Tannenhausen  Stadt braucht Parkplätze für Open-Air-Konzerte

| | 20.01.2026 11:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Zum Konzert von Santiano 2025 kamen rund 5000 Gäste. Sie klagten über langes Warten auf einen Parkplatz und lange Fußwege. Einige erreichten das Konzert mit Verspätung. Foto: Stephan Friedrichs
Zum Konzert von Santiano 2025 kamen rund 5000 Gäste. Sie klagten über langes Warten auf einen Parkplatz und lange Fußwege. Einige erreichten das Konzert mit Verspätung. Foto: Stephan Friedrichs
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In Tannenhausen sollen zwei Ackerflächen gekauft werden. Allein der Quadratmeterpreis stößt auf – angesichts der wenigen Nutzungstage. Die Stadtpolitik will Alternativen prüfen lassen.

Aurich - Fast immer, wenn über Parkplätze diskutiert wird, geht es ums Geld. Meist aber um das, das die Nutzer zahlen sollen. In Aurich ist es nun anders. Da hat der Finanzausschuss über die Kosten für neue Parkplatzflächen in Tannenhausen diskutiert. Und auch da ging es ums Geld.

Genutzt werden sollen die Flächen bei den Open-Air-Veranstaltungen auf dem Mehrzweckgelände. In diesem Jahr treten dort nach jetzigem Stand an drei Wochenenden im Juni, Juli und August Mark Forster, Roland Kaiser, Max Giesinger und Florian Künstler auf. Zudem kommen die OLÉ-Show mit Ballermann-Hits sowie Abbamania nach Tannenhausen. Im vergangenen Jahr gab es an drei Wochenenden acht Konzerte und insgesamt mehr als 30.000 Besucher.

Wie soll der Ansturm der Konzertgäste, die im Auto zu den Open-Air-Konzerten in Tannenhausen anreisen, künftig bewältigt werden? Diese Frage beschäftigt nun die Auricher Politik. Foto: Romuald Banik
Wie soll der Ansturm der Konzertgäste, die im Auto zu den Open-Air-Konzerten in Tannenhausen anreisen, künftig bewältigt werden? Diese Frage beschäftigt nun die Auricher Politik. Foto: Romuald Banik

Die Stadt möchte zum Abstellen der Fahrzeuge nun Flächen kaufen, statt sich alljährlich um Mietflächen zu bemühen. Zum einen geht es um eine Ackerfläche am Ol Streek - nicht direkt hinter der Einmündung der Straße Am Stadion, sondern wenige Meter weiter in Richtung Dobbe. Das Stück ist 2,28 Hektar groß und würde bei einem Quadratmeterpreis von 12 Euro insgesamt 273.350 Euro kosten. Die andere Fläche liegt am Stiekelriegweg, an der Ecke Hundert-Diemat-Weg. Auch hier geht es um bisheriges Ackerland, rund 17.850 Quadratmeter. Der aufgerufene Preis liegt hier bei 214.200 Euro. Insgesamt müsste die Stadt für 4,06 Hektar also 487.476 Euro investieren, um dauerhaft diese beiden Parkplatzflächen zu haben.

Direkt am Gelände stehen nicht genug Parkplätze zur Verfügung. Foto: Romuald Banik
Direkt am Gelände stehen nicht genug Parkplätze zur Verfügung. Foto: Romuald Banik
Hinzu kämen die Kosten der Herrichtung, der Pflege und der Bewirtschaftung. Und schon beim Erwerb würden Steuern sowie Notar- und Gerichtskosten in Höhe von insgesamt rund 29.400 Euro hinzukommen. Zudem wäre die Niedersächsische Landgesellschaft als Vermittler mit 6 Prozent des Kaufpreises, also rund 29.200 Euro, zu vergüten.

