Sponsoren oder Stadt Wer finanziert in Aurich den Spitzensport?
Auricher Sportler sind bei hochrangigen Meisterschaften und hohen Ligen aktiv - mit hohen Reisekosten. Gefördert wird von der Stadt bisher aber nur der Breitensport. Wie es nun weitergehen soll.
Aurich - Die Logos eines Malerbetriebs aus Ihlow oder auch einer Auricher Versicherung fahren auf dem Trikot der Bundesliga-Nord-Schützen von Waldeslust Schirumer Leegmoor mit zu Wettkämpfen in Rotenburg/Fulda, Idstein in Hessen oder zur Deutschen Meisterschaft in München. Doch die Fahrtkosten bei hochrangigem Sport sind wegen der langen Distanzen hoch, die Übernachtungskosten ebenso.
Deshalb hat der Jugend- und Sozialausschuss am 20. November 2025 eine Grundsatzdebatte geführt: Will die Stadt Aurich neben dem Breitensport auch den Spitzensport finanziell fördern? Und wenn ja, nach welchen Kriterien?
Hohe Kosten für Reisen, Übernachtungen und Startgelder
Ausgangspunkt der Diskussion waren zwei Anträge. Die CDU/FDP-Gruppe wollte eine Förderung für den SV Waldeslust und den SV Glück auf Middels, der nun in die zweite Bundesliga aufgestiegen ist. „Beide Schützenvereine tragen durch ihren sportlichen Erfolg erheblich zur Bekanntheit der Stadt Aurich bei. Es zeigt, dass die Sportförderung und Unterstützung der Vereine eine wertvolle Leistung der Stadt ist“, heißt es im Antrag. Und weiter: „Es wäre sehr bedauerlich, wenn der sportliche Erfolg darunter leiden würde und aus Kostengründen die Beteiligung an den Wettkämpfen der Bundesliga aufgegeben werden müsste.“ Beide Vereine sollten jährlich mit 5000 Euro unterstützt werden.
Auch der MTV Aurich hatte einen jährlichen Sonderzuschuss in Höhe von 5000 Euro beantragt, und zwar für seine Triathlon-Abteilung. Bei der Deutschen Meisterschaft waren mehrere Aurich Athleten erfolgreich. Auch bei der Europameisterschaft und der Ironman-Weltmeisterschaft nahmen MTV-Sportler teil - zum Teil mit Plätzen auf dem Treppchen. In dem Zusammenhang fielen Reisen nach Schweden, Spanien und in die Türkei an. „Leider sind die Kosten für Sport auf diesem Niveau stark gestiegen“, so MTV-Chef Wilfried Theessen.
SPD: Spitzensport ist Sache für Sponsorenförderung
„Startgelder, Verbandsabgaben, Fahrten, Wettkampfbekleidung und auch Übernachtungskosten belasten die Sportler, insbesondere die jüngeren Athleten, sehr stark. Es wäre bedauerlich, wenn aus finanziellen Gründen dieses Aushängschild der Stadt Aurich nicht mehr auf der weltweiten Bühne anzutreffen wäre“, so Theessen.
Statt über die beantragten insgesamt 15.000 Euro für das nächste Haushaltsjahr abzustimmen, stieg der Ausschuss in eine Grundsatzdebatte ein. Eröffnet wurde sie von der SPD. Die Stadt fördere seit Jahrzehnten Breitensport mit Sportanlagen und der Jugendförderung. Bei Spitzensport sei das aus Sicht der SPD eher Aufgabe von privaten Sponsoren, so Volker Rudolph. Es würden von den Auricher Spitzensportlern tolle Erfolge erzielt. Aber es gehe dabei nur um einen sehr kleinen Teil des Auricher Sports. Und es sei nicht messbar, wie das dem Renommee der Stadt nutze. Und drittens sei nur schwer festzulegen, welche Leistung eine Förderung verdient - und welche nicht.
CDU/FDP: Festes Budget für anteilige Förderung mit festen Antragstichdaten
Sarah Buss (CDU/FDP) modifizierte den Antrag daraufhin - und das mit fortschreitender Diskussion gleich mehrfach. Sie schlug zunächst vor, einen Betrag von 15.000 Euro in den Haushalt einzustellen. Darauf könnten Sportler beziehungsweise Vereine sich bewerben - müssten dann die Kosten aber auch nachweisen. Wenn der Topf leer sei, sei er leer. Und um nicht an die Stelle von Sponsoringbemühungen zu treten, könne die Stadt ihren Anteil auf 50 Prozent begrenzen. „So können wir auch benachteiligten Sportarten die Hand reichen, die es beim Sponsoring nicht so leicht haben“, so Buss.
Theessen pflichtete ihr bei: Im Fußball sei es kein Problem, Sponsoren zu finden. In der Leichtathletik oder beim Triathlon schon eher. Die Spitzensportförderung sei eigentlich eine Ergänzung der Breitensportförderung, aus der die leistungsfähigen und motivierten Sportler ja hervorgingen. Ärgerlich sei nur, wenn diese ihre Talente dann aus Geldmangel nicht entfalten könnten - gerade als Jugendliche.
Lange Diskussion über Förderkriterien
Es entbrannte eine Diskussion über die Kriterien der Förderung. Monika Gronewold (CDU) berichtete von Vereinen, die durch Sponsoren und die gemeinsame Leistung aller Mitglieder die Kosten für besondere Leistungen aufbringen. Und neben den Sportvereinen gebe es noch andere Vereine, die große Leistungen erbringen. Gronewold nannte die Reisetaubenzüchter. Zudem dürfe der Verwaltungsaufwand für die Bearbeitung von Anträgen nicht zu groß werden.
Heidrun Weber (GfA) plädierte dafür, eine Regelung im Zuge des Sportentwicklungsplans mit zu erarbeiten. Ansonsten gehe es den Sportlern aber auch um Wertschätzung, weshalb man sie und ihre Leistungen beispielsweise beim Neujahrsempfang sichtbar machen solle.
Verwaltung soll nun Förderrichtlinie erarbeiten
Johann Reiter (AWG) wollte die Spitzensportförderung nicht allein betrachten. Dann müsse auch in die Rechnung einbezogen werden, was der Verein sonst alles an Förderung von der Stadt bekomme.
Ebenfalls umstritten war die Leistung, die mindestens erbracht werden muss. Ist es eine Ligateilnahme in der Bundesliga? Ist es eine Teilnahme bei der Deutschen, der Europa- oder der Weltmeisterschaft? Und was ist mit Sportarten, die nicht genau zu diesen Kriterien passen, sondern anders organisiert sind?
Buss plädierte dafür, erst einmal mit einer Jahressumme von 16.000 Euro und vier Förderstichtagen für Anträge zu starten. Dann könne man mit den ersten Erfahrungen immer noch nachsteuern.
Fachbereichsleiterin Dr. Edith Ulferts und dann auch Rudolph schlugen vor, eine Sportförderrichtlinie mit entsprechenden Kriterien ausarbeiten zu lassen. Diese Vorschlag trug am Ende den Sieg davon. Die konkreten Anträge von CDU/FDP und dem MTV fielen entsprechend durch.