Riepe Wie Klärchen und Schneckchen die Abwassergebühr sinken lassen
Das Wendeschwein Klärchen und die Schneckenpresse trocknen in Riepe den Faulschlamm aus mehreren Gemeinden. Die Synergie macht sich bei den Preisen in Ihlow, Großheide und Dornum bemerkbar.
Ihlow - Während das stählerne Schlammwendeschwein Klärchen friedlich in der Trocknungshalle an der Ecke Blitzstraße/1. Querweg in Riepe „grast“ und die Schneckenpresse Schneckchen wenige Meter weiter mit jeder Drehung Wasser aus dem Schlamm presst, dreht sich auch die Abwasserpreisspirale in mehreren Gemeinden etwas nach unten.
Die Modernisierung der Klärschlammentwässerung in der Kläranlage Ihlow kommt nun nicht nur durch die bessere Auslastung den Ihlowern, sondern auch den Großheidern und Dornumern beim Abwasserpreis zugute. Der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV), der in den Gemeinden seit mehr als 20 Jahren für die Abwasserbeseitigung zuständig ist, kann den Kubikmeterpreis nun etwas absenken.
In Großheide sinkt der Preis im 17,5 Prozent
In Ihlow sinkt die Gebühr nur leicht von 2,66 Euro pro Kubikmeter Abwasser auf 2,63 Euro. Für den durchschnittlichen Wasserverbrauch von 46 Kubikmeter pro Jahr und Person ergibt sich somit eine Entlastung von 1,38 Euro pro Nase. In Großheide und Dornum sind die Gebühren nach Investitionen in die Kanalisation seit einigen Jahren besonders hoch und sinken nun deutlich - wenn auch nicht auf das Niveau von Ihlow. In Großheide fällt der Abwasserpreis von 6,85 Euro pro Kubikmeter auf 5,65 Euro, also immerhin um 1,20 Euro beziehungsweise 17,5 Prozent. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 46 Kubikmeter pro Jahr und Person ergibt sich laut OOWV nun eine jährliche Entlastung von 55,20 Euro. In der Gemeinde Dornum sinkt die Kubikmeter-Gebühr von 5,61 Euro auf 4,99 Euro. Im Schnitt ergibt sich laut OOWV dort somit eine Entlastung von 28,52 Euro pro Person und Jahr.
Weniger Lastwagen, also weniger Kosten
Dass die Gebühren jetzt sinken, hängt laut OOWV-Sprecher Heino Hermanns mit mehreren Faktoren zusammen. So konnte durch Investitionen in die Klärschlammentwässerung auf der Kläranlage Riepe die Vollauslastung der neuen Entwässerung und der Schlammtrocknung erreicht werden. Durch diese Optimierung können dort jetzt auch die Schlämme aus Großheide, Dornum und zum Teil Esens für den Transport zur „Kenow“ (Klärschlammentsorgung Nordwestdeutschland) nach Bremen vorbehandelt werden. Die Entsorgungs- und Logistikkosten werden laut Hermanns dadurch erheblich reduziert.
Es ist viel Wasser aus Klärschlamm zu entfernen, bevor dieser in der Kenow zur energetischen Verwertung verbrannt werden kann. Wenn er aus dem Nachklärbecken kommt, hat er laut Oliver Bents, Mitarbeiter beim OOWV, eine Trockenmasse von nur zwei Prozent. Im Riepster Schlammspeicherbecken setzt er sich dann schon ab, der Trübwasserabzug entfernt erste Flüssigkeit.
Schneckchen presst Wasser raus
Von dort führt eine Leitung zu Schneckchen. Nachdem ein Flockungsmittel zugesetzt wurde, presst die Schnecke das Wasser aus dem Schlamm, erklärt Bents. Hier steigt der Anteil der Trockenmasse auf rund 18 Prozent. Der Schlamm wird dann in die solare Trocknungsanlage - eine Art Gewächshaus mit zusätzliche Beheizung durch Abwärme - gefahren. „Wir bringen dort in einem Durchgang etwa 60 Tonnen rein und holen nach einigen Tagen 15 bis 20 Tonnen wieder raus.“
Die Trockenmasse hat sich auch wegen der beständigen Arbeit von Schlammwendeschwein Klärchen auf 60 Prozent erhöht. So getrocknet, passt der Klärschlamm aus mehreren Klärwerken auf weniger Lastwagen, die ihn nach Bremen fahren müssen.
An mehreren Stellen sorgen Synergien für mehr Effizienz
Die Schlämme aus Baltrum und Spiekeroog werden weiterhin auf den Inseln getrocknet, dann allerdings ebenfalls zur zentralen Abholung nach Riepe gebracht. In Dornum führen zudem die Optimierung der Voreindickung in Verbindung mit dem neuen Blockheizkraftwerk und die Umstellung auf Belüftungsplatten zur Halbierung des Stromeinkaufs und somit ebenfalls zu Kostenersparnis.
In Großheide ist außerdem nun ein zentraler Wartungstrupp des OOWV stationiert. Er wird laut Hermanns im gesamten Landkreis Aurich einsetzt, sodass Synergien gehoben werden. Die vorbeugende Wartung der Anlagen durch Mitarbeitende des OOWV statt durch Fremdfirmen sei ein Erfolgsmodel.