Aurich im Aufwind  SpVg Aurich überrascht nach großem Umbruch

| | 12.01.2026 16:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Der Auricher Trainer Daniel Franziskus hat mit seinem Funktionsteam in wenigen Wochen auf dem Ellernfeld ein Team geformt, das sich im oberen Mittelfeld etabliert hat. An der Seitenlinie griff der Coach immer wieder lautstark ins Spiel ein. Foto: Helmut Vortanz
Der Auricher Trainer Daniel Franziskus hat mit seinem Funktionsteam in wenigen Wochen auf dem Ellernfeld ein Team geformt, das sich im oberen Mittelfeld etabliert hat. An der Seitenlinie griff der Coach immer wieder lautstark ins Spiel ein. Foto: Helmut Vortanz
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Nach personellem Aderlass legte die Rot-Weißen eine starke Hinrunde hin. Wie Trainer Daniel Franziskus noch mehr erreichen will.

Aurich - Kämpferisch präsentierte sich SpVg-Trainer Daniel Franziskus mit Blick auf den zweiten Teil der Bezirksliga-Saison. „Wir haben Blut geleckt und wollen noch den einen oder anderen Platz gut machen“, sieht Franziskus noch Potential nach oben. Zu Saisonbeginn war nicht absehbar, dass die Rot-Weißen als Tabellensechster in die Winterpause gehen sollten. Das Hickhack um den in der Schlussphase der Saison entlassenen Trainer Claudio Casto sowie der Verlust nahezu der gesamten Mannschaft, die die Saison 2024/25 auf Platz drei abschloss, stellte die Sportliche Leitung der SpVg vor großen Herausforderungen.

Experiment für den Trainer

Franziskus blickt zurück und sagte unserer Zeitung: „Als ich kam, da waren die meisten Spieler schon weg und ich wusste nicht wie die Mannschaft aussehen würde. Es war für mich ein großes Experiment.“ Franziskus verließ sich auf die Sportliche Leitung, auf Steffen Reifschneider und Joon Saadhoff. Die beiden haben geliefert, so Franziskus. Zu Saisonbeginn stand ein Kader bereit „mit klasse Charakteren und guten Spielern mit hoher Qualität“, lobte Franziskus. Seine Aufgabe auf dem Ellernfeld war es, aus den Einzelakteuren eine schlagkräftige Mannschaft zu formen. Das geht nicht auf Knopfdruck. Es braucht Zeit, muss wachsen, stellte der SpVg-Coach klar. Und so zahlte die neuformierte Crew vom Ellernfeld erst einmal Lehrgeld.

Pokal-Aus gegen Pewsum, danach vier Punktspiele ohne Sieg (drei Niederlagen, ein Remis). Besonders die Heimpleiten (1:5 gegen Süderneuland, 1:6 gegen Wallinghausen) schmerzten, ehe die Auricher erstmals am 5. Spieltag beim Heimsieg gegen Wiesmoor jubelten. Der Beginn einer Aufholjagd, der die SpVg bis ins obere Mittelfeld zur Winterpause brachte.

So geht Freude an der Auricher Trainerbank: Coach Daniel Franziskus und Cotrainer Mike Kruse (rechts) freuen sich über den ersten Saisonsieg gegen Wiesmoor. Foto: Helmut Vortanz
So geht Freude an der Auricher Trainerbank: Coach Daniel Franziskus und Cotrainer Mike Kruse (rechts) freuen sich über den ersten Saisonsieg gegen Wiesmoor. Foto: Helmut Vortanz

Es war mehr drin

„Wir sind mit Platz sechs zufrieden“, so Franziskus, „aber wir haben auch einige Punkte liegengelassen“. Er erinnerte sich schnell an unnötige Ausrutscher. Dazu zählte er die knappe Niederlage gegen Middels, obwohl Aurich zum Schluss 20 Minuten in doppelter Überzahl spielte, ebenso das späte Ausgleichstor (98. Minute) in Hage zum 1:1 und die vermeidbare Niederlage in Westrhauderfehn. „Diese Punkte tun weh“, so Franziskus und lieferte auch gleich den Grund dafür.

„Wir spielen offensiven Fußball, druckvoll und riskant nach vorne. Da sind wir dann hinten anfälliger“, weiß Franziskus um die Achillesferse seiner Elf. Die SpVg traf zwar bisher in jedem Spiel, kassierte aber auch 37 Gegentreffer. Besonders bei Ballverlusten im Mittelfeld funktioniert das Umschaltspiel nach hinten hin nicht. Mit Folgen: Aurich steht in der Abwehr blank, offen wie ein Scheunentor. Diese Schwäche soll bis zum Start nach der Winterpause abgestellt werden.

Der Auricher Trainer ist aber auch stolz, wie sich seine Elf entwickelt hat. Es sei ein Team zusammengewachsen, das füreinander einstehe. So recht nach dem Geschmack von Franziskus, der zu bedenken gab: „Was nützen gute Einzelspieler, wenn die Mannschaft nicht funktioniert.“ Er selbst sucht bei seiner Rolle als Trainer nach einer „guten Mischung zwischen Cheftrainer- und Kumpelsein“, garniert mit klaren Ansagen und Empathie.

