Debatte um Bürgerinitiative  So reagieren Auricher „Omas gegen Rechts“ auf Kritik

| | 22.01.2026 08:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Bernd Tobiassen (von links), Ulrike Fiene, Ulrike Ernsing, Hanne Klewer, Karin Harms und Margret Tobiassen von der Auricher „Omas gegen Rechts“-Ortsgruppe widersprechen der Behauptung, die Bewegung sei gespalten. Foto: Lasse Paulsen
Bernd Tobiassen (von links), Ulrike Fiene, Ulrike Ernsing, Hanne Klewer, Karin Harms und Margret Tobiassen von der Auricher „Omas gegen Rechts“-Ortsgruppe widersprechen der Behauptung, die Bewegung sei gespalten. Foto: Lasse Paulsen
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In jüngster Zeit gab es Berichte über eine mögliche Spaltung der bundesweiten Organisation. Hier stellt die Auricher Ortsgruppe klar, wofür sie steht.

Aurich - Die „Omas gegen Rechts“ seien gespalten, heißt es in einem Artikel der Neuen Züricher Zeitung, der kürzlich auch in dieser Zeitung erschien. Das sei eine „tendenziöse Berichterstattung“, die sich in der Realität nicht widerspiegele, betonen die Auricher „Omas gegen Rechts“. Von einer Spaltung der Bewegung wüssten sie vor Ort nichts. Zumindest in Aurich zögen alle an einem Strang und würden sich gegenseitig unterstützen. Auch in anderen Ortsgruppen, mit denen sie Kontakt hätten, sei das der Fall. Der Einsatz für Demokratie habe sich nicht geändert. Trotzdem halten sie es für wichtig, sich an gewisse Regeln zu halten: „Gewalt ist natürlich eine rote Linie“, sagt Bernd Tobiassen von der Ortsgruppe Aurich.

Zur Gewalt zählt nicht nur der physische, sondern auch der rhetorische Aspekt, sind die Auricher Omas sich einig. Journalisten wie den stellvertretenden Chefredakteur der Bild-Zeitung, Paul Ronzheimer, als „Nazi“ zu beschimpfen, gehe überhaupt nicht. Zuletzt war ein Video aufgetaucht, bei dem der Journalist, der gebürtig aus Ihlow-Westerende stammt, auf einer Demo gegen die AfD-Jugendorganisation in Gießen so bezeichnet wurde. Eine Frau mit weißem Haar und einem „Omas gegen Rechts“-Anstecker ist darauf zu sehen, wie sie Ronzheimer angeht. Er sei kein Nationalsozialist, betonen die Auricher „Omas“. Solch eine üble Nachrede sei nicht mit den Werten konform, für die sie stehen würden. Gleiches gelte für Beleidigungen wie „Scheiß Bullen“ gegenüber Polizisten, wie es ebenfalls auf einem Video von einer Frau mit „Omas gegen Rechts“-Kennzeichen dokumentiert ist. Das gehe überhaupt nicht, sind die Auricher sich einig.

Rhetorische Gewalt dürfe nicht sein

Bei Parolen wie „Nazis raus“ sind sich die Auricher „Omas“ dann aber nicht mehr ganz einig. Manche sagen, das gehe zu weit. Andere finden, dass man die Situation betrachten müsse. Gebe es eine Demo von Rechtsextremen, könne man ihnen das schon entgegenrufen. Es sei schließlich eine Meinung. Und wenn es tatsächlich „Nazis“ seien, sei das nicht mal eine üble Nachrede. Trotzdem sind sich alle „Omas“ einig: Egal, welche politische Einstellung jemand habe, man müsse immer versuchen, ins Gespräch zu kommen. Über Themen reden und verschiedene Blickwinkel einnehmen, um zu verstehen, was tatsächlich Sache ist. Hass sei etwas, was sie in jede Richtung vermeiden und im besten Fall überwinden wollten.

Es sei wichtig, die Ortsgruppen vom Bundesverein zu trennen, finden die Auricher Omas. Im Bundesverein sind, laut dem Bericht der Züricher, in einer Konferenz am 10. Dezember „Statuten“ verlesen worden. Unter anderem darüber, welche Ausdrücke erlaubt seien und welche nicht. Der Großteil der „Omas gegen Rechts“ ist aber nicht in dem Verein, erklären die Mitglieder der Auricher Ortsgruppe. Entsprechend würden sie alle ihr Auftreten handhaben, wie sie es für richtig halten.

Bundesverein stehe nicht für Ortsgruppen

Ein großer Unterschied zum Bundesverein sei die Organisation einer Ortsgruppe, so Karin Harms von den Auricher „Omas“. Man habe eine lose Organisation. Es gebe keinen Vorstand. Alle würden einfach zusammen am Ziel arbeiten, Demokratie zu vertreten und den Menschen nahezubringen. Beispielsweise gebe es jeden Dienstagvormittag ein Treffen im Carolinenhof, bei dem die Omas und alle Interessierten einfach gemeinsam Kaffee trinken, quatschen und soziale Kontakte pflegen würden. Am zweiten Dienstag im Monat gebe es von 19 bis 21 Uhr ein größeres Treffen in der Cafeteria des Familienzentrums, bei dem größere Ziele besprochen würden. Viele der Teilnehmer kämen nicht aus Aurich, sagen die „Omas“. Jeder sei willkommen, ins Gespräch zu kommen.

Ein Vorwurf, den die Omas immer wieder hören, sei, dass sie Gelder für ihren Einsatz erhalten würden, berichtet Ulrike Ernsing. „Wir machen alles über Spenden, die wir uns in der Regel selbst spenden“, sagt Karin Harms mit einem Lachen. Zwar gebe es viel Zustimmung für ihre Aktionen, aber die Kosten übernehme die Gruppe aus eigenen Taschen.

Viele Themen mit Diskussionsbedarf

Die Auricher „Omas“ wollen sich in diesem Jahr mit vielen Themen auseinandersetzen, sagt Ulrike Fiene. Es sei ihnen wichtig, bei gesellschaftlich relevanten Themen diskutierfähig zu sein. Sie würden ihre Meinung begründen wollen und verstehen, was wirklich los ist. Nur dann könne man anderen erklären, warum eine nicht-demokratische Haltung gefährlich sei. Neben zentralen Themen wie Migration sei die Kommunalwahl im September wichtig. Man wolle sich mit allen Parteien und Kandidaten auseinandersetzen. Die Auricher „Omas“ hoffen, dadurch besser zu verstehen, wer abseits großer Wahlversprechen welche Ziele verfolgt. Außerdem wolle man sich mit dem Kasernengelände, der Wehrpflicht, der Gesundheitsversorgung, Kita- und Schulplätzen und mit der Bahn und dem Verkehr in Aurich beschäftigen. All diese Themen seien gesellschaftsrelevant und sollten im Bewusstsein der Menschen sein, finden die Auricher „Omas“.

In Ostfriesland sind die Ortsgruppen untereinander vernetzt, sagen die Auricher „Omas“. Auch in den anderen Gruppen sei ein unterstützendes Miteinander Alltag. Dass „auf einzelne Personen eingedroschen“ wird, wie es in der Züricher als Zitat einer Oma aus Ostdeutschland steht, gebe es in Ostfriesland nicht. Allerdings könne man nicht für den Umgang in dem Bundesverein sprechen. Der existiere neben den Ortsgruppen und habe kaum Berührungspunkte zu diesen.

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