„Falschbehauptungen“  Friesischer Verband für Naturschutz plötzlich selbst in der Kritik

| | 06.11.2025 19:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Ihlower Tierarzt Hansjörg Heeren. Fotos: Holger Janssen
Ihlower Tierarzt Hansjörg Heeren. Fotos: Holger Janssen
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In Videos im Internet teilt der Friesische Verband für Naturschutz immer wieder gegen Behörden aus. Nun müssen sich die Initiatoren jedoch vorwerfen lassen, sich nicht ausreichend informiert zu haben.

Südbrookmerland - Bürgermeister Thomas Erdwiens ist bedient. Der Grund: In verschiedenen Videos im Internet wird ihm und anderen Beteiligten „Kungelei“ und Hinterzimmerpolitik in Bezug auf die geplante Rodung des Fledermauswaldes vorgeworfen. Wie berichtet, hatte er ein für Donnerstag geplantes Moderationsgespräch zwischen Gemeindeverwaltung, Ortsvorstehern und Vertretern des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) kurzfristig abgesagt, weil „Falschbehauptungen“ verbreitet und zu einer Protestaktion aufgerufen worden sei. Die Urheber des Videos waren offenbar von falschen Voraussetzungen ausgegangen. So recht zurückrudern wollen sie aber nicht.

Wie berichtet, hatte Erdwiens Vertreter des NLWKN sowie die Südbrookmerlander Ortsvorsteher Jann Peters (Wiegboldsbur), Harald Harms (Forlitz-Blaukirchen) und Helga Gloger (Bedekaspel) für den frühen Donnerstagnachmittag ins Rathaus eingeladen. Dort sollte ein sachlicher Austausch zur geplanten Rodung des Waldes in den Forlitzer Meeden stattfinden. Während der NLWKN die Maßnahme für einerseits sinnvoll und andererseits für rechtlich bindend hält, setzen sich Peters und Harms vehement für den Erhalt des 2,5 Hektar großen Waldes ein.

Vorwurf: FVN verbreitet Falschbehauptungen

Am Mittwochnachmittag verbreitete der Friesische Verband für Naturschutz (FVN) ein Video, in dem unter anderem der Ihlower Tierarzt Hansjörg Heeren zu sehen ist. Darin wird das Treffen unter anderem als „Kungelei“ kritisiert. Darüber hinaus wird behauptet, die Ortsvorsteher sollten mit Blick auf ihren Einsatz für den Erhalt des Waldes „plattgemacht“ werden. Zudem ruft der FVN zu einer E-Mail-Aktion auf. Unterstützer sollten an Erdwiens schreiben und ihn dazu auffordern, den Ortsvorstehern den Rücken zu stärken. Außerdem wurde dazu aufgerufen, unmittelbar vor dem Treffen am Donnerstag persönlich am Rathaus zu erscheinen und Briefe mit ähnlichen Forderungen persönlich einzureichen. Erdwiens wertete dies als versteckte Protestaktion. Deswegen und wegen der „Falschbehauptungen“ sagte er das Treffen noch am Mittwochabend ab.

Bürgermeister Thomas Erdwiens.
Bürgermeister Thomas Erdwiens.

Am Donnerstag veröffentlichte Erdwiens dann ein als „Gegendarstellung“ gekennzeichnetes Schreiben, in dem er zu den Behauptungen aus dem FVN-Video und anderen Beiträgen in sozialen Medien Stellung nimmt. Die Vorgehensweise der Verfasser bezeichnet Erdwiens darin als „niveaulos“. Die Gemeinde weise die „Falschmeldungen, Behauptungen und Mutmaßungen“ zurück. Bürger würden durch unwahre Darstellungen irritiert und getäuscht, so Erdwiens weiter. „Ein angestrebtes friedfertiges Miteinander hat hierdurch einen herben Dämpfer erfahren, so der Verwaltungschef. Hier sei eine Chance vertan worden.

Hansjörg Heeren und seine Mitstreiter hatten nach eigenen Angaben die Sorge, dass die Ortsvorsteher einem Gespräch mit den Fachleuten der Behörden nicht gewachsen sein könnten. „Das sind Studierte, die reden dich platt“, so Heeren im Gespräch mit unserer Redaktion. Davor habe man die Ortsvorsteher bewahren wollen.

Ortsvorsteher hatte Treffen selbst angeregt

Was Heeren aber offenbar nicht wusste: Einer der Ortsvorsteher hatte selbst die Anregung für das Treffen gegeben. Dies bestätigte Harald Harms unserer Redaktion auf Anfrage. Er habe Erdwiens gebeten, seine Kontakte zu nutzen und ein Gespräch mit dem NLWKN zu organisieren. Er habe es für sinnvoll gehalten, direkt mit den Vertretern der Landesbehörde zu sprechen und die Argumente auszutauschen. Wie man beim FVN darauf komme, dass die Ortsvorsteher hinter verschlossenen Türen „plattgemacht“ werden sollten, könne er sich nicht erklären, so Harms.

Der Fledermauswald in Forlitz Blaukirchen sorgt seit Monaten für Diskussionen.
Der Fledermauswald in Forlitz Blaukirchen sorgt seit Monaten für Diskussionen.

Die Gemeindeverwaltung und Erdwiens selbst haben sich bislang nicht eindeutig zur geplanten Rodung positioniert. In einem früheren Gespräch mit unserer Redaktion verwies Erdwiens darauf, dass die Gemeinde weder zuständig noch in sonstiger Weise an dem Vorhaben beteiligt sei. Deshalb halte man sich zurück.

„Hätten es vielleicht etwas anders gemacht“

Für Hansjörg Heeren ist das nicht nachvollziehbar. Wenngleich die Gemeinde formal vielleicht nicht zuständig sei, so beschäftige das Thema die Menschen in Südbrookmerland. Und für die sei der Bürgermeister in jedem Fall zuständig. Niemand wisse, wo der Verwaltungschef in der Sache steht. „Erdwiens ist da für uns eine unsichere Kiste“, so Heeren. Weder habe er sich erklärt noch habe er den Ortsvorstehern in der Sache den Rücken gestärkt. Aus seiner Sicht müsse ein Bürgermeister klar seine Meinung sagen. Dass dies immer seltener geschehe, daran kranke die Politik, was wiederum extremen Kräften Tür und Tor öffne.

Das Treffen, so Heeren, hätte Erdwiens ruhig durchziehen können. Was den Protest vor dem Rathaus betrifft, hätte er mit keiner allzu großen Beteiligung gerechnet. Was das Video und die falschen Annahmen der Initiatoren betrifft, rudert Heeren indes kaum zurück. Vielleicht hätte man es etwas anders gemacht, wenn man die Hintergründe gekannt hätte. An der grundsätzlichen Kritik ändere das aber nichts, so Heeren auf Anfrage.

Dass Erdwiens in der Angelegenheit noch einmal die Initiative ergreift und zu einem solchen Treffen der Beteiligten einlädt, ist nach dem durch das Video ausgelösten Wirrwarr kaum zu erwarten. Harald Harms denkt jedoch darüber nach, selbst Kontakt zum NLWKN aufzunehmen und um ein Gespräch zu bitten. Aus seiner Sicht könne ein sachlicher Austausch deutlich mehr bewirken als eine emotional geführte Debatte über soziale Medien.

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