Förderprogramm Sportstätten  Aurich denkt über Millioneninvestition nach

| | 26.11.2025 08:37 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Die Sportanlagen auf dem Bundeswehrgelände sind seit Jahren ein Hoffnungspunkt. Wenn die Kaserne zum Stadtteil umgebaut wird, soll dort ein Sportcampus entstehen. Doch nun steht wieder eine militärische Nutzung im Raum. Foto: Karin Böhmer
Die Sportanlagen auf dem Bundeswehrgelände sind seit Jahren ein Hoffnungspunkt. Wenn die Kaserne zum Stadtteil umgebaut wird, soll dort ein Sportcampus entstehen. Doch nun steht wieder eine militärische Nutzung im Raum. Foto: Karin Böhmer
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Ein Förderprogramm des Bundes eröffnet Chancen auf die Realisierung großer Sanierungsprojekte. In Aurich ist der Bedarf an vielen Stellen groß. Für diese Sportanlagen sollen Anträge gestellt werden.

Aurich - Angesichts der derzeitigen schlechten Haushaltslage der Stadt Aurich kann einem bei der Zahl schon etwas schwindelig werden. Der Jugend- und Sozialausschuss der Stadt hat einen sogenannten Vorratsbeschluss gefasst für die Sanierung von fünf Sportanlagen. Veranschlagt sind dafür 16,5 Millionen Euro.

Ein Vorratsbeschluss wird vorsorglich getroffen. Aber in diesem Fall war er nötig, damit die Verwaltung zum Stichtag 15. Januar 2026 fristgerecht Förderanträge stellen kann. Es geht dabei um das frisch aufgelegte Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ mit einem Fördertopf von erstmal insgesamt 333 Millionen Euro. Damit werden Kommunen dabei unterstützt, ihre Sportstätten von besonderer regionaler und überregionaler Bedeutung im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung zu erhalten und zu modernisieren. Aufgenommen in die Förderung werden jedoch nur große Projekte. Die Mindestförderhöhe liegt bei 250.000 Euro. Maximal werden Projekte mit acht Millionen Euro gefördert. Der Bundesanteil der Förderung soll bei 45 Prozent liegen. Jedes Projekt muss also bei mindestens 555.556 Euro veranschlagt sein.

Abstriche sind noch möglich oder sogar wahrscheinlich

An zwei Punkten kann sich die nun beschlossene Summe von 16,5 Millionen Euro noch reduzieren. Zum einen wird bundesweit mit einer hohen Nachfrage gerechnet, sodass der Fördertopf nicht für alle Anträge ausreichen wird. Zum anderen werde jedes Projekt, das eine Förderzusage bekomme, noch einmal im Detail besprochen und müsse dann auch vom Stadtrat individuell beschlossen werden, erläuterte Fachbereichsleiterin Dr. Edith Ulferts. Da kann der Rat also von seinem jetzigen Vorratsbeschluss noch wieder abrücken.

Die Liste zeigt aber auch, dass an mehreren zentralen Sportstätten Sanierungsbedarf herrscht beziehungsweise dass die Stadt ihr Sportstättenangebot eigentlich dringend erweitern müsste. Die Verwaltung musste nicht lange suchen, um Baumaßnahmen dieser Größenordnung zu finden.

„Sportcampus Kaserne“ - entscheiden wird die Bundeswehr

Deshalb hofft sie einstweilen noch auf die Nutzung der Sportanlagen bei der Blücherkaserne. Sofern die Bundeswehr das Areal für militärische Zwecke beanspruchen sollte, wäre dieser Förderantrag bereits vom Tisch, der Traum vom Sportcampus ausgeträumt.

Auch bei der Sportanlage auf dem Kasernengelände muss schon mit Containern gearbeitet werden, weil die vorhandene Infrastruktur nicht ausreicht. Foto: Karin Böhmer
Auch bei der Sportanlage auf dem Kasernengelände muss schon mit Containern gearbeitet werden, weil die vorhandene Infrastruktur nicht ausreicht. Foto: Karin Böhmer

Da es aber noch keine Entscheidung der Bundeswehr über den Standort Aurich gibt, werden nun insgesamt 11,5 Millionen Euro für den Bau einer neuen Dreifachturnhalle beantragt. Ebenso soll davon die vorhandene Tartanbahn saniert, und ein neuer Kunstrasenplatz angelegt werden, den mehrere Vereine bereits beantragt haben. Außerdem geht es in dem Antrag laut Fachdienstleiterin Brigitte Weber um die Reaktivierung der Bundeswehr-Sportanlage, die über einen Wurfring und eine Sprunggrube verfügt habe, aber nur noch rudimentär vorhanden sei. Zu guter Letzt soll mit dem Fördergeld noch die Flutlichtanlage auf LED-Beleuchtung umgestellt werden. Die Stadt hat, nach Anträgen von Sportvereinen und der CDU/FDP, eigentlich vor, einen Sportcampus auf dem früheren Kasernengelände einzurichten. Allein der Neubau der Turnhalle schlägt laut Weber bei der Kasernenanlage zu Buche. Die jetzige, viel genutzte Turnhalle würde dann abgerissen werden.

