Migration So entwickeln sich die Flüchtlingszahlen im Kreis Aurich
In den letzten Jahren sind auch im Kreis Aurich viele Flüchtlinge angekommen. Allein auf dem Kasernengelände leben mehr als 660 Menschen. In den letzten Monaten wurden neue Trends erkennbar.
Aurich/Norden - Deutlich gesunken ist zuletzt die Zahl neu in den Landkreis Aurich gekommener Flüchtlinge. Das berichtete Enno de Vries vom Amt für Jugend und Soziales jetzt im zuständigen Sozialausschuss in Norden. Damit setzt sich ein seit Anfang des Jahres festzustellender Trend fort.
Laut der vorgestellten Statistik wurden im Jahr 2022, als der Krieg gegen die Ukraine begann, noch insgesamt 2886 Flüchtlinge aufgenommen, im Jahr 2023 dann 1887, im Jahr 2024 noch 844 und im Jahr 2025 bislang erst 293. Damit nähert sich die Zahl laut der Statistik wieder dem Niveau von 2021 an, als es 205 Aufnahmen waren.
Pro Woche gibt es laut de Vries derzeit im Schnitt sechs Zuweisungen. Eigentlich hatte die Kreisverwaltung mit einer größeren Welle von insgesamt rund 300 bis 350 Ukrainern gerechnet, sagte Norman Büchter, Koordinator der Flüchtlingsarbeit bei der Kreisvolkshochschule (KVHS). Gekommen seien in den vergangenen Monaten bislang „nur“ rund 150 Personen, davon etwa 100 alleinreisende Männer, die meisten zwischen 18 und 22 Jahren alt. Hintergrund: Die Ukraine hatte ein Gesetz gelockert, nach dem junge Männern das Land nicht verlassen durften, um für den Wehrdienst einberufen werden zu können. Die nun gekommenen Ukrainer habe man aber gut verteilen können, es gebe genügend Wohnplätze, so Büchter.
Medizinische Versorgung bleibt große Herausforderung
Grundsätzlich aber gebe es weiter große Herausforderungen, etwa bei der medizinischen Versorgung. „Viele Flüchtlinge sind schwer krank, müssen zu Fachärzten begleitet werden. Das ist eine Aufgabe, die wir tagtäglich stemmen müssen“, so der Koordinator der KVHS.
Grundsätzlich kommen eben auch weiterhin zusätzliche Geflüchtete neu in den Landkreis Aurich. Seit 1. Oktober waren es 46 Personen, davon die meisten aus der Ukraine (24), Syrien (5) und aus sonstigen Ländern (13). Insgesamt sind in den vergangenen viereinhalb Jahren, seit 1. August 2021, laut Statistik relativ viele Flüchtlinge in den Landkreis Aurich gekommen – nämlich 6116. Die meisten von ihnen kamen aus der Ukraine (2837), Syrien (619) und der Türkei (486). Es folgen Afghanistan (335), Kolumbien (289), Guinea (146) und die Elfenbeinküste (53).
Wegen der aktuell gesunkenen Zahl der Neuankömmlinge hat zugleich der Druck auf Unterbringungsmöglichkeiten spürbar nachgelassen. Laut Statistik sind derzeit von 2012 Plätzen in Unterkünften und Privatwohnungen 1575 belegt. Frei sind demnach 437 Plätze – was laut Kreisverwaltung einer Auslastung von 78 Prozent entspricht.
Rund die Hälfte der Geflüchteten leben in Privatwohnungen
Mehr als die Hälfte der Flüchtlinge leben laut Landkreis-Statistik in 240 zur Verfügung stehenden Privatwohnungen. Dort sind von 972 Wohnplätzen derzeit 883 belegt – das bedeutet eine Auslastung von 91 Prozent. Die größten Gemeinschaftsunterkünfte sind in mehreren Gebäuden und Containern auf dem Auricher Kasernengelände, wo derzeit 663 Geflüchtete leben. Dort stünden derzeit insgesamt 1003 Plätze zur Verfügung.
Im Wohnheim in Aurich-Georgsfeld leben derzeit 22 Flüchtlinge. Die dort zunächst bestehenden Ängste und Sorgen von Anwohnern seien unbegründet gewesen, so de Vries. Das sei auch der Arbeit der Johanniter und der Dorfgemeinschaft zu verdanken.
Aufgrund der gesunkenen Zahlen wurden zuletzt mehrere Gemeinschaftsunterkünfte im Landkreis Aurich wieder abgebaut, darunter das Containerdorf auf dem Gelände der „Internationalen Gärten“ beim Gesundheitsamt in Aurich-Extum, aber auch die Großunterkunft mit mehreren hundert Plätzen in der ehemaligen Küstenfunkstelle Norden-Utlandshörn.
Einen eigentlich vom Kreistag im März 2025 geplanten Kauf von vier Modul-Gebäuden hatte die Auricher Kreisverwaltung nur wenig später wieder abgesagt – wegen mangelnden Bedarfs, hieß es im Juni.