Bericht der Betriebsleitung  So läuft es beim Rettungsdienst des Landkreises Aurich

| | 20.11.2025 10:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Rettungswagen in der Wache in Aurich. Foto: Aiko Recke
Rettungswagen in der Wache in Aurich. Foto: Aiko Recke
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Über mehrere Baumaßnahmen in Aurich, Wiesmoor und Norderney berichtete die Leitung im zuständigen Betriebsausschuss. Neues gibt es auch zu den Projekten „Katretter“ und dem „Tele-Notarzt“.

Aurich - Drei Container sind das nach außen sichtbare Zeichen, dass sich im Gebäude etwas tut. Die Rettungswache an der Egelser Straße in Aurich wird derzeit energetisch saniert. Vor einigen Wochen sei mit den Arbeiten begonnen worden, berichtete Betriebsleiter Korwin Davids jetzt im zuständigen Betriebsausschuss. In den Containern seien während der Bauphase zum Beispiel die Küche und Bereitschaftsräume untergebracht. Wenn alles nach Plan läuft, soll die Sanierung im Februar 2026 abgeschlossen werden, so Davids.

Derzeit stehen Container als Übergangslösung auf dem Parkplatz der Wache. Foto: Landkreis Aurich
Derzeit stehen Container als Übergangslösung auf dem Parkplatz der Wache. Foto: Landkreis Aurich

Neu gemacht werden zum Beispiel die Heizung mitsamt Wärmepumpe, die Elektroverteilung. Dazu kommen neue Türen und Fenster und eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. „Danach haben wir wieder eine Top-Rettungswache auf dem neuesten Stand“, so der Betriebsleiter. Unterdessen laufen die Planungen für den Umzug der Rettungswache Spetzerfehn nach Wiesmoor weiter. Auch der dortige Bau soll mit einer Wärmepumpe und einer Solaranlage bestückt werden. An der Hauptstraße in Wiesmoor entstehen zunächst drei Stellplätze für Rettungswagen und eine Waschhalle. Hier rechnet der Betriebsleiter mit einer Fertigstellung Anfang 2027.

Weniger reine Krankentransporte durch den Landkreis

Noch nicht ganz so weit ist der Landkreis auf der Insel Norderney. Auch dort soll eine neue Rettungswache gebaut werden, mit zwei Stellplätzen und Waschhalle. Man habe ein Grundstück in Aussicht, demnächst sollten die Planungsleistungen ausgeschrieben werden, so Davids.

So soll sie aussehen, die neue Rettungswache in Wiesmoor. Grafik: Landkreis Aurich
So soll sie aussehen, die neue Rettungswache in Wiesmoor. Grafik: Landkreis Aurich

Derzeit ist die Rettungswache auf Norderney in Teilen im Krankenhaus und im alten Schwesternwohnheim angesiedelt, was nicht ideal sei, so Davids. Den Rettungsdienst auf der Insel führt die private Firma Promedica im Auftrag des Landkreises Aurich durch.

Die Wache bekommt unter anderem neue Fenster. Foto: Landkreis Aurich
Die Wache bekommt unter anderem neue Fenster. Foto: Landkreis Aurich

Die Gesamtzahl der Einsätze des Kreis-Rettungsdienstes lag im Jahr 2024 bei 30.048 (Vorjahr: 31.055). Davon waren 19.628 Einsätze von Rettungswagen, 7143 Krankentransporte – und 3277 Notarzteinsätze. Während die Zahl der Rettungsdienstfahrten einen Höchststand erreicht hat, ging die Zahl der Krankentransporte deutlich zurück. Im Jahr 2021 lag deren Zahl noch bei mehr als 10.000. Mittlerweile hat der Landkreis diese Aufgabe aber an eine Reihe von privaten Unternehmen ausgelagert. „Damit können wir uns mehr auf die eigentliche Notfallrettung konzentrieren“, erläuterte Betriebsleiter Davids.

Retter-App soll nun bald zum Einsatz kommen

In den Startlöchern steht unterdessen nun endlich das schon mehrfach vorgestellte Projekt „Katretter“. Dabei handelt es sich um ein System für freiwillige Ersthelfer. Befinden sie sich in der Umgebung eines Einsatzortes, werden sie per Handy-App direkt von den Rettungsstellen um Mithilfe gebeten. Doch bislang konnte das Projekt mit der Kooperativen Leitstelle Ostfriesland (KRLO) in Wittmund noch nicht umgesetzt werden, weil die Systeme nicht kompatibel waren, erklärte Rettungsdienst-Mitgeschäftsführer Marcel Schäfer. Seit Juni gebe es aber ein neues Einsatzleitsystem – und nun wolle man bald starten mit „Katretter“.

Angesprochen werden sollen vor allem erfahrene Ersthelfer, die im besten Falle bereits berufliche Erfahrung mitbringen, etwa im Bereich der Pflege, der Feuerwehr oder Medizin. Denn besonders wichtig sei die schnelle Hilfe etwa bei einem Herzinfarkt, wo es um Minuten geht. Man wolle demnächst entsprechende Flyer in der Bevölkerung verteilen oder für die Teilnahme werben, so Schäfer. „Wir wollen so viele Menschen wie möglich dafür gewinnen.“ Geld bekommen die ehrenamtlichen Teilnehmer zwar nicht. Aber irgendeine Form des Dankeschöns will sich der Landkreis auf jeden Fall einfallen lassen, versprach Schäfer.

Absage für Telenotarzt in Leitstelle Wittmund

Weniger erfolgreich läuft es beim Projekt „Telenotarzt“. Einen solchen hätte der Landkreis gerne auch in der Leitstelle in Wittmund sitzen gehabt. Telenotärzte sollen die Rettungskräfte aus der Ferne unterstützen, zum Beispiel bei Maßnahmen anleiten oder Patienten aufklären. Voraussetzung zur Teilnahme wären mindestens fünf Jahre Erfahrung in dem Bereich und mindestens 500 absolvierte Notarzteinsätze.

Im Dezember 2024 hatte der Landkreis gemeinsam mit anderen eine Bewerbung beim zuständigen niedersächsischen Innenministerium eingereicht. Vor wenigen Wochen, Ende Oktober 2025, kam dann die Absage – ohne Angabe von Gründen, wie Marcel Schäfer berichtete. Gleichwohl wolle man sich weiter engagieren. Denn klar sei, dass Telenotärzte wohl ab 2029 zum Einsatz kommen sollen – wenn auch vorerst nicht in der ostfriesischen Regionalleitstelle in Wittmund.

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