Meinung Eine Show mit Kalkül – ausgerechnet im EEZ
Der Auricher Bürgermeister Horst Feddermann will nicht erneut kandidieren. Das dürfte kaum jemanden überrascht haben. Ein Kommentar.
Für den großen Auftritt hat sich der Auricher Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) seine lang erwartete Ankündigung aufgespart: Beim Neujahrsempfang im EEZ in Aurich sagte er am Sonntag vor 500 Besuchern, 2026 nicht erneut für das Amt zu kandidieren. Die Zahl derer, die das überrascht, dürfte sich in Grenzen halten. Hätte Feddermann noch einmal antreten wollen, hätte er seinen Hut schon längst in den Ring geworfen. Denn ein Profi wie er weiß: Man schaut nicht tatenlos zu, wenn sich aussichtsreiche Kontrahenten wie Sarah Buss (parteilos) oder Julian Jetses (SPD) in Stellung bringen. Man hebt die Hand und sagt: Ich will’s noch mal wissen.
Doch genau das will Feddermann nicht. Eine weitere, diesmal achtjährige Amtszeit will sich der 60-Jährige nicht antun. Feddermann wird das schon seit langer Zeit gewusst haben, auch wenn er sich darüber bedeckt hält. Sein Zögern war daher eine Show. Aber eine mit Kalkül. In den USA werden Präsidenten, die in Kürze aus dem Amt scheiden, als „lahme Enten“ bezeichnet. Einen vergleichbaren Zustand wollte Feddermann so lange wie möglich hinauszögern.
Feddermann wurde beim EEZ von der Realität eingeholt
Ironisch ist der Ort der Ankündigung. Im Wahlkampf 2021 und zu Beginn seiner Amtszeit bezeichnete er den Bau des EEZ noch als großen Fehler. Für ihn war die Einrichtung ein Klotz am Bein, den er am liebsten abschütteln wollte. Mittlerweile ist Feddermann von der harten Realität eingeholt worden. Einrichtungen in kommunaler Hand entwickeln ein Eigenleben, sie sind hartnäckig. Unter anderem deshalb, weil sie oft hohe Fördersummen erhalten haben und eine frühzeitige Abwicklung von den Zuschussgebern ausgeschlossen wird. So existieren auch gefloppte Millionen-Projekte munter weiter. Man wird sie nicht los. Und irgendwann erlahmt auch der Wille des größten Kritikers, sie abzuwickeln – selbst bei Sparfuchs Feddermann. Immerhin: Die glücklosen und letztlich überflüssigen Stadtwerke wurden schon früh in seiner Amtszeit zu Grabe getragen.
Feddermanns Rückzug ist eine direkte Folge der Amtszeitverlängerung von fünf auf acht Jahre, die im vergangenen Jahr in Hannover beschlossen wurde. Die Reform wird auch den Auricher Landrat Olaf Meinen (parteilos) sowie viele andere Hauptverwaltungsbeamte in die frühe Rente treiben. Gut für sie, aber nicht unbedingt fürs Land.