Furcht, dass Pachtflächen knapp werden

Laut der zuständigen Fachbereichsleiterin Katja Lorenz hat die Stadt bislang Pachtflächen für die Stellplätze genutzt. Es werde aber immer schwerer, die notwendigen Flächen zu akquirieren. Ein Team aus dem Rathaus habe seit dem vergangenen Jahr viele Gespräche geführt, viel Tee angeboten bekommen und getrunken, aber weitere Pachtflächen seien nicht dabei herausgekommen. Stattdessen stehe eines der bisherigen Stücke nicht mehr zur Verfügung. Und inwieweit langfristig mit den Pachtflächen geplant werden könne, sei ohnehin nicht sicher.

Im vergangenen Jahr pachtete die Stadt Flächen und nahm Parkgebühren. Foto: Romuald Banik
Im vergangenen Jahr pachtete die Stadt Flächen und nahm Parkgebühren. Foto: Romuald Banik

Die Stadt sehe sich aber in der Pflicht, diese vorzuhalten. Der Auricher Konzertveranstalter Marema habe signalisiert, auch in den kommenden Jahren Open-Air-Konzerte anbieten zu wollen, so Lorenz – ohne dafür einen Zeitrahmen zu nennen. Daher sei die Stadt in der Pflicht, Parkflächen ausweisen zu können – auch um die Anlieger in Tannenhausen vor Wildparkern zu schützen. Zudem seien die Konzerte ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. An den Konzertwochenenden seien die Auricher Betten voll belegt – entsprechend fließe Geld in die Stadt

Kaufflächen könnten etwa 2700 Fahrzeuge aufnehmen

Wildparken war im Jahr 2023 ein Problem gewesen. Auch hatte es immer wieder Konflikte zwischen Autofahrern und Radfahrern gegeben. Im vergangenen Jahr richtete die Stadt eine Einbahnstraßenregelung ein, die am ersten Konzertwochenende noch zu langen Wartezeiten führte. Danach gab es ebenfalls noch Rückstaus, aber die Parkabwicklung funktionierte insgesamt besser.

Auf den Pachtflächen seien im vergangenen Jahr erstmals Parkgebühren von 5 Euro pro Tag erhoben worden, so Lorenz. Die Stadt habe die Flächen pachten, zweimal mähen und herrichten müssen. Für die Bewirtschaftung sei Personal nötig gewesen. Unterm Strich hätten die Einnahmen die Kosten kaum gedeckt. Wenn die Stadt feste Parkflächen habe, könne einer der Parkplätze, nämlich der am Ol Streek, eingerichtet und mit einer Videoerfassung der Kennzeichen ausgestattet werden. Das spare Personal und werde günstiger.

Am ersten Veranstaltungswochenende 2025 kam es auf der „Konzertroute“ durch Tannenhausen zu Staus und Verzögerungen. Foto: Romuald Banik
Am ersten Veranstaltungswochenende 2025 kam es auf der „Konzertroute“ durch Tannenhausen zu Staus und Verzögerungen. Foto: Romuald Banik

Der Parkplatz für etwa 1500 Fahrzeuge stehe zudem auch für andere Veranstaltungen zur Verfügung, so Lorenz. Die andere Kauffläche würde knapp 1200 Autos fassen.

Der Betriebshofes übernahm bisher die Parzellierung der Parkplatzflächen sowie die Sicherung der Zufahrten sowie die Einrichtung der Zuwegungen mittels Absperrungen und Beschilderungen. Auf dem Veranstaltungsgelände selbst war der Betriebshof nicht im Einsatz. Dort übernahm Veranstalter Marema sämtliche Aufgaben.

Ausschussmitglieder finden Kaufpreis deutlich zu hoch

Die Kämmerin schlägt vor, beiden Flächen zu erwerben, aber erst eine – die am Ol Streek – herzurichten. Die andere Fläche könne zunächst als Vorratsfläche gekauft und vielleicht später mit einer günstiger gelegenen getauscht werden.

