Messstellen im Kreis Aurich Grundwasserstand im April rekordverdächtig niedrig
An drei Messpunkten war am 25. April der „Niedrigstwert unterschritten“. Das bedeutet, dass das Grundwasser in den vergangenen 25 Jahren um diese Jahreszeit noch nie so niedrig war.
Aurich - Ungewöhnlich niedrig ist derzeit der Grundwasserstand an den Messstellen des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) im Landkreis Aurich. Drei der insgesamt sechs Messstellen im Kreisgebiet, die auf der Karte des NLWKN angezeigt werden, zeigten am 25. April die Bewertung „Niedrigstwert unterschritten“ an. Das bedeutet, dass seit Beginn der Messung an dieser Stelle der Grundwasserstand im April noch nie so niedrig war.
Im Landkreis Aurich gibt es an den sechs Messstellen durchaus Unterschiede. Während der Grundwasserstand am Messpunkt Greetsiel als „normal“ eingestuft wird, wurde er in Westdorf bei Norden und in Walle als „sehr niedrig“ eingestuft. Für Tjücher Wilde I, Pfalzdorfer Moor und Norderney Ost lautete die Einstufung „Niedrigstwert unterschritten“.
Drei von 13 Punkten mit „Niedrigstwert unterschritten“ in Aurich
Die Gegend um Aurich kann dabei als derzeit besonders trocken gelten. Von den insgesamt mehr als 1000 Messstellen des NLWKN werden in der Karte 161 Messstellen mit aktuellen und langfristigen Daten dargestellt. Davon wurden am 25. April insgesamt 13 Messstellen mit „Niedrigstwert unterschritten“ eingestuft: eine im Landkreis Emsland, eine in Cloppenburg, zwei im Landkreis Cuxhaven, eine in Stade, eine in Rotenburg/Wümme, eine in Osnabrück, eine in Goslar, eine in der Region Hannover, eine in Leer und drei in Aurich.
An der Messstelle Tjücher Wilde I im Brookmerland wird seit Herbst 1992 gemessen. Es gibt zwei Referenzwerte: Normalhöhennull und die Geländeoberkante vor Ort. Am 25. April 2025 lag der Grundwasserspiegel in Tjücher Wilde I bei 0,47 Meter über Normalhöhennull. Der langjährige Durchschnittswert liegt bei 0,65 Meter. Als höchster Wert wurden zwischen 1992 und 2020 ein Wasserstand von 1,22 Meter und als niedrigster Wasserstand minus 0,15 Meter registriert. Derzeit liegt der Wasserstand dort 2,29 Meter unter der Geländeoberkante. Im Durchschnitt seit Messungsbeginn waren es 2,12 Meter. Nun liegt das Grundwasser also 17 Zentimeter tiefer.
Noch nie seit Messbeginn so früh im Jahr so niedrig
Die Werte sind nicht einmalig. Auch in den Vorjahren wurden die aktuellen Werte des Öfteren erreicht oder sogar unterschritten. Das war dann allerdings frühestens ab Mai, eher erst im Juli oder Juli der Fall. Also erst zu Zeitpunkten, wenn der niederschlagsärmere Frühling und Sommer schon eingesetzt hatten.
Gleiches gilt auch für die Messstelle Pfalzdorfer Moor. Dort läuft die Messung seit 1977. Und es war im April seitdem noch nie so trocken. Am 25. April 2025 lag der Grundwasserstand bei 8,84 Meter über Normalhöhennull. Im Schnitt sind es dort 9,25 Meter. Der Wasserstand liegt nun 1,87 Meter unterhalb der Geländeoberkante. Im Schnitt sind es 1,46 Meter. Auch am Messpunkt Pfalzdorfer Moor war der Wasserstand im April seit 1977 noch nicht so niedrig. Insgesamt wurde der Wert seitdem zwar 25 Mal unterschritten. Doch immer nur kurzzeitig im Hoch- oder Spätsommer.
Zum Jahreswechsel war der Grundwasserstand noch hoch
Der NLWKN bewertete die Situation Mitte März auf Nachfrage so: „Die Grundwasserstände im Landkreis Aurich sind nach noch hohen Wasserständen Ende November 2024 bis Anfang Januar 2025 aufgrund der geringen Niederschläge zu Beginn des Jahres 2025 kontinuierlich gefallen, sodass aktuell in Ostfriesland unterdurchschnittliche Grundwasserstände bestehen.“
Seit Jahresbeginn hat es nur im Januar und April nennenswert geregnet. Die Internetseite meteostat.net hat für die Messstation Emden in diesem Jahr bislang 131,6 Millimeter Niederschlag pro Quadratmeter registriert. Im Januar fielen davon 68,7 Millimeter, im Februar 15,2 Millimeter, im März 6,4 Millimeter und im April 41,3 Millimeter - und diese auch erst in der zweiten Monatshälfte. Somit regnete es an der Station Emden in diesem Jahr nicht einmal halb so viel wie im Vorjahreszeitraum.