Bautätigkeit in Ihlow  Anpassung an veränderte Lebensgewohnheiten

| | 06.01.2026 14:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
In Westerende-Kirchloog soll am Fuße der imposanten Eiche am Hof Hemmen ein Neubaugebiet mit Einzel-, Doppel-, Reihen- und Mehrparteienhäusern entstehen. Arno Ulrichs (von links), Friedhelm Saathoff, Karin Block, Holger Saathoff, Annette Lang, Harm Ubben und Ulrich Kubatschek präsentierten die Pläne. Foto: Karin Böhmer
In Westerende-Kirchloog soll am Fuße der imposanten Eiche am Hof Hemmen ein Neubaugebiet mit Einzel-, Doppel-, Reihen- und Mehrparteienhäusern entstehen. Arno Ulrichs (von links), Friedhelm Saathoff, Karin Block, Holger Saathoff, Annette Lang, Harm Ubben und Ulrich Kubatschek präsentierten die Pläne. Foto: Karin Böhmer
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In Ihlow entstehen derzeit mehrere Baugebiete. An ihnen ist ablesbar, wie sich auch das Leben im Dorf verändert.

Ihlow - Dort, wo früher in der Gärtnerei Kuhlmann in Ihlowerfehn Fuchsien blühten, rollen derzeit die Bagger, um die Erschließung des neuen Baugebiets voranzutreiben. Durch eine kleine Lücke sieht man sie von der Kirchdorfer Straße aus kurz vor Weihnachten hinter einem hohen Lärmschutzwall rollen. Auf insgesamt 1,24 Hektar errichtet die „Haus & Projekt“ dort insgesamt rund 100 Wohneinheiten. Insgesamt drei Senioren-Wohngemeinschaften mit je 12 Plätzen sollen darunter sein.

Der Verwaltungsvorstand der Gemeinde Ihlow hat zum Jahresende zu einer Rundfahrt durch die Gemeinde eingeladen. Dabei zeigt sich unter anderem, dass sich Wohngebiete derzeit auch in dörflichen Bereichen verändern. Wo früher die Nachfrage nach Einfamilienhäusern auf 1000 bis 1500 Quadratmetern großen Grundstücken überwog, zeigt sich heute, dass zwei „Trends“ zu kleineren Einheiten führen.

Haushalte werden kleiner

Zum einen schrumpft auch in Ihlow die Haushaltsgröße und das Freizeitverhalten ändert sich. Statt des Hauses für die Familie mit mehreren Kindern wird nun immer häufiger die Haushälfte, das Reihenhaus oder die Wohnung für Singles oder bis zu Drei-Personen-Haushalte verlangt, sagte Bürgermeister Arno Ulrichs. Senioren wollten sich verkleinern. Junge Menschen suchten in einer immer länger werdenden Ausbildungsphase bereits eine eigene Wohnung. Auch gebe es immer mehr Alleinerziehende oder Paare ohne Kinder.

Damit verbunden sei auch eine Abkehr vom eigenen Garten. Neben der Erwerbsarbeit bleibe in vielen Haushalten zu wenig Zeit für intensive Grundstückspflege. Zudem gebe es eine andere Freizeitgestaltung, sodass nicht mehr laufend so viel Arbeit in die eigene Immobilie investiert werde. Und darüber hinaus eine höhere Mobilität im Lebenslauf, sodass auch die Ihlower sich nicht mehr mehrheitlich mit Mitte 20 oder mit 30 Jahren auf einen Lebensort festlegen, sondern mehrmals umziehen.

Geänderte Herausforderungen für die Bauleitplanung

Der zweite „Trend“ sind die in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Baupreise, die die bezahlbare Immobilie für viele Haushalte zwangsläufig schrumpfen lassen, wie Ulrichs sagt. Die durchschnittliche Wohnfläche liege derzeit bei etwa 80 Quadratmetern.

Auch das Neubaugebiet in Riepe war Ziel der Rundfahrt beim Jahrespressegespräch mit der Ihlower Verwaltungsspitze. Foto: Karin Böhmer
Auch das Neubaugebiet in Riepe war Ziel der Rundfahrt beim Jahrespressegespräch mit der Ihlower Verwaltungsspitze. Foto: Karin Böhmer

Das Ortsbild werde sich dadurch verändern. Gleichwohl werde weiterhin Wohnraum gesucht. Bei der Bauleitplanung von Neubaugebieten seien nun eben andere Dinge zu beachten, sagte Ulrichs. Unter anderem geht es darum, in dichter besiedelten Straßen genug Parkplätze zu schaffen, stärker versiegelte Flächen ausreichend und sinnvoll zu entwässern und darauf zu achten, dass die neue Siedlung optisch nicht zu monoton werde. „Wir sind mit den Investoren im Gespräch. Die neue Bebauung darf nicht zu sehr abweichen vom Ortsbild“, so der Bürgermeister.

