Bezirksliga-Fußball Trainerdebüt und Wechselwirbel beim SV Wallinghausen
Der Wallinghausener Fußball-Coach Max Beccard spricht über die Hinrunde und den überraschenden Abgang seines Torjägers. Zudem sind Weihnachtsrituale Thema.
Wallinghausen - Seit fast sechs Monaten trainiert Max Beccard die Bezirksligafußballer des SV Wallinghausen. Es ist sein Trainerdebüt im Herrenfußball. In seiner Bilanz zur Winterpause macht sich der 34-Jährige im Gespräch mit den Ostfriesischen Nachrichten Gedanken über das plötzliche Abhandenkommen seines besten Torjägers, die geringe Anzahl von Spielen und darüber, was sich nach seinem Wechsel vom Spielfeld auf die Trainerbank verändert hat. Ein Ritual hat sich nicht verändert. Nämlich der Ort, an dem er Weihnachten feiert.
Mit einer rekordverdächtigen Marke hat sich der SV Wallinghausen in die Winterpause verabschiedet. Elf Punktspiele hat die Mannschaft zwischen Anfang August und Anfang November absolviert. Im vergangenen Jahr hatte der SVW schon 18 Spiele zu Beginn der Winterpause auf der Uhr.
Trainer steht vor Spieler-Comeback
„Keine Sorge, wir werden die 19 ausstehenden Spiele auch noch schaffen“, flachst er über den engen Spielplan im neuen Jahr. Er beginnt am Sonntag, 22. Februar, mit dem Heimspiel gegen Bunde. Es folgt eine englische Woche Anfang März und über Ostern müssen die Grün-Weißen zweimal spielen. Beccard nimmt es gelassen und hat auch einen Plan, wenn das Personal einmal knapp werden sollte: „Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ich auch noch einmal auf den Platz muss. Bevor wir nur noch mit zehn Spielern auf dem Platz stehen sollten, werde ich spielen. Aber das dürfte die absolute Ausnahme bleiben“, so Beccard.
Er ist mit seinem Einstand als Trainer beim SVW zufrieden. „Wir stehen mit 20 Punkten aus elf Spielen gut da. Wenn wir die Nachholspiele positiv gestalten, dann dürfte es in der Tabelle weiter nach oben gehen.“ Die Plätze an der Tabellenspitze sind in dieser Saison Pewsum und Großefehn vorbehalten. Sie seien das Maß der Liga, so Beccard. Dahinter sei für sein Team noch alles möglich.
Kein Blatt vor den Mund nehmen
Er fühlt sich wohl bei den Grün-Weißen. Die Arbeit mit den Spielern, mit einigen ist er seit Jahren befreundet, macht ihm Spaß. Dazu gesellt sich ein großartiges Funktionsteam mit Physio Jörg Ahers, Torwarttrainer Werner Dirks sowie Lina und Lara Bünting. Offene Kommunikation ist beim SVW angesagt. „Kein Blatt vor den Mund nehmen, einfach geradeaus“, so beschreibt Beccard das Miteinander. Mit seinem Kotrainer Ewald Mühlenbrock ist er auf einer Wellenlänge. „Ich bin froh, dass ich ihn habe“, lobt Beccard seinen Vorgänger. Die Einsätze auf dem Rasen vermisst er nicht mehr, verrät der 34-Jährige. Gleichwohl hat seine neue Aufgabe als Trainer auch tückische Seiten.
„Als Trainer beschäftige ich mich deutlich mehr mit Fußball als zuvor als Spieler. Als Spieler fährt man nach dem Spiel geduscht nach Hause, während ich mir noch Gedanken über das Spiel mache. Das ist nicht immer einfach.“ Leicht ist es ihm nach dem Auswärtsspiel bei der SpVg Aurich gefallen. Dort hatte der Defensivspieler seine Fußballlaufbahn in der vergangenen Saison beendet. Seine Rückkehr zum Ellernfeld mündete in einem Triumph der Grün-Weißen. Wallinghausen führte die SpVg mit 6:1 im eigenen Stadion vor. Der Wallinghausener Torschütze zur zwischenzeitlichen 4:1-Führung, Bangaly Condé, sollte Ende November für Gesprächsstoff sorgen und das Verhältnis beider Vereine belasten. Condé ist mit sieben Treffern der beste Torschütze des SVW. Er wechselte in der Winterpause zur SpVg Aurich. Die Auricher gaben den Neuzugang in den sozialen Medien bekannt. Ein Foto zeigt SpVg-Trainer Daniel Franziskus und Bangaly Condé Seite an Seite, wie sie vergnügt in die Kamera schauen. Der Haken: Der SV Wallinghausen wusste zu diesem Zeitpunkt nichts von dem Wechsel.
„So etwas macht man nicht“
Dazu sagt SVW-Trainer Max Beccard: „Ich heiße das nicht gut. So etwas macht man nicht.“ Beccard kann sich unter diesen Umständen gegenwärtig nicht vorstellen, dass der SVW die Freigabe für den Wechsel erteilen wird. Das sei nun Sache der Vereinsführung. Wenn Wallinghausen die Freigabe verweigert, ist Condé für die Auricher erst in der Schlussphase der Saison ab Anfang Mai für sechs Spiele einsetzbar.
Wie Wechsel in der Winterpause geräuschlos verlaufen, zeigten Wallinghausen und Großefehn. Beccard sagt: „Malte Braun kehrt aus Großefehn zu uns zurück. Dafür wechselt Adam Toufaili nach Großefehn. Bi (Anmerkung der Redaktion: Bi Le Tran, Trainer des SV Großefehn) und ich haben die Sache telefonisch geklärt. So einfach kann es gehen. Ich denke, die Auricher werden meine Telefonnummer auch noch gehabt haben.“
Weihnachten in der Kneipe von Opa Piper
Bis zum Trainingsauftakt Ende Januar sind die SVW-Spieler angehalten, sich sportlich zu betätigen. Auf einen Start beim Hallenfußballturnier um den Aurich-Cup hat die Mannschaft verzichtet, erzählt Beccard: „Das fand keinen so großen Anklang.“
SVW-Trainer Beccard wird sich mit Tennisspielen beim TuS Aurich-Ost und im Sportstudio fit halten. Er hofft, dass er noch das eine oder andere Match Paddle-Tennis spielen kann. Gegenwärtig seine Lieblingssportart. Weihnachten ist für Max Beccard mit zwei Fixpunkten verbunden: „Die ganze Familie trifft sich bei Opa Piper in seiner Kneipe in Walle. Es gibt das eine oder andere Bierchen und Eierlikör und wir wichteln“, freut sich Beccard auf das gesellige Miteinander.
Zwei Tage später folgt sein Geburtstag. Er wird 35 Jahre alt. „Ein oder zwei Jahre hätte ich wohl noch spielen können, aber irgendwie wird man doch schwerfälliger und pomadiger“, räumt der SVW-Trainer ein.