Hoheberger Weg Radfahrer müssen wieder auf die Nebenanlagen
Die Stadt Aurich wird in der engen Straße wieder die Regelung anordnen, die bis zum Herbst 2023 galt. Das ist die Begründung.
Aurich - Nun ist es entschieden: Am Hoheberger Weg in Aurich wird auf dem Abschnitt zwischen der Einmündung in die B 72/210 und dem Hammerkeweg wieder eine Benutzungspflicht der Nebenanlagen für Radfahrer eingeführt. Das gab Ordnungsamtsleiter Helmut Lücht nach mehreren Sitzungen der Verkehrskommission am Donnerstag im Auricher Umwelt- und Verkehrsausschuss bekannt.
Damit kehrt die Stadt zur alten Regelung zurück, die sie Ende 2023 selbst aufgehoben hatte. Die Begründung damals: Die Nebenanlagen seien deutlich zu schmal und die Gesetzgebung wolle den Radverkehr stärker auf die Fahrbahnen bringen. Dass seitdem auch im engen Hoheberger Weg die Radfahrer auf der Fahrbahn fahren sollen und auf der Nebenanlage nur „Radfahrer frei“ mit Auflagen hinsichtlich der Geschwindigkeit galt, hatte für Ärger in Aurich gesorgt.
Nördliche Nebenanlage für Radverkehr in beide Richtungen plus Fußgänger
Nun schickt die Verkehrskommission die Radfahrer doch wieder auf die schmale Nebenanlage. Der Grund: Für den gemeinsamen Rad- und Autoverkehr ist auch die Fahrbahn zu eng. Ordnungsamtsleiter Helmut Lücht sprach von einer „ganz unglücklichen Situation“ am Anfang der Hoheberger Wegs, wo sowohl die Straße als auch die Nebenanlagen eigentlich viel zu schmal sind für den Verkehr, den sie aufnehmen müssen.
Die Nebenanlagen sind auf der Südseite der Straße – dort, wo sich beispielsweise die Agentur für Arbeit befindet – sogar zu schmal für Radverkehr. Dort reicht die Breite eigentlich nur für Fußgänger. Für die Nebenanlage auf der Nordseite bedeutet das, dass sich dort der Fuß- und Radverkehr sogar begegnen muss.
Der Hoheberger Weg ist eine vielbefahrene Straße. Im vorderen Bereich seien 7000 Fahrzeugbewegungen auf der Straße gezählt worden, so Lücht. Darunter auch eine Reihe von Lastwagen. Auf dem kombinierten Fuß- und Radweg ist ebenso viel los. Die Schüler der Realschule sind dort beispielsweise unterwegs.
Schutzstreifen, Tempolimit und Piktogramme gefordert
Die Eltern der Realschüler zählten zu den schärfsten Kritikern, als die Benutzungspflicht der Nebenanlagen aufgehoben wurde. Daran erinnerte Lücht in der Sitzung. Der ADFC befürwortete hingegen die Regelung, forderte aber zugleich Fahrradpiktogramme auf der Straße und eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 25 Kilometer pro Stunde. Zudem solle ein Überholverbot für einspurige Fahrzeuge verhängt werden. Auch Schwellen auf der Straße, um die Geschwindigkeit zu drosseln, wurden ins Gespräch gebracht.
Der ADFC berief sich auch auf den Masterplan Radverkehr, der die Radfahrer auf die Straße leiten, aber durch Piktogramme und Schutzstreifen schützen wollte.
Auf Piktogramme wurde jedoch vergeblich gewartet. Im August griffen Unbekannte zur Selbsthilfe und Piktogramme auf die Fahrbahn gesprüht. Dies wertete die Stadtverwaltung als Eingriff in die Verkehrssicherheit.
Über Tempo 30 wird im Januar diskutiert
Laut Lücht ist die Verkehrskommission zu dem Schluss gekommen, dass der Radverkehr auf der Straße im innenstadtnahen Abschnitt zu unsicher sei. Ab dem Arbeitsamt werde die Straße breiter, dort sei ein regelkonformes Überholen von Radfahrern möglich. Entsprechend soll dort die Nutzungspflicht nicht wieder eingeführt werden. Stattdessen soll es dort Piktogramme geben.
Über die Forderung nach Tempo 30 wurde laut Lücht noch nicht entschieden. Das soll der Arbeitskreis Schulwegsicherheit im Januar diskutieren. Die Polizei sei tendenziell nicht dafür, so der Ordnungsamtsleiter. Wobei eine Geschwindigkeitsbegrenzung im Abschnitt zwischen dem Holzweg und der Wallinghausener Straße möglich erscheine.
Anlass für den Besuch Lüchts im Ausschuss war ein Antrag der Grünen. Sie kritisierten den Stillstand beim Schutz der Radfahrer trotz wiederholter Diskussion des Themas und forderten Piktogramme und Tempo 30 auf dem gesamten Hoheberger Weg. Es sei nicht in Ordnung, die Radfahrer vor das Dilemma zu stellen, entweder auf der Straße weggehupt und gefährdet zu werden oder auf dem Radweg in die Gefahr zu geraten, bei einem Unfall mit einem Fußgänger die Schuld zu bekommen.
Es seien seit der Aufhebung der Nutzungspflicht zwar zweimal die Verwaltungsvorschriften geändert und ein Erlass zu Piktogrammen erschienen, so Lücht. Letzterer hätte das Aufbringen von Piktogrammen auf Hauptverkehrsstraßen innerhalb geschlossener Ortschaften in Ausnahmefällen vereinfacht.
Radfahrer sind ungern auf der Fahrbahn
Lücht sagte, es habe sich aber gezeigt, dass die Radfahrer auf dem Hoheberger Weg höchst ungern auf der Fahrbahn fahren. Auch er persönlich fühle sich als Radfahrer dort nicht wohl zwischen den Fahrzeugen. Im Sinne der Verkehrssicherheit solle nun wieder das Fahren auf der Nebenanlage zugelassen werden. Es werde noch überlegt, die Zufahrten zu Parkplätzen ganz am Anfang des Hoheberger Wegs anders zu regeln.
Der Radverkehrsbeauftragte Frank Patschke nimmt an den Treffen der Verkehrskommission teil. Die Polizei habe durch den Radverkehr auf der Fahrbahn ein hohes Unfallpotenzial gesehen, sagte er.
Verwaltung trifft die Entscheidung ohne Politik
Richard Rokicki (AWG) begrüßte die Entscheidung. Es sei gefährlich für Radfahrer angesichts des dichten Autoverkehrs gerade zur Rushhour. Und Autofahrer, die zur Arbeit wollten, wollten schnell vorankommen.
Heidrun Weber (GfA) bedauerte, dass es keine Bewusstseinsänderung bei den Autofahrern gebe. Langfristig müsse sich der Straßenverkehr ohnehin verändern. Die Radfahrer seien nur deshalb weiter auf dem Radweg gefahren, weil die Autofahrer sich nicht auf die neue Situation eingestellt hätten.
Ein politischer Schluss zu der Entscheidung der Verkehrskommission und in der Folge des Ordnungsamts war nicht nötig. Angesichts der Entscheidungen, die Lücht vorgestellt hatte, konnte der Grünen-Antrag nur durchfallen.
Ein Einwohner fragte nach anderen Straßen. An der Wallinghausener Straße sollten Radfahrer ebenfalls auf der Straße fahren. Bei Tempo 70 und ohne Piktogramme. Und in der Johannes-Diekhoff-Straße fehlten die Piktogramme ebenso, kritisierte er.