Richtlinie bringt finanzielle Sorgen  Wie die EU den Boßlern in Neu-Ekels das Leben schwer macht

| | 18.11.2025 13:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ein zu einer Heizung gehörender Gaszähler. Foto: Jan Woitas/DPA
Ein zu einer Heizung gehörender Gaszähler. Foto: Jan Woitas/DPA
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Die Boßler von „Friesland“ Neu-Ekels hatten auf Fördermittel der Gemeinde gehofft. Wegen einer EU-Richtlinie darf die aber nicht helfen. Was dahinter steckt und welche Vereine besser dran sind.

Südbrookmerland - Oft ist die Europäische Union bei Vereinen in der Region gerne gesehen. Immer wieder profitieren viele Clubs von Fördermitteln, die aus Brüssel in die Dörfer fließen. In Neu-Ekels dürfte man auf die EU aktuell aber wohl nicht so gut zu sprechen sein. Der Grund: Vorgaben des Europäischen Parlaments machen den Boßlern von „Friesland“ das Leben schwer. Das wurde in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Jugend, Sport und Kultur deutlich, in der es unter anderem um die Verteilung von Fördermitteln aus der Gemeindekasse ging. Was dahinter steckt und welche Vereine sich freuen durften.

Im Mai schien die Welt für die Friesensportler in Neu-Ekels noch in Ordnung. Seinerzeit stimmte der Ausschuss dem sogenannten vorzeitigen Maßnahmenbeginn für die Erneuerung der Heizungsanlage im Vereinsheim zu. Ein formaler Akt – eigentlich. Zwar weist die Verwaltung dabei stets darauf hin, dass die Zustimmung zur vorzeitigen Umsetzung noch keine Zusage für eine Förderung ist. Doch theoretisch hätte sie den Verein schon damals vor der Investition warnen können.

Verbot trat Anfang 2025 in Kraft

Hintergrund: Im Dezember 2023 beschloss das EU-Parlament eine Änderung seiner Gebäuderichtlinie. Daraus ergibt sich unter anderem ein Verbot, Öl- und Gasheizungen mit öffentlichen Mitteln zu fördern. Dieses Verbot trat zu Jahresbeginn 2025 in Kraft und galt damit bereits im Mai. Im Rathaus wusste man davon zu diesem Zeitpunkt jedoch nichts. Der Verein erhielt die Zustimmung zum Baubeginn und ging bei den Kosten in Vorleistung – in der Hoffnung, im kommenden Frühjahr einen Großteil des Geldes, immerhin mehr als 9000 Euro, als Förderung erstattet zu bekommen.

Doch nun folgte das böse Erwachen. Inzwischen wurde im Rathaus bekannt, dass die Förderung unzulässig ist. Dem Fachausschuss blieb nichts anderes übrig, als den Antrag des Vereins abzulehnen. Das Problem: Das alte Gebäude ist nach Angaben der Gemeindeverwaltung nicht für das Heizen mit anderen Energieträgern, beispielsweise Wärmepumpen, geeignet. Eine Kernsanierung lässt die Gemeindekasse derzeit kaum zu.

Bei anderen Vereinen läuft es besser

Im Regen stehen lassen will die Gemeinde den Verein allerdings nicht. So soll nun versucht werden, eine rechtlich sichere und für alle Seiten tragbare Lösung zu finden. Wie die aussehen kann, ist noch nicht klar. Es soll Gespräche dazu geben.

Besser lief es hingegen für zahlreiche andere Vereine. So soll der VfB Münkeboe rund 2800 Euro für einen neuen Aufsitzmäher erhalten. Der Billardclub Fortuna bekommt 4400 Euro für neue Fenster. Knapp 940 Euro bekommen die Moorhuser Schützen, die ein Laser-Trainingssystem für Kinder anschaffen wollen. Der SV Engerhafe erhält 450 Euro für den Kauf gebrauchter Turnmatten. Die Tischtennissparte des TuS Victorbur beschafft einen neuen Punktspieltisch und erhält dafür 660 Euro. Der Yachtclub Aurich und der Segelclub Großes Meer erhalten gemeinsam knapp 1900 Euro für die Dachsanierung am Vereinsheim in Bedekaspel. Für die Dorf-Arbeitsgemeinschaft Münkeboe gibt es einen Zuschuss von knapp 7500 Euro für eine neue Zaunanlage am Dörpmuseum.

Kürzungen sind denkbar, aber unwahrscheinlich

Über einen Antrag des SV Ostfrisia Moordorf wird im Zuge der Haushaltsberatungen gesondert gesprochen. Wie berichtet, ist der Keller des Vereinsheims, in dem sich unter anderem die Duschen und die Umkleidekabinen befinden, nach einem Wasserschaden sanierungsbedürftig. Nicht nur Wände, Böden und Decken müssen erneuert werden, sondern auch die Wasserleitungen. Diese gelten als „tickende Zeitbombe“, wie ein Sachverständiger unlängst festgestellt hat. Insgesamt rechnet der Verein nach neuesten Berechnungen mit Kosten in Höhe von mehr als 137.000 Euro. Die Verwaltung ging bislang von Fördermitteln in Höhe von 46.000 Euro aus. Die basierten jedoch noch auf einer älteren Kostenschätzung, sodass die Summe vermutlich höher ausfallen wird. Über Maßnahmen dieser Größenordnung (über 15.000 Euro) wird in der Gemeinde seit einigen Jahren gesondert beraten. Bei einem erwarteten Millionendefizit im Haushalt ist dies zwar kein Selbstläufer. Andererseits sind im kommenden Jahr Kommunalwahlen und da scheint es fraglich, ob die Politik einen so großen Verein wie Ostfrisia gegen sich aufbringen will.

Ganz in trockenen Tüchern sind dabei auch die genannten Zuschüsse für die anderen Vereine noch nicht. Sie alle sollen aus Fördertöpfen kommen, die die Gemeinde Jahr für Jahr für die Vereinsförderung bereitstellt. Dabei handelt es sich jedoch um sogenannte freiwillige Leistungen. Sollte es hart auf hart kommen, ist nicht ausgeschlossen, dass sie ersatzlos gestrichen werden. Bisherigen Äußerungen von Ratsmitgliedern zufolgesteht dies aktuell aber nicht zur Debatte.

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