Schutz von Igeln Petitionsausschuss diskutiert Nachtfahrverbot für Mähroboter
Der Wiesmoorer Ratsherr Diedrich Kleen kämpft seit Monaten, um nachtaktive Igel vor Verletzungen zu schützen. Nun findet er mit 6660 Unterschriften Gehör in Hannover.
Wiesmoor/Hannover - Der Wiesmoorer Ratsherr Diedrich Kleen (Tierschutzpartei) scheiterte 2024 im Wiesmoorer Stadtrat mit einem Verbotsantrag für nachtaktive Mähroboter. Mit einer Petition brachte er danach genug Unterschriften zusammen, dass nun der Petitionsausschuss des Niedersächsischen Landtags darüber beraten wird.
Bei der Online-Petition kamen laut Kleen niedersachsenweit 6660 Unterschriften zusammen. Damit sei die erforderliche Schwelle von 5000 Unterstützenden deutlich überschritten. Am Mittwoch, 26. November 2025, wird die Petition dem Petitionsausschuss des Niedersächsischen Landtags in Hannover offiziell vorgestellt. Die öffentliche Anhörung dazu findet nach laut Kleen ab 11.15 Uhr im Forum des Niedersächsischen Landtags in Hannover statt. Dafür seien rund 60 Minuten angesetzt.
Kleen trägt Argumente selbst vor - mit Unterstützung
Ziel der Initiative ist es, den Betrieb von Mährobotern während der Abend- und Nachtstunden landesweit zu untersagen, um Igeln und anderen nachtaktiven Wildtieren einen besseren Schutz zu bieten. Kleen wird das Anliegen persönlich im Landtag vertreten, wie er mitteilte. Ihm zur Seite stünden führende Persönlichkeiten aus dem Natur- und Tierschutz. Konkret handelt es sich um Merwel Otto-Link, die Vorsitzende der Igelpflege Rotenburg/Wümme und Vorstandsmitglied bei Pro Igel. Außerdem begleitet Bärbel Rogoschik, Leiterin des Nabu-Artenschutzzentrums Leiferde Kleen in den Ausschuss. Und ebenso Dieter Ruhnke, 1. Vorsitzender des Landestierschutzverbandes Niedersachsen.
Bereits während der Zeichnungsphase wurde die Petition Kleen zufolge von großen Organisationen unterstützt: Sowohl der Nabu Niedersachsen als auch der Landestierschutzverband hatten sich öffentlich hinter das Anliegen gestellt und zur Beteiligung aufgerufen. „Diese breite Unterstützung aus dem Natur- und Tierschutzbereich unterstreicht die gesellschaftliche Relevanz des geforderten Nachtfahrverbots für Mähroboter“, so der Wiesmoorer Ratsherr.
Ziel: Schutz für nachtaktive Tiere
„Die hohe Zahl an Unterschriften zeige, dass der Tierschutz den Bürgerinnen und Bürgern sehr am Herzen liege. „Es ist an der Zeit, dass die Politik diesen Appell ernst nimmt und ein klares Signal setzt“, betont Initiator Kleen. Ein Nachtfahrverbot sei essenziell, weil nachtaktive Tiere wie Igel, Kleinlebewesen und Kleinsäuger in den Dämmer- und Nachtstunden ihre Nahrung suchen und die scharfen Klingen der Roboter eine tödliche Gefahr darstellen. „Das Problem ist massiv und betrifft die gesamte Bundesrepublik. Wir brauchen eine einheitliche, landesweite Lösung, um in Niedersachsen voranzugehen und einen Flickenteppich zu beenden. Dieses gibt auch den Kommunen Rechtssicherheit bei der Umsetzung des Nachtfahrverbots“, so Kleen.
Zahlen und Fallbeispiele sollen überzeugen
Verbreitet ist die Annahme, dass Mähroboter nur selten für den Nachtbetrieb programmiert werden. Außerdem hätten viele Maschinen Schutzvorkehrungen, um nichts zu überfahren. Im Rahmen der Anhörung werden laut Kleen nun konkrete Zahlen und Fallbeispiele aus der Praxis präsentiert. „Diese belegen, dass Mähroboter vor allem in der Dämmerung und Nacht eine erhebliche Gefahr für Wildtiere darstellen, da diese sich bei Gefahr typischerweise einrollen, anstatt zu flüchten – ein Verhalten, das sie besonders angreifbar macht. Der unbeaufsichtigte Einsatz von Mährobotern in den Abend- und Nachtstunden gilt mittlerweile als ein wesentlicher Grund dafür, dass der Igel auf der Vorwarnliste der vom Aussterben bedrohten Tierarten steht.“
Nach dem Wiesmoorer Rat erreichte das Thema vor ziemlich genau einem Jahr auch den Auricher Kreistag. Die Fraktionen der Freien Wählergemeinschaft und der Grünen hatten ein Nachtfahrverbot für die immer beliebter gewordenen Geräte im Kreisgebiet gefordert. Die große Mehrheit der Abgeordneten votierte dagegen. Die Kreisverwaltung selbst sieht nächtliches Robotermähen ebenfalls kritisch, weil Tiere dadurch gefährdet werden. Sie appellierte im April 2025 an die Kreis-Auricher, Roboter auf Tagfahrten zu programmieren.