Nach einer Durststrecke zu Saisonbeginn hat sich die SpVg gefunden und sich auf Platz sechs vorgearbeitet. Foto: Helmut Vortanz
Nach einer Durststrecke zu Saisonbeginn hat sich die SpVg gefunden und sich auf Platz sechs vorgearbeitet. Foto: Helmut Vortanz

Verkorkster Wechsel

Enttäuscht ist Franziskus, dass der in der Winterpause von Wallinghausen zur SpVg Aurich gewechselte Bangaly Condé keine Freigabe vom SVW erhalten hat. Der erfolgreiche Angreifer muss nun bis Anfang Mai auf seinen ersten Einsatz bei den Rot-Weißen warten. Es hätte alles gepasst, so Franziskus. Der Verein hat Condé eine Arbeit besorgt und freute sich auf seinen Einsatz. Vergeblich. Die Umstände des Wechsels bezeichnete Franziskus, wie schon die Sportliche Leitung zuvor, als unglücklich. Die Auricher hatten den Wechsel vorzeitig in den sozialen Medien veröffentlicht, ohne zuvor mit Wallinghausen gesprochen zu haben. Franziskus vertritt bei Wechselabsichten von Spielern aus seinem Kader eine klare Meinung: „Wenn ein Spieler gehen will, dann lass ich ihn ziehen.“

In Sachen Condé gab sich Franziskus pragmatisch. „Die Sache ist durch und wir müssen warten, bis die Sperre abgelaufen ist.“ Ende Mai treffen beide Mannschaften in Wallinghausen aufeinander. Darauf freuen sich die Auricher, die dann mit Condé in ihren Reihen noch eine offene Rechnung zu begleichen haben.

Der Wallinghausener Bangaly Condé (grünes Trikot) traf im Hinspiel in Aurich zum 1:5 für die Gäste. Im Rückspiel Ende Mai läuft er für die SpVg auf. Zuvor muss er eine Sperre von sechs Monaten absitzen. Grund: Wallinghausen stimmte dem Wechsel nicht zu. Foto: Helmut Vortanz
Der Wallinghausener Bangaly Condé (grünes Trikot) traf im Hinspiel in Aurich zum 1:5 für die Gäste. Im Rückspiel Ende Mai läuft er für die SpVg auf. Zuvor muss er eine Sperre von sechs Monaten absitzen. Grund: Wallinghausen stimmte dem Wechsel nicht zu. Foto: Helmut Vortanz

Die Arbeit von Franziskus wird von den Verantwortlichen der SpVg geschätzt. Nach nur wenigen Monaten wurde sein Vertrag vorzeitig bis 2028 verlängert. Ein Vertrauensbeweis für den 34-Jährigen. Der wiederum denkt über den Tellerrand hinaus. „Ich will Aurich auf eine familiäre, sympathische Schiene bringen. Gemeinsam schaffen wir das.“ Ein berechtigtes Anliegen, nach den Querelen um Trainer Claudio Casto in der Schlussphase der vergangenen Saison. Franziskus schwebt beispielsweise ein Sommerfest auf dem Ellernfeld vor.

Offene Rechnung

Beim Aurich-Cup lief es für die SpVg nicht nach Plan. Die Auricher schieden im Achtelfinale in einer Gruppe aus, die nicht unbedingt das Etikett „Todesgruppe“ trug. „Halle ist Halle“, wies Franziskus auf die besonderen Bedingungen hin. Er habe einen großen Kader an den Start geschickt. Jeder sollte spielen und genießen. Der Genuss endete mit einer 2:3-Niederlage gegen Weene. Damit war der Weg der SpVg beim Aurich-Cup zu Ende. Unterm Strich sei es aber zu wenig gewesen, räumte der Auricher Coach ein.

Seine Energie gilt der Vorbereitung auf den zweiten Teil der Bezirksliga-Saison. Anfang Februar steigen die Auricher ins Training ein. Es stehen mehrere Testspiele auf dem Programm. Auf eines freut sich Franziskus besonders. Das Duell gegen die U19 von Kickers Emden bezeichnet er als Härtetest. Im Oktober 2025 spielten beide Mannschaften schon einmal gegeneinander. Aurich verlor glatt 0:5 und hat noch eine Rechnung mit dem Kickers-Nachwuchs offen.

Für die Auricher stehen noch 15 Punktspiele an. Franziskus wagte eine Prognose für seine Mannschaft. „Ein Traum wäre zum Schluss Platz drei. Realistischer ist aber vier oder fünf. Wir haben Bock drauf.“ Und wie wird das Titelrennen zwischen Pewsum und Großefehn ausgehen? Der Auricher Trainer sieht ein leichtes Plus bei den Krummhörnern.

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