Forderung von Kritikern  Landtag soll Rodung des Fledermauswaldes stoppen

| | 17.12.2025 16:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Im September nahmen rund 200 Gegner der geplanten Rodung an einer Demonstration teil. Foto: Lasse Paulsen
Im September nahmen rund 200 Gegner der geplanten Rodung an einer Demonstration teil. Foto: Lasse Paulsen
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Kritiker der geplanten Rodung des Fledermauswaldes in Forlitz-Blaukirchen haben sich mit einer Petition an den niedersächsischen Landtag gewandt. Das sind ihre Forderungen.

Forlitz-Blaukirchen - Zuletzt war es ruhig geworden um den Fledermauswald in Forlitz-Blaukirchen. Nachdem im Spätsommer bekannt wurde, dass der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) plant, das etwa 2,5 Hektar große Waldstück zu roden, hatte es über Wochen Proteste von verschiedener Seite gegeben. Höhepunkt war eine Demonstration vor Ort. Dann flachte die Welle der Empörung langsam ab, auch weil der NLWKN mehrfach klarstellte, dass eine Rodung nicht unmittelbar bevorstehe. Nun öffnet sich allerdings ein neues Kapitel. Kritiker der geplanten Rodung haben eine Petition beim Niedersächsischen Landtag gestartet. So wollen sie erreichen, dass sich das Parlament noch einmal mit der Sache befasst und der Wald erhalten bleibt.

Das fordern die Kritiker in ihrer Petition

Eingereicht wurde die Petition von Tetje Janßen aus Marienhafe, die in der Region auch unter dem Namen Tetje Begemann bekannt ist. Über soziale Medien hat sie sich mit plattdeutschen Videobeiträgen eine größere Reichweite aufgebaut. Ihr aktuelles Anliegen: ein Rodungsstopp für den Fledermauswald, eine ökologische Neubewertung des Gebietes und eine Ausweitung des Schutzes für den gesamten Wald- und Landschaftsraum. In der Petition wird der Wald als ökologisch wertvoll beschrieben. Er biete Lebensraum für zahlreiche Vogel-, Insekten-, Amphibien- und Säugetierarten – darunter die Rauhautfledermaus, die dort nachgewiesen wurde. Janßen kritisiert, dass die Rodung mit dem Schutz einzelner Wiesenvogelarten begründet werde. Es sei widersprüchlich, Wald zu vernichten, um andere Lebensräume zu fördern. „Artenvielfalt braucht ein Gleichgewicht“, heißt es in dem Schreiben.

Tatsächlich ist die Rodung Bestandteil eines umfassenderen Managementplans für das Naturschutzgebiet „Großes Meer und Loppersumer Meer“. In diesem Plan, den der Landkreis Aurich bereits 2017 feststellte, wird die Entfernung des kleinen Erlenwäldchens ausdrücklich vorgesehen. Der NLWKN als Eigentümer der Fläche argumentiert, dass Wälder in Feuchtgebieten wie den Forlitzer Meeden für Wiesenvögel wie Uferschnepfe und Rotschenkel ein Hindernis darstellen: Sie meiden Gehölze und deren Umgebung großflächig. Außerdem seien solche Wälder Rückzugsorte für Prädatoren, die den Bruterfolg gefährden.

Behörde: Rodung erfolgt erst, wenn Fledermäuse umgesiedelt sind

Gleichzeitig betont die Behörde, dass eine Rodung frühestens erfolgen werde, wenn die Umsiedlung der dort vorkommenden Fledermäuse nachweislich erfolgreich verlaufen sei. In den vergangenen Jahren habe man daher Fledermauskästen in der Umgebung installiert, Quartierbäume markiert und Ersatzflächen vorbereitet – unter anderem eine 6,97 Hektar große Fläche im Landkreis Aurich, die mit Moorbirken bestanden sei und künftig der natürlichen Waldentwicklung überlassen werde.

Für Kritiker reicht das nicht aus. Sie fordern eine unabhängige Neubewertung der Fläche. Die Erkenntnisse aus 2017 seien nicht mehr zeitgemäß, auch angesichts des fortschreitenden Klimawandels. In der Petition heißt es, Wälder seien wichtig für CO2-Bindung, Wasserrückhalt und den Schutz vor Erosion. Der NLWKN wiederum verweist auf den speziellen Charakter des Gebiets: Der Waldbestand befinde sich auf entwässertem Moorboden – hier überwiege der klimaschädliche Effekt der Zersetzung. Eine Wiedervernässung könne Emissionen deutlich reduzieren.

Ortsvorsteher kämpft bereits seit Jahren

Während Janßen und weitere Kritiker der Rodung erst vor einigen Monaten auf das Thema aufmerksam wurden, setzt sich der Forlitzer Ortsvorsteher Harald Harms bereits seit Jahren für den Erhalt des Waldes ein. Nachdem im Sommer einige Bäume markiert wurden, nahm die Sache Fahrt auf. Die Befürchtung: Schon in diesem Herbst könnten die Bäume fallen. Dazu kam es zwar nicht, das Ziel, den Wald zu entfernen, bleibt aber.

Durch die Petition soll das verhindert werden. Dazu werden 5000 sogenannte Mitzeichner benötigt. Menschen also, die die Petition unterstützen. Das geht durch Angabe des Namens und der Kontaktdaten auf einer speziellen Internetseite des Landtages. Wird die Zahl der Mitzeichner erreicht, prüft die Landtagsverwaltung die Zuständigkeit. Ist die gegeben, beschäftigt sich möglicherweise im Anschluss der Petitionsausschuss mit der Sache. Das ist jedenfalls das Ziel der Initiatoren. Dazu brauchen sie jedoch noch reichlich Unterstützer. Bis Mittwochnachmittag hatte die Petition gerade einmal 71 Mitzeichner.

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