Carsharing für Aurich Entscheidung ist getroffen
Die Stadt Aurich will ein Carsharing etablieren, muss dafür aber zunächst zuzahlen. Das überzeugte nicht alle Gruppen im Rat. Nun steht fest, wie es weitergeht.
Aurich - Die Stadt Aurich wird ein privatwirtschaftliches Carsharing-Angebot bekommen, das jedoch in den ersten fünf Jahren bei Bedarf subventioniert wird. Der Verwaltungsausschuss hat nach mehrmaliger Beratung der Umsetzung zugestimmt.
Im Rahmen des Konzessionsvergabeverfahrens sei der Zuschlag an den wirtschaftlich günstigsten Anbieter erteilt worden, teilte Stadtsprecher Cord Cordes auf Nachfrage nun mit. Die Bieter im Verfahren seien über die geplante Beauftragung und die Frist für eventuelle Einwendungen informiert worden. Das Unternehmen Cambio, das schon in Leer und Wilhelmshaven Standorte betreibt, hat den Zuschlag bekommen. Mit Cambio würden nun die nächsten Schritte abgestimmt, so Cordes: Unter anderem die konkrete Ausgestaltung des Angebotes, detaillierte Abstimmungen der Standorte sowie der Aufbau der Ladeinfrastruktur. Nach derzeitigem Stand sei der Start des Carsharing-Angebots für die Jahresmitte des kommenden Jahres vorgesehen.
Unternehmen will Mindestumsatz-Garantie
Die Stadtverwaltung hatte vorgeschlagen, zusätzlich zum Auricher Carsharing-Verein einen privatwirtschaftlichen Carsharing-Anbieter in die Stadt zu holen. Dessen kleine Fahrzeugflotte soll zunächst aus zwei E-Fahrzeugen am Rathaus und zwei weiteren konventionell angetriebenen Fahrzeugen an einem innenstadtnahen Standort wie dem ZOB bestehen. Die zwei Fahrzeuge am Rathaus sollen auch von der Verwaltung genutzt werden. Dafür soll die Dienstwagenflotte um zwei Fahrzeuge verkleinert werden. Diese müssten ohnehin ersetzt werden. Würde die Stadt zwei Fahrzeuge leasen, müsste sie pro Jahr 12.800 Euro aufwenden, so der Auricher Verkehrsplaner Volker Alberts, auf fünf Jahre also 64.000 Euro. Dieses Geld könnte ins Carsharing fließen und so den geforderten Mindestumsatz für die vier Fahrzeuge von insgesamt 144.000 Euro in fünf Jahren schon zum Teil abdecken. Während des Betriebszeitraumes von fünf Jahren soll je Fahrzeug und Monat ein Kostenzuschuss von maximal 600 Euro brutto eingenommen werden. Die Fahrzeuge im Fuhrpark der Stadt würden bisher vergleichsweise wenig und überwiegend auf Kurzstrecken bewegt, deshalb bestehe bei beiden E-Autos das Potenzial, dass sie durch Carsharing deutlich besser genutzt würden, so Alberts.
Zudem würden alle Fahrten, die Autoteiler mit den Cambio-Fahrzeugen machen, ebenfalls auf den Mindestumsatz angerechnet.
Erfahrungen aus Emden und Leer überzeugten Skeptiker in Aurich
Alberts berichtete im August im Verkehrsausschuss von den Erfahrungen, die in Leer, Emden und Wilhelmshaven gemacht wurden. Dort habe sich gezeigt, dass das Carsharing angenommen werde und die Kundenfahrten bereits nach rund zwei Jahren den geforderten Mindestumsatz erwirtschaften können, sodass die Kommunen lange nicht so viel zubuttern mussten, wie nun als Maximalbetrag genannt.
Dieses Argument überzeugte am Ende auch die Kritiker aus der CDU, dem Carsharing zuzustimmen. Laut dem Fraktionsvorsitzenden Arnold Gossel hätten die Erfahrungen aus den Nachbarstädten seine Fraktion überzeugt, dass auch Aurich für fünf Jahre Carsharing testen solle und dann schauen müsse, ob sich das Angebot selbst trägt.