Trotz der Begründung hielt sich die Begeisterung bei den Mitgliedern des Finanzausschusses in Grenzen. Kritik kam aus allen Gruppen. Und zwar am Kaufpreis. Für eine Ackerfläche seien normalerweise 3,40 Euro zu bezahlen. Hier gehe es um den mehr als dreifachen Preis. „Da muss man nachverhandeln“, forderten beispielsweise Erika Biermann (SPD), Bodo Bargmann (CDU) und Dore Löschen (AWG). Auch die Frage, ob wirklich beide Flächen gekauft werden müssten, kam auf.

Thema im Ausschuss war auch die Verkehrssituation an sich: Die Anfahrt von Tausenden Gästen erfolgt über schmale Straßen. Foto: Romuald Banik
Thema im Ausschuss war auch die Verkehrssituation an sich: Die Anfahrt von Tausenden Gästen erfolgt über schmale Straßen. Foto: Romuald Banik

Laut Lorenz sei schon allein für das Konzert mit Roland Kaiser in diesem Sommer mit 8000 bis 10.000 Besuchern zu rechnen. Zuletzt lagen die Zahlen meist im Bereich bis 6000 Gäste. Vor Jahren zogen die Toten Hosen (2002) auch schon 12.000 Fans, Santana (2004) 10.000 Fans und Tokio Hotel (2006) ebenfalls 10.000 Fans. 2016 kam Herbert Grönemeyer - und mit ihm 8000 Fans. Damals und auch in den Anfangsjahren des Festivals gab es neben den Parkplätzen einen Shuttle-Service, der die Besucher vom Hagebaumarkt-Parkplatz, vom Karl-Heinrich-Ulrichsplatz und vom Rudnick-Parkplatz nach Tannenhausen brachte.

Verwaltung: Park and Ride hat sich nicht bewährt

Die Politiker, beispielsweise Gila Altmann (Grüne) fragten folglich auch, ob nicht entweder die weitere Anpachtung von Flächen oder alternativ ein Park-and-Ride-System infrage kämen. Laut Lorenz ist es aber zu riskant alljährlich darauf zu spekulieren, dass es schon irgendwo eine Fläche geben werde. Verlässlich sei dies nie zu sagen. Hinzu komme, sei bei wechselnden Flächen jedes Mal ein neues Parkkonzept nötig sei – mit entsprechenden Anfangsproblemen. Und nach dem, was ihr berichtet worden sei, seien die Shuttle-Angebote nie in großer Breite angenommen worden. Es hätten trotzdem viele Besucher versucht, so nah wie möglich mit ihrem Fahrzeug ans Gelände zu kommen – eine große Belastung für die Tannenhausener. Auf den vorhandenen Parkplätzen am Badesee sei während der Konzerte hoffentlich auch viel los – denn das sei automatisch der Fall, wenn die Veranstaltungen bei gutem Wetter stattfänden.

Ortsrat berät am 20. Januar

Altmann forderte zu eruieren, ob 1500 Parkplätze eine nennenswerte Entlastung bringen könnten oder ob weiterhin zusätzliche Pachtflächen nötig seien. Erik Antonczyk (GfA) ist auch Mitglied im zuständigen Ortsrat. Er sagte, dass bei der Lage der Parkplätze ein Anschluss an den Westermeerweg sinnvoll sei, um die Laufwege zum Mehrzweckgelände deutlich abzukürzen. Der Ortsrat berät am 20. Januar 2026 um 18 Uhr in der Awo-Stube.

Die angrenzenden Flächen werden bei gutem Wetter auch von Badesee-Gästen genutzt. Foto: Romuald Banik
Die angrenzenden Flächen werden bei gutem Wetter auch von Badesee-Gästen genutzt. Foto: Romuald Banik

Der Ausschuss sprach sich für die Prüfung des Parkplatzbedarfs und für Nachverhandlungen mit dem Flächenanbieter aus.

Nebenbei fiel auf, dass die Politik bei etlichen Veranstaltungen über die Kosten für die Stadt informiert ist. Hinsichtlich der Open-Air-Konzerte wurde diese kommunale Beteiligung bisher aber nicht thematisiert.

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