Fußball-Bezirksliga Middels bleibt hinter eigenen Erwartungen zurück
Beim TuS Middels sorgten gleich mehrere Faktoren für eine durchwachsene Hinrunde. Trainer Tobias Ryl setzt auf Teamgeist und neue Impulse.
Middels - Er ist ein Trainer mit klaren Ansagen. Einer, der stets nach besseren Lösungen sucht und auch Selbstkritik übt. So fällt für den Middelser Coach Tobias Ryl die Zwischenbilanz für den Tabellenzehnten der Bezirksliga ernüchternd aus. Sollte er eine Schulnote für die Leistung der Gelb-Schwarzen verteilen, so nannte er im Gespräch mit den Ostfriesischen Nachrichten eine Vier, also ausreichend. Der 39-Jährige sagte: „Das ist schon bitter. Natürlich hatten wir uns mehr ausgerechnet. Wir dachten, dass wir mit unseren Verstärkungen eine stabile Rolle im oberen Drittel spielen würden.“
Holpriger Saisonstart
Middels hat sich nach einem Fehlstart zu Saisonbeginn mit fünf Niederlagen und zwei Remis mit einem Zwischenspurt von fünf Partien ohne Niederlage sowie einer durchwachsenen Schlussphase bis zum Beginn der Winterpause auf Rang zehn vorgearbeitet. 32 Punkte Rückstand auf Tabellenführer Pewsum und ein Zehn-Punkte-Polster auf den Relegationsplatz. Der Platz im Niemandsland der Tabelle wurmt Ryl. Seit seinem Amtsantritt im Sommer 2023 ging es stetig bergauf. Nach Platz acht in seiner ersten Saison am Barger Weg, folgte Rang sechs in der vergangenen Serie. Nun wäre der nächste Schritt dran. Ein Platz hinter den Topmannschaften Pewsum und Großefehn stand auf der Wunschliste der Middelser. Daraus wurde nichts.
Großes Verletzungspech
Ryl erklärte das Missverhältnis zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Zum einen hätten die Zugänge nicht das gehalten, was sie versprochen hätten. Rolf Meiners und Luca Freese hätten den TuS wieder verlassen. Dazu gesellte sich ein Heer von Verletzten. Michael Grünjes, Gyoksel Rasim (Kreuzband), Galvany Kiasuva und Glen Sokoli. Stammpersonal, das sowohl sportlich als auch menschlich fehlte, wie Ryl zu bedenken gab. Im Vergleich zu den Topvereinen, müsse Middels in der Breite Abstriche machen. Da seien Pewsum und Großefehn besser aufgestellt.
Ein Lichtblick war die Torausbeute von Precious Linus Tenebe, der in zehn Spielen 13 Tore für den TuS erzielte, also fast die Hälfte der 27 Middelser Treffer. Ob er auch im zweiten Saisonteil für Middels auf Torejagd gehen wird, ist noch ungewiss, so Ryl. Der treffsichere 21-jährige Nigerianer wird mit dem Oberligadritten SV Wilhelmshaven in Verbindung gebracht. Er soll helfen, den SVW wieder in die Regionalliga zu schießen. Auf der Habenseite vermeldet Ryl zwei Zugänge in der Winterpause. Christian Miranda Cordeiro kehrt wieder zurück zu den Middelsern. Mit Yannick Stauffer schließt sich ein Stürmer den Middelsern an.
Triple beim Aurich-Cup verpasst
Unterm Strich bleiben dem Middelser Trainer 22 Spieler für den Start in die Punktspielserie. Los geht es am 1. März mit dem Heimspiel gegen den TV Bunde. Middels bläst zur Aufholjagd. Mindestens Platz neun soll es am Ende der Saison sein. Damit würde sich der TuS für das lukrative Turnier um den Ostfriesland-Cup qualifizieren. Der Ostfriesland-Cup ist noch Zukunftsmusik, aber der Aurich-Cup endete kürzlich mit dem überraschenden Halbfinale-Aus des Titelverteidigers gegen den zwei klassentiefer spielenden TuS Weene. Eine bittere Pille für den TuS, der zuvor zweimal das Turnier gewonnen hatte und für den Triple möglich schien. Dazu bemerkte Ryl: „Schade, wir haben uns gegen Weene im Halbfinale unheimlich schwer getan. Immerhin hat aber unsere Serie gegen Großefehn gehalten. Seit drei Jahren haben wir nicht gegen Großefehn verloren“, flachste Ryl. Ein Trostpflaster für Middels. Am Ende des langen Finaltages jubelten aber die Fehntjer nach dem 1:0-Sieg gegen Weene.
Ende Januar steigt der TuS Middels ins Training ein. Ryl gibt sich kämpferisch. „Jetzt erst recht“, lautete sein Arbeitsauftrag an die Mannschaft. „Es wird nach oben gehen, wenn wir alle an einen Strang ziehen“, setzt auf eine Gemeinschaftsaufgabe.
Er hofft auf eine Serie im März, um den Abstand zur Abstiegszone zu vergrößern. Vielleicht klettern die Gelb-Schwarzen auch noch den einen oder anderen Platz nach oben. Es wäre ein wenig Balsam für die bisher nicht erfüllten Erwartungen des Trainers.
Als Nachwuchstrainer gefragt
Gleichwohl fühlt sich der Berufssoldat Ryl beim TuS Middels gut aufgehoben. Wie es über die Saison hinaus weiter gehen wird, ließ er offen. Über mangelnde Herausforderungen kann sich Ryl nicht beklagen. Sein zweites Steckenpferd gilt dem Fußballnachwuchs. Er trainiert einmal im Monat in Lastrup die besten 15-Jährigen aus dem Nordwesten. Darüber hinaus ist er für den Niedersächsischen Fußballverband (NFV) als Landesauswahltrainer in Barsinghausen tätig. Dort kümmert er sich um die U14-Landesauswahl. Der Vierklang aus Familie, Beruf, Bezirksligatrainer und Nachwuchscoach gelingt, sagte Ryl, weil er stark im Organisieren ist.