Kurbelfähre Ihlower jubeln über neue Verbindung
Die Pünte über das Fehntjer Tief bei Ippenwarf soll bald Einheimischen, Urlaubern und Arbeitnehmern nützen. Was die Gemeinde Ihlow jetzt noch tun muss.
Ihlow - Viele Jahre lang mussten die Ihlower und Moormerländer bei den Vorarbeiten frei nach Mike Krüger geduldig den Nippel durch die Lasche ziehn – und nun können sie bald endlich die Kurbel auf dem Fehntjer Tief drehen.
Bei einer Rundfahrt im Rahmen des Jahrespressegesprächs zeigten Bürgermeister Arno Ulrichs und Annette Lang vom Ihlower Bauamt sichtlich erfreut den Ort, wo künftig zwar keine Brücke, aber immerhin eine Püntenverbindung zwischen Simonswolde und Tergast geschlagen werden soll. Die Gemeinde Moormerland hat Anfang Dezember mit einem Beschluss im Verwaltungsausschuss den Auftrag an ein Unternehmen aus Ihlow vergeben.
Ulrichs: Glaube es erst, wenn ich hier tatsächlich etwas sehe
Ulrichs und Lang strahlten zwar beim Blick auf das Fehntjer Tief und die Enten, die darauf schwammen. Es sei eine unglaublich zeitaufwendige Arbeit gewesen, die dicken Bürokratie-Bretter für die Genehmigung und die Förderung zu bohren sagte Lang. Ulrichs sagte, er sei sehr glücklich: „Ich glaube es aber erst wirklich, wenn ich hier tatsächlich etwas sehe.“
Noch sei Fördergeld vom Leader-Programm zwar zugesagt, der Bescheid aber noch nicht da. Und angesichts der Naturschutzauflagen im Allgemeinen und am Fehntjer Tief im Besonderen drängt die Zeit. Die Vorbereitung und die Tiefbauarbeiten an den Anlegern müssen bis Ende Februar abgeschlossen sein. Auf der Ihlower Seite werde eine Einschubtasche gebaut, in die die Pünte hineinfahren kann, so Lang. Das sei wichtig, damit der Verkehr auf der Wasserstraße Fehntjer Tief gut passieren könne. Die Pünte selbst koste rund 60.000 Euro. Sie solle auf jeden Fall breit genug sein, damit nicht zu große Wartezeiten entstünden.
Ihlow hat noch einige Aufgaben vor sich
Auf der Ihlower Seite ist noch einiges zu tun. Am Moormerländer Ufer führt der Ippenwarfer Weg entlang. Auf der anderen Seite des Tiefs wird er fortgesetzt - aber die Gemeinde muss für die Radfahrer noch eine kurze Wegeverbindung entlang der dortigen Hofstelle schaffen. Vom Hoftor aus soll diese hinter den Siloballen entlang auf den Anlegepunkt am Ufer zugehen.
Auch die Kurbelfähre selbst muss im nächsten Frühjahr noch installiert werden. Genehmigt ist der Fahrbetrieb laut Lang alljährlich „nur“ in der Zeit vom 15. April bis 15 Oktober. Auch das hat mit der wertvollen Natur im Umfeld zu tun. Bis zum möglichen Saisonstart soll dann alles fertig sein.
Wirtschaftswege im Umfeld sind dringend sanierungsbedürftig
Wobei „alles“ auch noch übertrieben ist. Denn damit die neue Radverbindung auch wirklich attraktiv ist, will die Gemeinde Ihlow in den nächsten Jahren noch etliche Kilometer Wirtschaftsweg sanieren. Finanziell möglich wird das laut Ulrichs durch eine Flurbereinigung. Einer der ersten Anwärter auf Erneuerung ist der Kleiweg, der die Radfahrer in Richtung der Oldersumer Straße bringt. Er besteht ebenso wie der Ippenwarfer Weg aus Betonplatten - und vielen Dellen und Löchern. Das Gebiet der Flurbereinigung wird laut Ulrichs bis zur Mühle Bertha reichen, also bis nach Ihlowerfehn. Ein kurzer Abschnitt des Kleiwegs wurde allerdings schon saniert, wie der Fachbereichsleiter Bau, Friedhelm Saathoff, sagte. Auch wurde in dem Zuge bereits der Durchlass am Fellandsschloot erneuert.
Die Gemeinden Ihlow und Moormerland sind sich sicher, dass die Kurbelfähre ein Erfolg wird. Zum einen gab es an der Stelle auch früher eine Fähre, die Ihlower ins benachbarte Tergast zur Arbeit in der Ziegelei brachte. Diese Erinnerung sei noch sehr präsent in den Orten, so Ulrichs. Ganz in der Nähe der Pünte befindet sich immer noch eine Kaimauer, wo Ziegel zum Transport übers Tief verladen wurden.
Verbindung auch für Arbeitskräfte
Neben den Einheimischen geht die Ihlower Verwaltung aber auch von vielen Urlaubern aus, für die die Verbindung attraktiv sein dürfte. Denn über das Fehntjer Tief kommt man in dem Bereich ansonsten nur auf der L1 zwischen Riepe und Oldersum - angesichts des immer noch fehlenden Radwegs kein Vergnügen für Radler.
Noch eine Gruppe von Püntennutzern hat Annette Lang im Blick: Im Industriegebiet in Riepe arbeiten rund 1500 Personen. Sie kommen laut der Fachbereichsleiterin für Gemeindeentwicklung zu etwa je einem Drittel aus Ihlow, aus Moormerland und aus anderen Nachbargemeinden. Für einige Moormerländer Arbeitskräfte, die sommers mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren wollen, wäre die Püntenstrecke eine gute Alternative zur vielbefahrenen Oldersumer Straße.
Noch offen sei, ob es im Bereich der Pünte ein kleines gastronomisches Angebot geben werde, so Lang. Die Anlieger seien sehr aufgeschlossen, was die neue Verkehrsverbindung und den größeren Publikumsverkehr in ihrer Nachbarschaft angehe, aber es seien viele Fragen zu klären. Ob etwas und was dort zu realisieren sei, müsse sich zeigen.