Auricher Weltladen Wie ein indisches Reismaß in Aurich Verwendung fand
Vor rund 40 Jahren wurden die ersten fair gehandelten Waren in Aurich verkauft. Eine Ausstellung zeigt nun, wie der Weltladen sich entwickelt hat und was die Mitarbeiter alles erlebt haben.
Aurich - Inzwischen liegt der Auricher Weltladen in bester Lage der Auricher Fußgängerzone. Seit 2020 befindet er sich in der Burgstraße 47, im früheren Süßigkeitengeschäft. Die Anfänge vor gut 40 Jahren waren bescheiden. Wie die Weltladen-Bewegung in Aurich Fuß fasste, zeigt nun eine Ausstellung im „Zwischenraum“ in der Osterstraße, die am Freitag, 14. November 2025, um 19 Uhr feierlich eröffnet wird. Bis zum 28. November ist sie dienstags und freitags von 11 bis 16 Uhr und sonnabends von 11 bis 14 Uhr zu sehen.
Anlass für den Rückblick ist das 50-jährige Bestehen des Dachverbands der Weltläden, wie Susanne Schneider vom Weltladen-Vorstand sagt. Der Verein hat seine eigene Geschichte natürlich dokumentiert. Doch in Gesprächen mit den damaligen Aktiven seien so viele spannende Geschichten und auch Gegenstände aufgetaucht, dass sie den Aurichern in der Ausstellung „Auricher Weltladengeschichten“ präsentiert werden sollen.
Im Keller des Lamberti-Gemeindehauses ging es los
Der Weg der fair gehandelten Produkte in die Burgstraße verlief nicht geradeaus. Anfang der 1970er-Jahre habe es im Zuge der Demokratiebewegung und des Strebens nach mehr Gerechtigkeit und nach Entwicklungshilfe auch in Aurich erste Berührungspunkte mit dem Fairen Handel gegeben, sagt Schneider. Damals erlangten die letzten Kolonien in Afrika ihre Unabhängigkeit. Bilder von Hungersnöten in Äthiopien flimmerten in die ostfriesischen Wohnzimmer. Die ersten fair gehandelten Waren wurden ab 1976 im Keller des Gemeindehauses der Lambertigemeinde verkauft. Zunächst hätten die Teammitglieder ihre fair gehandelten Bananen direkt aus Hamburg holen müssen, so Schneider. Später wurden Sammelbestellungen aufgegeben und im Nordwesten verteilt. Auch über die Gossner-Mission kamen Waren nach Aurich.
Einer der Motoren der Auricher Weltladen-Bewegung waren der Lamberti-Küster Johann Janssen und seine Frau Adelheit, die ab 1986 mehrfach nach Indien fuhren und von dort auch Ware mitbrachten. Sie lernten vor Ort auch die Produktionsbedingungen kennen und den Effekt, den der faire Handel hatte: Familien konnten sich eine Existenz aufbauen, bekamen günstige Kredite, konnten ihre Kinder zur Schule schicken. Die Janssen hätten ihre Erfahrungen mit unheimlichem Einsatz und Beharrlichkeit an die Auricher weitergegeben, sagt Schneider.
Mit dem Fairmobil war der Weltladen reisefertig
1987 wurde der Verein „Namasté - Eine Welt Laden Aurich“ gegründet. Von 1988 bis 2008 gab es ein Warenlager in der Großen Mühlenwallstraße, in dem man auch einkaufen konnte. Zudem gab es auch im Lambertshof ein Schaufenster, das die Produkte optisch in die Innenstadt holte. 2007 eröffnete der Weltladen an der Esenser Straße, etwa auf Höhe der Einmündung Am Tiergarten. 2013 zog der Weltladen zurück in die Innenstadt, genauer in die Wallstraße. Aurich wurde zudem als Fairtrade-Stadt zertifiziert.
