„Ehrenamt entlastet Landkreis“ Arbeitslosen-Initiative fordert mehr Unterstützung
Die Zahl der Beratungen der Arbeitslosen-Initiative ist stark gestiegen. Sie übernehme damit Aufgaben des Landkreises, was sonst dort Kosten verursache. Die Initiative fordert mehr Förderung.
Aurich - Johann Erdwiens, der Vorsitzende der Arbeitsloseninitiative Aurich, bringt es in einer Pressemitteilung auf den Punkt: Die Beratungen explodieren, das Ehrenamt springe bei öffentlichen Aufgaben ein, der Landkreis Aurich spare so Zehntausende Euro, lasse die Initiative bei einer Förderzusage aber warten.
Konkret geht es um 3000 Euro pro Jahr, die die Arbeitsloseninitiative im September 2025 als Zuschuss beantragt hat. Das Geld soll für die Betriebskosten der Beratungsstelle eingesetzt werden. In der Kreistagssitzung im Dezember erkundigte sich Erdwiens nach dem Sachstand bei diesem Beschluss. „Durch die Antwort des Landrates Olaf Meinen entstand zunächst der Eindruck, der Antrag sei abgelehnt worden. Inzwischen ist bekannt, dass der Antrag bislang noch nicht behandelt wurde“, so Erdwiens.
Zahl der Beratungen fast verdoppelt
Er führt daher ein weiteres Argument an und hat ausgerechnet, wie viel Beratungszeit bei den Mitarbeitern des Landkreises anfallen würde, gebe es die Arbeitsloseninitiative nicht, die ihren Klienten auch beim Ausfüllen von Anträgen hilft.
„Die Arbeitsloseninitiative Aurich stand im Jahr 2025 vor einer Belastungsprobe, wie es sie bislang nicht gegeben hat“, so Erdwiens. Nach 802 Beratungen im Jahr 2024 bei der unabhängigen Beratungsstelle, habe sich diese Zahl im Jahr 2025 mit 1572 Beratungen schlagartig fast verdoppelt, Durch aktuelle und anstehende Gesetzesänderungen im Sozialgesetzbuch rechne der Verein im laufenden Jahr mit einem weiteren deutlichen Anstieg. Traum der Ehrenamtlichen ist zudem der Umbau eines Wohnwagens zu einer mobilen Beratungsstelle, die regelmäßig auch die Gemeinden im Landkreis anfahren kann. Das dürfte die Zahl der Beratungen weiter erhöhen, weil mehr Auricher Zugang zu dem Angebot bekommen.
Erdwiens: Für Kreis 128 Arbeitstage und knapp 22.000 Euro eingespart
Die Zahlen spiegeln laut Erdwiens „eine wachsende soziale Unsicherheit im Landkreis Aurich wider und zeigen, wie dringend Menschen auf verständliche, unabhängige Beratung angewiesen sind. Gerade in Zeiten komplexer gesetzlicher Veränderungen wird die Arbeit der Arbeitsloseninitiative für viele Betroffene zur letzten Orientierungshilfe“.
Vergessen werde dabei, dass die Beratungen vollständig ehrenamtlich erbracht werden. Die Arbeitsloseninitiative übernehme Aufgaben, die eigentlich in der Verantwortung des Landkreises lägen. So wurden dort laut Erdwiens‘ Auflistung rechnerisch 128,16 Arbeitstage eingespart. „Auf Grundlage der Entgeltgruppe E 9a, Stufe 3 mit einem Bruttostundenlohn von 26,78 Euro (plus Arbeitgeberanteil) ergibt sich für den Landkreis Aurich eine finanzielle Entlastung von mindestens 21.829,71 Euro. Hinzu kommen weitere Einsparungen durch entfallene Kosten für Schulungen, Fortbildungen und Einarbeitung.“
„Wer dem Landkreis Zehntausende Euro spart, sollte nicht warten müssen“
Damit übernehme die Arbeitsloseninitiative nicht nur soziale Verantwortung, sondern entlaste den Landkreis auch ganz konkret finanziell. „Gleichzeitig fängt sie Menschen auf, die im komplexen System sozialer Leistungen andernfalls durchs Raster fallen würden.“ Viele Ratsuchende wüssten nicht, was ihnen qua Gesetz zustehe, welche Anträge erforderlich oder wie diese korrekt auszufüllen seien. Die Beratung erfolge niedrigschwellig und verständlich, und ersetze in der Praxis häufig behördliche Unterstützung. Ohne die Unterstützung der Arbeitsloseninitiative blieben viele Anträge ungestellt oder unbearbeitet, so Erdwiens, – „mit unmittelbaren sozialen Folgen für die Betroffenen und letztlich auch für den Landkreis“.
Wer ehrenamtlich Pflichtaufgaben übernehme „und dem Landkreis nachweislich Zehntausende Euro spart, sollte nicht warten müssen“, fordert die Initiative: „Ein Zuschuss von 3.000 Euro wäre kein Geschenk, sondern notwendige Unterstützung und Anerkennung – und am Ende würde der Landkreis dennoch sparen.“
Statistik belegt thematische und örtliche Verteilung
Erdwiens hat die Beratungen des Vorjahres detailliert aufgelistet und die Durchschnittsberatungsdauern für seine Berechnung zugrunde gelegt. Allein 570 Beratungen drehten sich um die Kosten der Unterkunft.
Für die Beratung generell bei Anträgen seien rund 218 Stunden angefallen. Rechne man dies um, gehe es um 27,28 Arbeitstage. Hinzu kämen 807 Stunden Beratung, die sich nicht auf die Antragsausfüllung bezogen hätten.
Gut 20 Prozent der im Büro in Aurich Beratenen kamen im vorigen Jahr aus der Stadt Aurich (326 Personen). 122 Klienten kamen aus Norden, 112 aus Südbrookmerland, 73 aus Großefehn, 72 aus dem Brookmerland, je 59 aus Ihlow und Wiesmoor, 57 aus der Krummhörn, 51 aus Großheide, 50 aus Hinte sowie 34 aus Hage, 31 aus Dornum und 18 von den landkreiszugehörigen Inseln. Hinzu kommen laut Erdwiens 140 Personen aus anderen Landkreisen. Außerdem 368 telefonische Beratungen, was knapp einem Viertel der Gespräche entspricht.
Die Arbeitsloseninitiative bemüht sich seit Längerem um finanzielle Unterstützung. Ein Antrag auf einen Zuschuss von insgesamt 3000 Euro wurde beispielsweise 2024 in den Gemeinden Aurich und Südbrookmerland beraten und mehrheitlich abgelehnt. In Südbrookmerland, weil es sich um einen Auricher Verein handelt, in Aurich, weil der Verein für sein Büro in einer städtischen Immobilie bereits einen Miet- und Nebenkostennachlass bekomme.