Ellernfeld und Waldorf-Turnhalle als weitere Großprojekte

Der nächste große Batzen Geld wird für die Sportanlage am Ellernfeld beantragt. Zum einen soll die Tartanbahn erneuert werden. Für eine Sanierung sei diese, das wisse man seit Kurzem, in zu schlechtem Zustand, so Weber. Zudem soll ein Kleinspielfeld entstehen, wie die Jugendherberge es sich gewünscht hat. Außerdem soll, wie vom MTV gewünscht, die Kugelstoßanlage erneuert werden. Die Flutlichtanlagen müssten ebenfalls erneuert und auf LED umgerüstet werden, so Weber. Sollten die Frauen des SpVg in die Bundesliga aufsteigen, sei ein anderer Standard notwendig. Fürs Ellernfeld sind insgesamt 750.000 Euro veranschlagt.

Auch in die große Turnhalle bei der Waldorfschule in Sandhorst soll investiert werden. Dort geht es um die Erneuerung der Hallenbeleuchtung, eine Flachdachsanierung, die Erneuerung der Lichtkuppeln, Lüftungsanlage, Elektroanlagen und der Trennwände. Zudem müssen laut Verwaltung die Sanitäranlagen saniert werden. Kostenschätzung insgesamt: 950.000 Euro.

Auch einen Kunstrasenplatz möchte die Stadtverwaltung noch beantragen - für den Fall, dass der Sportcampus auf der Kaserne wegen einer militärischen Nutzung nicht mehr möglich sein sollte.

Sofern ein vorhandener Rasenplatz umgewandelt werden könnte, rechnet die Verwaltung mit Kosten von rund 850.000 Euro. Sollte zusätzlich noch Infrastruktur wie Umkleiden, Duschen oder Parkplätze nötig werden, steigen die Kosten schätzungsweise sogar auf mehr als zwei Millionen Euro.

Stadt will auch im Namen eines Vereins Antrag stellen

Neben den eigenen Sportanlagen will die Stadt Aurich auch einen Antrag des MTV für die Förderung anmelden. Dabei geht es um einen Anbau für Gymnastik-, Rehasport und Yogaräume, wie MTV-Vertreter Bernd Fuhrmann in der Sitzung erläuterte. Bislang werde für einige Angebote bereits der Besprechungsraum leergeräumt. Geplant sei ein zweigeschossiger Anbau mit zwei Gymnastikräumen von jeweils rund 136 Quadratmeter Fläche plus Sanitäranlagen. Hinzu komme eine energetische Sanierung der Anlage. Die Schätzung für das Projekt liegt bei 2,43 Millionen Euro. Laut Verwaltung muss noch geprüft werden, ob der Anbau förderfähig wäre. Der MTV würde einen Eigenanteil von bis zu 300.000 Euro leisten, was bei der Förderung aber zu berücksichtigen wäre.

In der Turnhalle auf dem Kasernengelände findet regelmäßig Schul- und Vereinssport statt. Diese Halle soll jedoch durch einen Neubau ersetzt werden, weil der Sanierungsbedarf sehr hoch ist. Foto: Karin Böhmer
In der Turnhalle auf dem Kasernengelände findet regelmäßig Schul- und Vereinssport statt. Diese Halle soll jedoch durch einen Neubau ersetzt werden, weil der Sanierungsbedarf sehr hoch ist. Foto: Karin Böhmer

Monika Gronewold (CDU) äußerte Skepsis an der Projektauswahl. In Walle herrsche auch dringender Sanierungsbedarf an den Sportanlagen, was jedoch bislang immer verschoben worden sei. „Erst heißt es, wir haben kein Geld, und dann stellen wir so einen Antrag“, so die Wallster Ortsbürgermeisterin. Ulferts erläuterte daraufhin, dass die Sanierung in Walle für das Förderprogramm nicht „teuer“ genug sei. Die Mindestfördersumme von 250.000 Euro werde nicht erreicht.

Insgesamt steht ein Eigenanteil von gut neun Millionen Euro dahinter

Heidrun Weber (GfA) regte an, ob der MTV sich nicht auch eine Immobilie mieten könne, die für Gymnastikangebote geeignet sei.

Reinhard Warmulla (Linke) zählte die Einzelbeträge zusammen und Arnold Gossel (CDU) überschlug, wie hoch der Eigenanteil der Stadt wäre, würde alles wie beantragt realisiert. Das wären gut neun Millionen Euro, die die Stadt in die Hand nehmen müsste, um das Programm nutzen zu können.

Fuhrmann erläuterte, dass das Geld nach seiner Kenntnis in drei Tranchen ausgezahlt werden solle. Bevorzugt würden Projekte, die relativ schnell umsetzbar seien, weil bereits Planungen oder sogar ein Bauantrag existierten.

Warmulla forderte eine Priorisierung der Projekte, Johann Reiter (AWG) eine Einzelabstimmung. Beide konnten sich nicht durchsetzen. Denn es gehe allein um einen Vorratsbeschluss, um die Antragstellung zu ermöglichen, so Ulferts. Der Ausschuss stimmte den Projekten einstimmig zu.

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