Im Folgejahr starb Johann Janssen. Gerhard Küsel und später Gert Pohlenz-Schohaus führten den Verein und den Weltladen weiter. Inzwischen gehören neben Pohlenz-Schohaus auch Susanne Schneider, Marianne Kirsch-Tiffert und Mareike Neudeck zum Vorstand. Nach der Anschaffung des Fairmobils, mit dem der Verein Veranstaltungen wie das Fest der Kulturen oder die Earth Hour, aber auch regelmäßig den Auricher Wochenmarkt bespielt, folgte noch der Umzug des Geschäfts ans Ende der Burgstraße. „Hier passen wir hin“, sagt Kirsch-Tiffert. Rundherum gebe es inhabergeführte Geschäfte. Urlauber kämen mit dem Bus am Burgtor an und erwiesen sich als gute Kunden. „Das Schöne ist, dass wir zu all den Produkten auch Geschichten erzählen können“, so Kirsch-Tiffert. Anders als im Supermarkt gebe es umfangreiche Informationen über die Produktionsbedingungen der Waren.
Ein Reismaß zeigt die Dimensionen
Neben diesen Geschichten gibt es aber auch die Erlebnisse der Auricher Weltladen-Mannschaft, die im Zentrum der Ausstellung stehen. Und einige Hingucker, wie das Tages-Reismaß aus Indien, das im Hause Janssen genutzt wurde, oder ein aus Getränkedosen gefertigter Laster aus Südafrika. Zudem zeigt die Ausstellung Schlaglichter auf die allgemeine Weltladengeschichte, stellt die Produktpalette vor und berichtet von den Vorteilen des Fairen Handels.
Bei der Eröffnung am 14. November und beim Afrika-Abend am 25. November, jeweils um 19 Uhr, gibt es neben kurzen Erzählungen jeweils auch Musik und fair gehandelte Getränke und Snacks. Die rund 15 Mitarbeiter im Vereinsvorstand und im Laden leisten aber auch darüber hinaus Informationsarbeit - sei es beim Verkauf, bei Unterschriftensammlungen oder in Konfirmandengruppen oder Schulklassen. Die Kirchengemeinde Sandhorst und die Ludgerigemeinde Aurich sind beispielsweise Fairtrade-Gemeinden, die IGS und die Realschule Aurich zertifizierte Fairtradeschulen und die Kitas in Sandhorst und Dietrichsfeld Fairtrade-Kitas. Dort sind nicht nur faire Produkte im Einsatz, sondern es wird auch Bildungsarbeit geleistet.
Team ist bereit zu überzeugen
So sei es sinnvoll, die gesamte Wertschöpfung im Produktionsland zu lassen, erläutert Schneider. Während viele fair gehandelte Schokoladen zwar Kakao aus zertifizierten Anbaukollektiven beziehen, werde die Schokolade aber in Europa produziert. Bei Fairafric sei das anders: Die Rohstoffe kommen aus Ghana, werden dort zu Schokolade verarbeitet - und zwar in Bioqualität in einer solarbetriebenen Fabrik.
Die Weltladenmitarbeiter stellen zudem gerne vor, was es neben Tee, Kaffee, Schokolade und Bananen alles an fair gehandelten Produkten gibt, bis hin zu Gewürzen, Schokocreme, Adventskalender, Fußmatten und Rotwein. Auch bieten sie Ware in Kommission an, wenn Fairtradeprodukte beispielsweise bei Veranstaltungen eingesetzt werden sollen. Und es wird auch gerechnet. „Als Argument kommt immer erstens der höhere Preis und zweitens der mutmaßlich schlechte Geschmack“, sagt Schneider. Gerade bei Tee seien Ostfriesen schwer zu überzeugen. Aber mehrere Blindverkostungen hätten gezeigt: Der fair gehandelte Tee schmeckt, ist etwas teurer, dabei aber auch ergiebiger als die verbreiteten Sorten. Auch beim Kaffee gibt es Kalkulationshilfen vom Team. Je mehr Kaffee abgenommen werde, desto günstiger könne er auch im Fairen Handel verkauft werden, sagt Schneider. Am Ende gehe es meist um 2 bis 3 Cent mehr pro Tasse, so Kirsch-Tiffert.
Es sei oft Kernerarbeit, die Einkäufer zu überzeugen. Aber das Team sei trotzdem mit ganzem Herzen bei der Sache, weil es wisse, dass die Arbeit etwas bewirkt. Und das seit 40 Jahren.