Baugebiet in Westerende-Kirchloog in der Auslegung

Thema ist das alles auch im neuen Baugebiet in Westerende-Kirchloog. Ähnlich wie in Ihlowerfehn liegt dieses nahe bei Schule, Kita, ÖPNV und Nahversorgungsmöglichkeiten. Und ähnlich wie in Ihlowerfehn sollen dort nach neuerer Planung vor allem kleinere Wohneinheiten entstehen.

Der frühere Hof Hemmen werde abgerissen, die zentral gelegene alte Eiche sei aber im Bebauungsplan geschützt und bilde das Zentrum des neuen Baugebiets mit rund 50 Wohneinheiten, sagte Ulrich Kubatschek, der Geschäftsführer der Entwicklungs- und Dienstleistungsgesellschaft Ihlow mbH (EDI). Zusammen mit der Fokke Heyen GmbH bildet die EDI die Erschließungsgesellschaft Ihlow mbH, die das Baugebiet entwickelt und teils auch bebaut. Außerdem können Grundstücke gekauft werden. Dann müssen die Investoren aber ein Konzept vorlegen, was sie dort errichten wollen, so Kubatschek. Derzeit laufe die Auslegung, wo noch Einwendungen gegen die Planung kommen könnten.

Häuser mit bis zu acht Wohneinheiten

Auch dieses Baugebiet ist 1,2 Hektar groß und zentral im Ort gelegen. Direkt am Düsterweg sind eingeschossige Einfamilien- und Doppelhäuser zulässig. Am südwestlichen Rand ist Platz für Reihenhäuser. Im Innenbereich sind Häuser mit vier, sechs oder acht Wohneinheiten geplant.

Dort sind auf den Grundstücksflächen auch entsprechend viele Stellplätze vorgesehen, obwohl dies vom Gesetz nicht mehr verlangt wird. Die Zufahrt erfolgt vom Kirchweg aus. Zum Düsterweg gibt es eine Verbindung für Radfahrer und Fußgänger. Im Spätsommer 2026 sollen die Grundstücke nach Möglichkeit Baureife erreicht haben. Vermarktet werden sie von der EDI.

Großes Neubaugebiet zu knapp drei Viertel vermarktet

Noch traditioneller angelegt ist das Baugebiet in Riepe an der Ecke Fennenstraße/Oll Hofweg. Aber auch hier zeigt sich laut Kubatschek, dass die Nachfrage nach Einfamilienhäusern tendenziell abnimmt. Auf mehreren Grundstücken sind schon jetzt Doppelhäuser im Bau. Derzeit sind laut Bauplatzkarte auf der Gemeinde-Internetseite 21 der 42 Grundstücke verkauft und acht reserviert. Noch zu haben sind überwiegend die Bauplätze entlang der Fennenstraße. Laut Ulrichs sind es vor allem Riepster, die sich die Bauplätze gesichert haben. Viele von ihnen seien jung. Aber auch über 65-Jährige wollten sich dort teils verkleinern.

Der Ihlower Verwaltungsvorstand besuchte kurz vor Weihnachten die für Bautätigkeit wichtigen Punkte in der Gemeinde. Unter anderem die Kita Pusteblume in Simonswolde, deren Neubau möglicherweise auf dem Nachbargrundstück entsteht. Foto: Karin Böhmer
Der Ihlower Verwaltungsvorstand besuchte kurz vor Weihnachten die für Bautätigkeit wichtigen Punkte in der Gemeinde. Unter anderem die Kita Pusteblume in Simonswolde, deren Neubau möglicherweise auf dem Nachbargrundstück entsteht. Foto: Karin Böhmer

Für den Fachbereichsleiter Bau, Friedhelm Saathoff, ist es völlig in Ordnung, dass die Vermarktung von Baugebieten wieder etwas länger dauert. Für einige Jahre habe es einen erheblichen Bauboom gegeben, der den Grundstücksmarkt leerfegte. Nun seien wieder normalere Entwicklungszyklen erreicht.

Qual der Wahl beim Grundstück für Kita-Neubau

Die Bautätigkeit führt dazu, dass die Gemeinde auch weiterhin in Kitas investiert. Nachdem die Kita Riepe vergrößert und der Hof Rieken in Westerende-Kirchloog bezogen worden sind, steht nun noch ein Neubau in Simonswolde an. Die „Pusteblume“ ist die älteste Einrichtung der Gemeinde und soll nun in einem Neubau um eine Krippengruppe und eine Mensa erweitert werden, um den Ganztagsbetrieb zu unterstützen.

Der Gemeinde sei es gelungen, sowohl das Grundstück des früheren Bürgermeisters Günter Lüttge direkt neben dem Kindergarten als auch ein Grundstück neben der Grundschule am Manne Weg zu erwerben, sagte der zuständige Fachbereichsleiter Holger Saathoff. Im nächsten Jahr solle nun zusammen mit der Kita-Leitung und dann auch der Politik überlegt werden, welcher Standort der günstigere sei. Im Anschluss sollen dann die konkreten Planungen beginnen.

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