Groß-Krankenhaus in Südbrookmerland  Norder CDU fordert Verkehrskonzept für Zentralklinik

| | 06.01.2026 14:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Knotenpunkt: Der Bereich rund um die Kreuzung in Uthwerdum wird zukünftig noch wichtiger.Foto: Romuald Banik
Knotenpunkt: Der Bereich rund um die Kreuzung in Uthwerdum wird zukünftig noch wichtiger.Foto: Romuald Banik
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Der Stadtverband fordert vom Landkreis Aurich die baldige Vorlage konkreter Maßnahmen. Welche genau das sein sollen, bleibt aber noch relativ offen.

Norden/Aurich/Südbrookmerland - Die baldige Vorstellung eines Verkehrskonzepts für die in Bau befindliche Zentralklinik in Uthwerdum fordert jetzt der CDU-Stadtverband Norden. Man begrüße ausdrücklich, dass der Norder Bürgermeister Florian Eiben (SPD) in der Einwohnerfragestunde der letzten Ratssitzung 2025 die Notwendigkeit einer leistungsfähigen ÖPNV-Anbindung an die Klinik in Uthwerdum betont habe. Eine moderne Klinik, die ab 2029 ihren Dienst aufnehmen soll, müsse für Patienten, Mitarbeitende und Besucher „zuverlässig, barrierearm und ohne Umwege erreichbar sein – und das nicht nur mit dem Auto“, fordert die Norder CDU in einer Pressemitteilung. Die Christdemokraten fragen sich allerdings, warum das Thema Verkehrskonzept erst jetzt, gut ein Jahr nach dem ersten Spatenstich der Klinik, aufkommt.

„Gerade bei einem Vorhaben dieser Größenordnung muss die verkehrliche Erschließung von Beginn an verbindlich mitgeplant werden. Für viele Betroffene ist das keine Nebenfrage, sondern entscheidend: Wer auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist, braucht Planungssicherheit – frühzeitig“, so die Norder CDU. Die Anfrage einer Anwohnerin in der letzten Ratssitzung zur möglichen Reaktivierung der Bahnstrecke Aurich-Emden zeige zudem, dass es in der Region berechtigte Erwartungen an zukunftsfähige Lösungen gibt. „Wenn hier Perspektiven bestehen, müssen diese offen, fachlich fundiert und transparent geprüft werden – und zwar jetzt, nicht erst kurz vor Inbetriebnahme“, meint die Norder CDU. Sie fordert daher nun einen „verbindlichen Zeitplan für ein Verkehrskonzept noch vor dem nächsten maßgeblichen Baufortschritt – nicht erst im Rohbau-Stadium“. Es müsse außerdem „konkrete Zusagen des Landkreises zur Finanzierung und Umsetzung einer leistungsfähigen ÖPNV-Anbindung“ geben.

Einbindung von Kommunen und Bürgern gefordert

Desweiteren müssten Kommunen und Öffentlichkeit vor Ort in die Planung eingebunden werden, so die Forderung – gerade Norden als zweitgrößte Stadt im Landkreis. „Die Zentralklinik soll langfristig eine moderne Gesundheitsversorgung sichern. Das gelingt nur, wenn auch die Erreichbarkeit stimmt. Es ist Aufgabe aller Verantwortlichen, insbesondere des Landkreises als maßgeblichem Akteur, hierfür rechtzeitig die Grundlagen zu schaffen“, heißt es in der Mitteilung der Norder CDU. Stadtverbandsvorsitzender Detlef Wallerstein sagt: „Eine Klinik, die 2029 startet, braucht nicht irgendwann ein Verkehrskonzept, sondern jetzt klare Entscheidungen. Gute Gesundheitsversorgung endet nicht an der Kliniktür – sie beginnt mit der Frage: Wie komme ich überhaupt dorthin?“ Der CDU-Stadtverband Norden will das Thema weiterhin im Rat und gegenüber dem Landkreis „aktiv begleiten“. Man erwarte „zeitnah belastbare Ergebnisse“.

Die Forderung nach einer guten Verkehrsanbindung der Zentralklinik ist allerdings nicht neu, insbesondere aus Emden wurde sie bereits oft formuliert. Dort fordern etwa einige einen Ausbau der vielbefahrenen Bundesstraße nach Georgsheil/Uthwerdum, was Experten aber zumindest kurzfristig als unrealistisch betrachteten. Auch die Busverbindungen wurden, wie nun in der aktuellen CDU-Mitteilung, schon öfters kritisiert. Allerdings werden dabei die konkreten Fakten bisweilen außer Acht gelassen. Denn es gibt aktuell bereits eine relativ gute Busanbindung von Norden nach Uthwerdum mit einem stündlichen Takt, zumindest tagsüber.

Es gibt bereits stündliche Busverbindungen

Eine Fahrt mit den Linien 411 und 410 vom Norder Marktplatz bis nach Uthwerdum dauert mit einem Umstieg in Georgsheil zwischen rund 30 und 40 Minuten. Die früheste Fahrt beginnt gegen fünf Uhr morgens, die späteste um 20 Uhr.

Direkt an der Zentralklinik soll außerdem ein Busbahnhof entstehen – womöglich sogar mit Bahnanbindung. Die umstrittene Reaktivierung der Bahnstrecke von Aurich würde den Nordern aber wohl nichts bringen. Wie kürzlich in einer Präsentation des Landkreises deutlich wurde, soll es keine Möglichkeit einer direkten Verbindung von Norden über Georgsheil/Uthwerdum nach Aurich geben. Bahnfahrer müssten den langen Umweg über Emden nehmen, was gegenüber der genannten Busverbindung deutlich länger dauern würde. Und eine geplante neue Bundesstraße von der Autobahn bei Riepe bis nach Georgsheil („Balkweg-Trasse“) würde die Norder zwar ein wenig schneller in Richtung Autobahn 31 bringen – ihnen aber zumindest in Sachen Zentralklinik auch nichts bringen.

Zentralklinik als Argument für Bahn-Reaktivierung und Bundesstraßen-Neubau

Die Zentralklinik wurde zuletzt häufig als Argument sowohl für die Wiederbelebung des Personenverkehrs auf der Bahnstrecke Aurich-Emden als auch für den Bau der Bundesstraße 210n (Aurich-Riepe) mit dem Ast Bangstede-Uthwerdum genannt.

Übrigens: Auch die derzeitigen Kliniken in Aurich und Emden können per Bus zumindest tagsüber relativ gut erreicht werden – wieviele Bürger dieses Angebot tatsächlich nutzen, ist unklar.

Was viele, auch Kommunalpolitiker, womöglich nicht wissen: Bereits im Jahr 2020, im Zuge des Raumordnungsverfahrens, wurde von der Firma PGT eine 123 Seiten dicke „Verkehrliche Vorstudie zur Standortbewertung eines Zentralklinkums an der B72/B210 bei Georgsheil“ erstellt. Darin werden zumindest viele Verkehrsströme detailliert untersucht.

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