Angebot für Obdachlose  Stadt Aurich will Übernachtungsheim weit weg vom Zentrum eröffnen

| | 29.10.2025 18:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Stadt favorisiert das Haus Kreihüttenmoorweg 45. Foto: Lasse Paulsen
Die Stadt favorisiert das Haus Kreihüttenmoorweg 45. Foto: Lasse Paulsen
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Die Auricher Stadtverwaltung favorisiert ein Gebäude am Kreihüttenmoorweg. Das wäre aber weit ab von allen anderen Anlaufpunkten. Die Grünen haben eine andere Idee.

Aurich - Das Übernachtungsheim für Obdachlose soll sich nach Vorschlag der Auricher Verwaltung künftig in Sandhorst befinden – genauer: am Kreihüttenmoorweg 45. Das ist in unmittelbarer Nähe zum Kreisverkehr am Ende des Industriegebiets. Über den Vorschlag diskutiert heute ab 17 Uhr der Sozialausschuss der Stadt.

Die Grünen wollen die Eignung des Hauses an der Hasseburger Straße 7 prüfen lassen. Foto: Lasse Paulsen
Die Grünen wollen die Eignung des Hauses an der Hasseburger Straße 7 prüfen lassen. Foto: Lasse Paulsen

Bis das seit einigen Jahren leer stehende Wohngebäude hergerichtet ist, hat das DRK angeboten, das bisherige Auricher Übernachtungsheim bis zur Jahresmitte 2026 weiterzubetreiben. Diese Immobilie an der Zingelstraße in der Innenstadt gehört dem DRK. Auch das Personal des Übernachtungsheims ist bisher beim DRK angestellt. Künftig will die Stadt Aurich den Betrieb des Übernachtungsheims offenbar selber organisieren. Das geht jedenfalls implizit aus dem Satzungsentwurf für das Übernachtungsheim hervor. In dieser Satzung ist neben den Verhaltensregeln auch die Nutzungsgebühr geregelt, die untergebrachte Personen oder auch die Kommunen, aus denen sie stammen, zu zahlen haben: 30 Euro pro Übernachtung.

Stadt: Kosten sprechen für Kreihüttenmoorweg

Der Stadtrat hat sich bereits im April dazu entschieden, das Gebäude im Kreihüttenmoorweg zur Unterbringung von Wohnungslosen zu nutzen. Dies ist allerdings in der Regel auf längere Zeiträume angelegt als ein Übernachtungsheim. Nun heißt es in der Vorlage, dass das Wohnhaus so hergerichtet werden könne, dass es für verschiedene Anforderungen nutzbar sei. In einer separaten Wohneinheit könne auch eine Unterbringung nach dem Konzept des Housing first angeboten werden – das heißt: eine kleine eigene Wohnung.

Laut einer beigefügten Grundrisszeichnung können im Wohngebäude im Erdgeschoss drei Zimmer mit jeweils zwei Betten entstehen. Sie wären jeweils zwischen 15 und 19 Quadratmeter groß. Weiteren Raum gibt es im Dachgeschoss: zwei Zimmer mit zwei Betten plus ein Einzelzimmer. Insgesamt also maximal elf Schlafplätze. Die sanitären Anlagen sind auf der jeweiligen Etage. Zusätzlich sind auf dem Grundrissplan in dem Anbau ein barrierefreies Bad und Einzelzimmer sowie eine kleine Küche und ein Aufenthaltsraum eingezeichnet.

Auch Frauen könnten unbergebracht werden

Laut Beschlussvorlage können in einem so angelegten Übernachtungsheim auch Frauen untergebracht werden. Ebenso Paare, wenn die Auslastung dies zulässt. Dies war bislang ein Problem: Da an der Zingelstraße nur zwei Mehrbettzimmer zur Verfügung stehen und es mehr männliche Nutzer gibt, hatten die Frauen das Nachsehen. Ebenso wurde das Paarzimmer vor einigen Jahren aus Platzmangel gestrichen.

Die Kosten für die Sanierung des Gebäudes am Kreihüttenmoorweg werden auf 500.000 Euro geschätzt.

Dem gegenüber befinden sich im Gebäude an der Zingelstraße derzeit nur acht Schlafplätze in zwei Zimmern – statt elf Betten in sechs Zimmern. Es könnte laut Vorlage in der Zingelstraße noch das Obergeschoss dazugenommen werden, dann wären aber aus Brandschutzgründen deutliche Umbauten nötig. Die Kosten würden sich auf rund 750.000 Euro belaufen, die Stadt würde zudem in ein privates Gebäude des DRK investieren. Zudem müsse die Stadt dort rund 15.000 Euro Nettokaltmiete im Jahr zahlen.

Grüne wollen anderes Gebäude prüfen lassen

Die Verwaltung hält daher die Nutzung des Hauses im Kreihüttenmoorweg für sinnvoller – und angemessener angesichts der Haushaltssituation.

Ein Übernachtungsheim ist tagsüber allerdings nicht geöffnet. Die Nutzer müssten also gegen 18 Uhr nach Sandhorst fahren und um 8 Uhr das Haus wieder verlassen. Die nächste Bushaltestelle sei 280 Meter entfernt, die nächste Bäckerei 600 Meter und der nächste Supermarkt 3,8 Kilometer, heißt es in der Vorlage. Der Tagesaufenthalt, die Wohnungslosenhilfe, der Busbahnhof, die Behörden und Arztpraxen befinden sich im Bereich der Innenstadt. Die Verwaltung schlägt vor, dass der Tagesaufenthalt und die Wohnungslosenhilfe aufsuchende Sozialarbeit in Sandhorst machen.

Die Grünen haben anderes im Sinn und beantragen, das Wohnhaus an der Hasseburger Straße am Auricher Hafen auf seine Eignung als Übernachtungsheim oder Obdachlosenunterkunft zu prüfen. Die Stadt möchte die Immobilie abreißen lassen und dort übergangsweise einen Wohnmobilstellplatz einrichten. Die Grünen halten das Haus für geeignet, dort ein Übernachtungsheim oder eine Obdachlosenunterkunft oder Übergangswohnungen einzurichten.

Am Dienstag war der geplante Wohnmobilstellplatz Thema im Bauausschuss. Dort ging es zwar nur um den Aufstellungsbeschluss für die Änderung des Bebauungsplans. GfA/P. Specken, Linke und Grüne äußerten jedoch Zweifel daran, dass die Stadt das Gebäude aufgeben sollte. Vielmehr solle es als Wohnraum genutzt werden – statt als „Parkplatz für Urlauber“. Die Aufstellung des B-Planes wurde gleichwohl beschlossen.

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