Rückblick  Südbrookmerlander Politik zieht durchwachsenes Fazit für 2025

| | 01.01.2026 13:54 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 8 Minuten
Entwässerungsprobleme gehörten 2025 einmal mehr zu den bestimmenden Themen der Südbrookmerlander Politik. Das Bild zeigt den überfluteten Postweg in Moordorf nach einem Starkregen im Sommer 2024. Nach dem Vorfall, der noch zahlreiche andere Bereiche in Südbrookmerland betraf, gründete sich eine Bürgerinitiative, deren Arbeit nun kräftig gelobt wird. Foto: Karin Böhmer
Entwässerungsprobleme gehörten 2025 einmal mehr zu den bestimmenden Themen der Südbrookmerlander Politik. Das Bild zeigt den überfluteten Postweg in Moordorf nach einem Starkregen im Sommer 2024. Nach dem Vorfall, der noch zahlreiche andere Bereiche in Südbrookmerland betraf, gründete sich eine Bürgerinitiative, deren Arbeit nun kräftig gelobt wird. Foto: Karin Böhmer
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Die Südbrookmerlander Politik zieht ein durchwachsenes Fazit für 2025. Einiges wurde zwar geschafft, manche Herausforderungen bleiben aber. Was die Fraktionen rückblickend sagen und für 2026 erwarten.

Südbrookmerland - In Südbrookmerland ist ein Jahr voller Projekte, Herausforderungen und politischer Debatten zu Ende gegangen. Vieles wurde erreicht, manches wieder verworfen und hier und dort wurde auch einmal gestritten. Die Vorsitzenden der Ratsfraktionen und -gruppen ziehen Bilanz für 2025 – und werfen einen Blick auf das, was 2026 bringen wird. Zwischen Fortschritten bei Infrastruktur und Bildung, ungelösten Fragen rund um Entwässerung, Haushalt und Bahnstrecke sowie ersten Vorbereitungen auf die Kommunalwahl wird deutlich: Langeweile kommt bei den Politikern ganz sicher nicht auf.

FWG sieht Licht und Schatten

Die Freie Wählergemeinschaft (FWG) blickt auf ein arbeitsintensives Jahr 2025 zurück. Wie Fraktionsvorsitzender Detlev Krüger mitteilt, habe die FWG in zahlreichen politischen Feldern Impulse gesetzt und Maßnahmen begleitet – von Klimaanpassung über Feuerwehr und Tourismus bis hin zu Schulen, Infrastruktur und Finanzen. Für 2026 erwartet die Fraktion weitere Herausforderungen, sieht die Gemeinde aber auf einem grundsätzlich soliden Kurs. Ein zentrales Thema war laut Krüger der Umgang mit den Folgen extremer Wetterereignisse. Gleich mehrfach war es bekanntlich in den letzten Jahren zu Überflutungen durch Starkregen gekommen – vor allem in Moordorf und im Feriengebiet am Großen Meer. Die FWG brachte dazu das Schwammstadt-Konzept in die Diskussion ein. Regenwasser solle künftig in Neubaugebieten besser aufgenommen und zurückgehalten werden. „Vorsorge und nachhaltige Bauleitplanung sind entscheidend, damit unsere Gemeinde widerstandsfähiger wird“, sagt Krüger.

Auch die Feuerwehren standen im Fokus: Der Bezug des neuen Feuerwehrhauses in Victorbur, zusätzliche Pumpen sowie neue Löschfahrzeuge – auch mit Blick auf die künftige Zentralklinik. Im Tourismusbereich hebt die FWG die positiven Rückmeldungen zum teilerneuerten Campingplatz am Großen Meer hervor. Der Zustand der Uferbefestigung bleibe hingegen problematisch. Die Einführung der Übernachtungssteuer bewertet die Fraktion als sinnvollen Schritt, der aber kritisch begleitet werde.

Detlev Krüger Foto: Holger Janssen
Detlev Krüger Foto: Holger Janssen

In der Kinder- und Jugendpolitik nennt Krüger die Neubesetzung der Jugendpflegestelle, den Ausbau der Ganztagsangebote und den geplanten Kita-Neubau in Theene. Bei letzterem seien nun schnelle Entscheidungen nötig. Wie berichtet, gibt es laut eines Berichts des Auricher Gesundheitsamtes gravierende Mängel in dem alten Gebäude. Der bislang geplante Neubau dürfte bei geschätzten Kosten von etwa sieben Millionen Euro für die Gemeinde aber nur schwer zu stemmen sein. Auch die Arbeit des Bauhofs lobt die FWG ausdrücklich, wenngleich der Sanierungsbedarf bei Straßen weiter hoch sei. Die Schaffung neuer Gewerbeflächen bleibe ein dringendes Thema.

