Großprojekt im Landkreis Aurich Bei diesem Thema wird der Bürgermeister emotional
Südbrookmerlander Verwaltungschef Thomas Erdwiens fühlt sich nicht ausreichend eingebunden in die Pläne zum Bahnausbau durch seine Gemeinde. Er formuliert Erwartungen auch an die Landespolitik.
Südbrookmerland - Als im Jahrespressegespräch die Nachfrage zur Reaktivierung des Bahnverkehrs auf der Strecke Aurich-Abelitz kam, wurde der Bürgermeister emotional. „Der Anstand gebietet es, dass die am meisten betroffene Kommune mit einbezogen wird“, polterte Thomas Erdwiens. Er lehnt das Großprojekt, wie viele vor allem im stark betroffenen Bereich Moordorf, ab. „Für mich scheitert es am Grundsatz der Verhältnismäßigkeit“, sagte Erdwiens. Die angenommenen Fahrgastzahlen von mehr als 4000 zusätzlichen Bahnfahrern täglich seien für ihn und die Gemeindeverwaltung nicht nachvollziehbar. Auch sei unklar, wer den Bahnverkehr eigentlich betreiben wolle – und wer welchen Anteil der Finanzierung übernehme. „Viele Dinge sind ungeklärt. Wir begleiten das mit Argusaugen“, kündigte Erdwiens an. Man werde sich auch „etwaiger Fachkompetenz“ bedienen, so der Bürgermeister, ohne genau zu erläutern, was er damit meint.
Erdwiens und die Verwaltungsspitze haben auch eine Erwartung an die Landespolitik. In einem Gespräch habe Landtagsabgeordneter Wiard Siebels (SPD) eine Einladung nach Hannover ins zuständige Ministerium zugesagt. „Bis heute ist aber nichts passiert“, so Erdwiens. Der Unmut bei Bürgern und auch in der Verwaltung sei erheblich. „Da hat sich vieles aufgestaut.“ Siebels sagte auf Anfrage dieser Redaktion: „Wenn es das Bedürfnis nach einem konstruktiven Gespräch gibt, will ich gerne versuchen, das zu organisieren.“ Erdwiens betont zugleich: „Wir wollen unsere Türen nicht verschließen. Wenn man mit uns sprechen will, sollte man das tun. Im Moment überrollt man uns.“ Die Auswirkungen der Bahn-Reaktivierung für die Gemeinde Südbrookmerland seien gravierend, so Erdwiens wohl vor allem mit Blick auf die vielen Grundstückszufahrten der Anlieger im Bereich Moordorf. „Wie das machbar sein soll, ist für mich unvorstellbar.“ Immerhin, am 28. Januar 2026 soll, auf Einladung des Auricher Bürgermeisters Horst Feddermann, der Runde Tisch zum Thema nach langer Zeit wieder zusammenkommen.
Stadt Aurich wirbt auf neuer Internetseite
Wie berichtet, wirbt die Stadt Aurich, die sich für die Wiederbelebung des Personenverkehrs auf der Strecke nach Abelitz/Emden starkmacht, mit einem fiktiven Zugticket und der neuen Internetseite ein-kluger-zug.de für das Projekt. Aus Auricher Sicht gibt es gute Gründe für die Reaktivierung: Erleichterungen für Pendler, Studierende und Schüler, bessere Erreichbarkeit der Zentralklinik, flexiblere Anreise für Urlauber, Entlastung der Bundesstraßen 72 und 210 sowie die bessere Vernetzung der ostfriesischen Städte und Gemeinden im Rahmen der Mobilitätswende.
Anfang Dezember hatte der Landkreis Aurich die von ihm in Auftrag gegebenen Studien zum Bahnprojekt in Aurich und Moordorf öffentlich vorgestellt. Dabei wurde zum Beispiel bekannt, dass es nach aktueller Planung vier Einsteigemöglichkeiten geben soll: in Aurich, Moordorf (Schultrift), Victorbur (Schwarzer Weg) und an der künftigen Zentralklinik bei Uthwerdum.
Von Aurich bis Emden in nur 29 Minuten
Gefahren werden soll auf der nicht-elektrifizierten Strecke mit batterieelektrischen Triebwagen – mit bis zu 80 Stundenkilometern. Bisher sind laut Studie der Firma Emch+Berger auf dem Industrieanschlussgleis für den Güterverkehr maximal 25 Stundenkilometer erlaubt. Die Fahrzeit von Aurich bis Emden Hauptbahnhof soll nur 29 Minuten betragen.
Um die Fahrzeit kurz zu halten und die Strecke sicher zu machen, sollen 58 von 73 vorhandenen Bahnübergängen aufgehoben werden – viele davon in Moordorf. Das ist seit Langem ein Hauptkritikpunkt betroffener Anwohner aus der Gemeinde Südbrookmerland, die um ihre Grundstücke und Umwege fürchten.
Meterhohe Wände in Moordorf geplant
Eine deutlich sichtbare Veränderung in Aurich ist für den Parkplatz der Sparkassen-Arena geplant. Hier würde ein kombinierter Haltepunkt für Bahn und Bus entstehen – viele Parkplätze würden wohl wegfallen, auch der Jahrmarkt müsste umziehen. Über den Wallster Weg müsste ein neuer Bahnübergang gebaut werden.
Ebenfalls untersucht wurde der notwendige Schallschutz von der Firma Peutz Consult. Demnach müssten insgesamt rund sieben Kilometer Schallschutzwände gebaut werden, vor allem im Bereich Moordorf – überwiegend zwei Meter, bereichsweise aber auch drei bis vier Meter hoch. Allein dafür lägen die Kosten bei bis zu zwölf Millionen Euro.
Die Kosten für den Ausbau der Bahnstrecke werden nach aktuellem Stand nun auf rund 88 Millionen Euro beziffert. Allerdings könnten die Kosten fast komplett durch Fördergelder von Bund und Land getragen werden, betonten die Planer. Bei den Veranstaltungen gab es erhebliche Kritik an den Plänen.