun. Für die Wickelnetze aus Kunststoff gibt es allerdings noch keine Alternative und auch kein spezielles Recycling, sagte der Vertriebsleiter. Das habe zum einen mit dem stetig steigenden Gewicht von Ballen zu tun, wofür Naturfasern nicht mehr ausreichten. Zum anderen natürlich auch mit den Kosten. Baumwollalternativen hielten nur einen Teil des Gewichts, kosteten aber mehr als das Dreifache. Dass Mikroplastik sich nicht in der Natur anreichere, sei auch Aufgabe der Landwirte, die die Netze fachgerecht entsorgen müssten. Die Hersteller experimentierten allerdings auch mit Ersatzstoffen wir Kartoffelstärke - bislang aber ohne durchschlagenden Erfolg. Immerhin: Die Bandabschnitte, die bei Quaderballen früher einfach heruntergefallen seien, würden nun beim Pressen aufgefangen. Rustemeier sieht auch die Politik in der Verantwortung, wenn es um die Kunststoffmengen in der Landwirtschaft geht. Die Auflagen für Siloplatten für Rollsilos hätten beispielsweise viele Höfe bewegt, auf Wickelballen umzustellen - und damit auf mehr Kunststoff.
Reste aus der Becks-Brauerei für die Kuh
Noch ein Beispiel für Verwertung ist die Firma Bonda, die Biertreber, also die Braurückstände, der Becks-Brauerei in Bremen zu einem eiweißreichen Futterzusatz verarbeitet. Martin Mulder sagte, dass Milchkühe täglich eine Portion von vier bis zwölf Kilogramm verdrücken können. Jens Hasselder von Berg Agrar präsentiert Einstreu mit höherer Feuchtigkeitsaufnahme und mit keimhemmender Wirkung. Durch Mineralienzusatz liege das Stroh besser in der Box und binde zudem Ammoniak, das, statt in die Luft zu entweichen, dann als Dünger an den Boden abgegeben werde.
Geöffnet ist die Landwirtschaftsmesse Ostfriesland auf dem Messegelände in Tannenhausen am 21. und 22. Januar 2026 von 13 bis 21.30 Uhr sowie am 23. Januar von 9.30 bis 17.30 Uhr.