Zur geplanten Reaktivierung der Bahnstrecke Aurich–Abelitz betont Krüger die Sorgen vieler Anwohner. Ein Thema, das sämtliche Fraktionen des Gemeinderates umtreibt und überwiegend auf Ablehnung trifft. Krüger fordert Transparenz, Rechtssicherheit und frühzeitige Einbindung der Betroffenen. Die finanzielle Lage der Gemeinde bezeichnet Krüger als angespannt: Aufgaben würden von oben delegiert, aber nicht ausreichend finanziert. Gleichzeitig hebt die FWG das Engagement der Verwaltung bei Fördermitteln positiv hervor. Mit Blick auf die Kommunalwahl kündigt Krüger ein „sachliches, lösungsorientiertes Angebot“ an. Bei der Kommunalwahl 2021 gelang es der FWG in Südbrookmerland erstmals, stärkste Kraft im Gemeinderat zu werden und die SPD auf den zweiten Platz zu verweisen. Bei der Wahl im September wird sich vermutlich zeigen, ob die Wählerschaft mit der Arbeit der FWG in dieser Position zufrieden ist.

Lob für Arbeit einer Bürgerinitiative

Für die Gruppe SPD/Linke war das Jahr 2025 von vielen kleinen Fortschritten geprägt. Fraktionsvorsitzender Berthold Lübben hebt die engagierte Arbeit der Interessengemeinschaft Entwässerung hervor, die durch viel eigenes Engagement und zahlreiche Gespräche mit Verwaltung und dem OOWV zur Beseitigung von Schwachstellen beigetragen habe. „Hervorragend, was dort auf die Beine gestellt wurde“, so Lübben.

Kritisch sieht die Gruppe die wiederholte Diskussion bereits beschlossener Vorhaben – etwa beim Kindergarten in Theene. Verzögerungen führten zu höheren Folgekosten. Hintergrund: Wegen der bereits erwähnten hohen Kosten für einen Neubau läuft aktuell die Suche nach Alternativen. Die SPD/Linke-Gruppe hält hingegen an den Neubauplänen fest und drängt auf einen zügigen Baubeginn. Positiv bewertet Lübben den Fortschritt beim Ritzweg, der im neuen Jahr ausgebaut werden soll.

Berthold Lübben Foto: Holger Janssen
Berthold Lübben Foto: Holger Janssen

Der gemeindliche Bauhof wird für seine flächendeckende Arbeit gelobt. Auch die Unterstützung für Vereine sei im Rahmen der Möglichkeiten der Gemeinde aufrechterhalten worden. Die Verwaltung agiere transparent, was die politische Zusammenarbeit erleichtere.

Gleichzeitig mahnt Lübben mehr finanzielle Unterstützung durch Land und Bund an. Viele Projekte könnten nur durch Fördermittel realisiert werden – und auch diese stünden nicht immer zeitgerecht zur Verfügung.

Deutliche Kritik äußert Lübben an der „nicht durchdachten“ Machbarkeitsstudie zur Bahnreaktivierung. Die SPD/Linke-Gruppe hatte dazu einen Antrag mit dem Ziel einer ablehnenden Resolution gestellt, wobei Linken-Ratsherr Johann Erdwiens sich unlängst davon distanziert hat. Er ist bislang der einzige im Gemeinderat, der sich zustimmend zu den Bahnplänen zu Wort gemeldet hat.

Bündnis mit Kritik an Debattenkultur

Durchaus kritische Töne schlägt Hange Ukena vom Bündnis Südbrookmerland an. Er zieht eine gemischte Bilanz. Zwar spricht Ukena von einem „soliden und aktiven Jahr“, beklagt jedoch strukturelle Schwächen im Ratsbetrieb. Zu oft würden Anträge nach Parteizugehörigkeit statt Inhalt bewertet. Kommunalpolitik müsse aus Sicht des Bündnisses parteilos sein – anonymisierte Anträge könnten ein Ausweg sein.

