Sorge um Grundwasser Warum nasse Winter allein nicht mehr helfen
Trockene Sommer und Starkregen sind eine Herausforderung für die Wasserwirtschaft. Niedrigwerte im Landkreis Aurich im Frühjahr machten Sorge. Hat sich die Lage entspannt?
Aurich - Trockenere Sommer und Stark- oder Dauerregen in Herbst und Winter: Welche Auswirkungen hat das immer extremere Wetter auf die Grundwasserbestände? Wer meint, dass die nassen Winter im Landkreis Aurich ausnahmslos alle Bestände wieder auffüllen, wird enttäuscht. Die Rechnung geht nicht mehr so einfach auf. Warum auch in Ostfriesland mit immer niedrigen Grundwasserständen rechnen muss und wie sich das auf die Trinkwasserversorgung auswirkt, das erklären der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) und der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) auf Nachfrage der Redaktion.
Der Spiegel schrieb Ende November von einem dramatischen Wasserschwund, den Forscher in Europa und auch in Deutschland festgestellt hätten. Betrifft das auch den nassen Nordwesten Deutschlands? Schon im April hieß es, dass es erstmals Rekord-Tiefstände bei drei Grundwasserstellen im Landkreis Aurich gab. Das war in diesem Frühling so ungewöhnlich, weil in anderen Jahren erst danach die richtig trockene Phase begann. Sechs Messstellen gibt es im Landkreis Aurich, die im April auf der Karte des NLWKN als ungewöhnlich niedrig angezeigt wurden. An drei davon hieß es am 25. April, dass der Niedrigstwert unterschritten sei. Generell war es im Frühling rund um Aurich eher trocken.
Ausbleibender Regen auch im Winter wird zum Problem
Wie hat sich das seitdem entwickelt? Der Sommer war verregnet und auch der Herbst von Dauerregen-Phasen geprägt. Ist das Rekordtief also wieder weggespült? „Ja, derzeit überwiegen in Ostfriesland die Messstellen mit normalen Grundwasserständen“, sagt Fabian Buß, Pressesprecher des NLWKN in Norden. Da es im Winter häufig und viel regnet und die Pflanzen nicht wachsen, füllen sich die Speicher in den Wintermonaten in der Regel auf. Da aber im zurückliegenden Jahr zum Jahresbeginn schon die Niederschläge ausblieben, hätte dies zu den niedrigen Werten geführt. Bis Oktober seien die Grundwasserstände kontinuierlich gefallen, so Buß. Von März bis Oktober seien damit bis auf wenige Ausnahmen niedrige Grundwasserstände gemessen worden. Seit diesem November konnten sich die Grundwasserstände auffüllen. Aber über kurz oder lang müsse auch in Ostfriesland damit gerechnet werden, dass sich die Grundwasserstände auf einem niedrigen bis sehr niedrigen Niveau bewegen werden. Insbesondere ausbleibende Niederschläge, vor allem auch im Winter, und hohe Temperaturen spielen dabei eine Rolle.
Immer mehr Wasser wird benötigt
Der Wasserbedarf im OOWV-Verbandsgebiet ist über die vergangenen 15 Jahre deutlich gestiegen. Das bestätigt Heino Hermanns, Sprecher des OOWV. Der Verband erwarte eine weitere Zunahme des Wasserverbrauchs. Allerdings seien die Wasserrechte des OOWV bereits heute in hohem Maße ausgeschöpft. Technisch ist das eine Herausforderung. Denn es soll ja möglichst viel Wasser mit wenig Auswirkungen auf die Umwelt gefördert werden. Dafür werden nicht nur die Wasserwerke über ein Verbundnetz miteinander vernetzt. Auch werdeb neue Wasserwerksstandorte gesucht oder die bestehenden Werke modernisiert. Etwa beim Wasserwerk Siegelsum nahe Marienhafe, wo der OOWV derzeit ein neues Werk nach dem aktuellen Stand der Technik errichtet.
Im Landkreis Cloppenburg in der Gemeinde Lastrup wurde in diesen Tagen das Speicherpumpwerk Kneheim in Betrieb genommen. Damit können 10.000 Kubikmeter Trinkwasser gespeichert werden. Wird etwa in Trockenphasen sehr viel Wasser verbraucht, kann das Speicherpumpwerk solche Spitzenlasten abfangen. Nachts wird der Speicher dann wieder aufgefüllt. Eine Maßnahme, die aufgrund der Auswirkungen des Klimawandels notwendig geworden sei.
Was bedeutet das für das Leben mit dem Wasser? Wie wird trotz niedriger Grundwasserstände dafür gesorgt, dass auch genug Trinkwasser in den kommenden Jahrzehnten gefördert werden kann? Der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) muss dafür sorgen, dass das Grundwasser geschützt ist und gleichzeitig genug Trinkwasser gefördert werden kann. Der Verband berät etwa Kommunen zur Starkregenvorsorge. So soll dafür gesorgt werden, dass auch diese Regenmengen versickern können und nicht nur auf schnellstmöglichen Weg Richtung Nordsee gepumpt werden, erklärt Heino Hermanns, Sprecher des OOWV. Mögliche Projekte, die der OOWV in den Gebieten, wo er für die Oberflächenentwässerung zuständig ist, umsetzt, sind etwa Spielplätze oder Sportanlagen. Diese Flächen könnten so gestaltet werden, dass sie bei Starkregen als Speicher dienen. Auch Projekte in Zusammenarbeit mit Hochschulen und anderen Unternehmen werden erarbeitet, deren Ziel der Aufbau von sogenannten Stadtwasser-Kreisläufen ist. So soll etwa Regenwasser gesammelt werden, das als Rohwasser zur Bewässerung von Gärten und Stadtbäumen genutzt werden kann. Das sorgt dafür, dass nicht nur Grundwasser wieder aufgefüllt wird. Auch wird somit dafür gesorgt, dass weniger Trinkwasser zur Bewässerung verbraucht werde. Auch das schone die Grundwasser-Ressourcen.