Hange Ukena Foto: Holger Janssen
Hange Ukena Foto: Holger Janssen

Zu den Erfolgen zählt Ukena die Renaturierung der Bohrschlammgrube am Königskeil, neue Bebauungspläne, erste Fördermittel für den Ritzweg, Investitionen in die Feuerwehr und Straßensanierung sowie die Einführung der Bettensteuer. Durch neue Mitglieder habe das Bündnis Impulse setzen können, etwa bei Schulparkplätzen, Bushaltestellen, Prävention und Kunstrasen. Als größte Herausforderung nennt Ukena den Haushalt. Pflichtaufgaben dürften nicht pauschal als alternativlos gelten. Stattdessen brauche es kreative, kostenschonende Lösungen. Die Bürgerinitiative Entwässerung lobt das Bündnis ausdrücklich für ihre fachliche Unterstützung.

Finanzen bereiten Sorgen

Für 2026 fordert Ukena ein deutlich stärkeres Engagement in der Jugendarbeit – ein Jugendhaus allein in Moordorf reiche nicht. Auch beim Thema Digitalisierung hinke die Gemeinde hinterher. Der schleppende Glasfaserausbau müsse energischer verfolgt werden, wobei die Gemeinde selbst hier nur eingeschränkte Möglichkeiten haben dürfte. Im Wesentlichen wird der Ausbau von privatwirtschaftlichen Unternehmen sowie dem Landkreis Aurich vorgenommen.

Mit Blick auf die Kommunalwahl mahnt Ukena zur inhaltlichen Offenheit – auch unbequeme Themen dürften nicht ausgeklammert werden. Die Bürgermeisterwahl sei offen, ein erstmaliger Einzug der AfD in den Rat nicht ausgeschlossen.

Die CDU/FDP-Gruppe sieht 2025 als Jahr der haushaltspolitischen Herausforderungen. Fraktionschef Tammo Keck warnt vor schrumpfenden Rücklagen und wachsender Fördermittelabhängigkeit. Große Investitionen seien kaum noch ohne Zuschüsse zu stemmen – freiwillige Leistungen müssten daher streng geprüft werden.

Tammo Keck Foto: Holger Janssen
Tammo Keck Foto: Holger Janssen

Trotzdem seien wichtige Projekte umgesetzt worden: die Erweiterung der Grundschule Moordorf wurde beschlossen, Investitionen in die Feuerwehr sowie zahlreiche Straßenmaßnahmen umgesetzt. Der Gemeinderat habe 2025 meist harmonisch und konstruktiv gearbeitet, so Keck. Einzig die Debatte über Schuleinzugsbereiche habe zu Kontroversen geführt.

Für 2026 fordert Keck klare Prioritäten. Der Ganztagsausbau an Grundschulen müsse weiterentwickelt, der Kindergarten in Theene zukunftsfähig gemacht werden. Die CDU/FDP favorisiert eine Lösung über den Woldenhof, um einen teuren Neubau zu vermeiden. Wie berichtt, denkt der Naturschutzbund (Nabu) als Pächter derzeit aber überhaupt nicht daran, den Woldenhof vor Ablauf des Pachtvertrages im Jahr 2029 zu räumen. Ein Thema, das vor allem in der ersten Jahreshälfte für weitere Diskussionen sorgen dürfte.

Auch der Neubau des Feuerwehrhauses Münkeboe und die Sanierung der Hermann-Bontjer-Halle müssten dringend vorangebracht werden – möglichst mit Förderung. Diese Beispiele seien Ausdruck eines Sanierungsstaus, der aus politischen Versäumnissen der vergangenen Jahre resultiere. Keck sagt: „Ich hoffe auf den gesunden Menschenverstand der anderen Fraktionen, damit wir den Haushalt unserer Gemeinde nicht gegen die Wand fahren.“

CDU/FDP fordert Tempo bei Gewerbeflächen

Für neue Einnahmen setzt die Gruppe beispielsweise auf ein Gewerbegebiet in Georgsheil. Auch bei Baugrundstücken sei ein pragmatischer Umgang nötig – inklusive Investorenmodellen, sofern private Interessenten zuerst versorgt würden.

Die Reaktivierung der Bahnstrecke sieht Keck kritisch. Von Resolutionen halte er zwar eigentlich nichts, aber als gemeinsames Signal an Landkreis, Land und Bund sei sie wohl notwendig. Die bevorstehende Kommunalwahl hält er für offen: Die Europawahl habe gezeigt, dass politische Erfahrung allein kein Garant mehr sei und auch völlig unbekannte und in der Gemeinde bislang nicht vertretene Bewerber Stimmen holen könnten. Wichtig sei, Bürger stärker einzubinden und Informationen transparenter zu machen. „Weniger Halbwissen über soziale Medien, mehr Beteiligung vor Ort“ – so Kecks Appell.

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