Paar aus Südbrookmerland Jahrelanger EWE-Ärger wegen falscher Buchung
Seit Jahren haben Sarah und Ralf Frericks aus Moordorf Ärger mit dem Energieversorger EWE. Eine Klärung war lange nicht in Sicht. Doch nun kam Bewegung in die Sache und ein Happy End naht.
Moordorf - Rechnungen, Mahnungen, Gutschriften – dazu eigene Notizen, Stornierungen, die Androhung der Versorgungseinstellung und weiterer Schriftverkehr. Hunderte Seiten Papier, ordentlich abgeheftet in einem Ordner mit der Aufschrift EWE. Mittlerweile können Sarah und Ralf Frericks aus Moordorf nur noch müde lächeln, wenn ein Brief des Oldenburger Energieversorgers ins Haus flattert. Galgenhumor, denn zum Lächeln ist ihnen eigentlich nicht mehr zumute. Seit 2023 setzen sie sich mit dem Unternehmen auseinander und sind mittlerweile überzeugt: Dort läuft alles schief.
Dabei hatte es kurz vor Weihnachten 2023 danach ausgesehen, als nehme die Sache ein gutes Ende. Damals hatte sich das Paar verzweifelt an unsere Redaktion gewandt. Nachdem ein Kündigungsschreiben bezüglich ihres sogenannten Wärmeplus-Vertrages angeblich nicht bei der EWE angekommen war, sollte dieser um fünf Jahre verlängert werden. Und zwar zu einem Preis, den sich das Paar nach eigenen Angaben nicht hätte leisten können. Beim Wärmeplus-Vertrag handelt es sich um eine Kombination aus Gaslieferung und der Bereitstellung einer Heizungsanlage. Die EWE pochte zunächst auf die Verlängerung des Vertrages, zeigte sich nach der Anfrage unserer Zeitung jedoch kulant und sagte eine Beendigung des Vertragsverhältnisses zu. Alles gut also? Mitnichten! Zuerst ging es darum, was mit der von der EWE bereitgestellten Heizungsanlage passiert. Rund 2300 Euro hatte das Unternehmen als Restwert ermittelt und angeboten, die etwa zehn Jahre alte Anlage gegen eine entsprechende Zahlung im Haus zu belassen. Das Paar lehnte ab. Für 3500 Euro sei eine nagelneue Anlage zu haben gewesen, den Einbau hätte ein Familienmitglied vornehmen können. Die EWE reagierte und korrigierte den Angebotsbetrag nach unten, nämlich auf rund 1800 Euro. Auch dies war dem Paar noch zu viel. Die Anlage wurde durch ein Fachunternehmen ausgebaut und entsorgt, eine neue Anlage durch die Familie installiert.
Lange Zeit keine Aufklärung in Sicht
Doch dann begann der Ärger erst richtig. Immer wieder flatterten in den folgenden Monaten Rechnungen über angeblich noch ausstehende Beträge ins Haus. Mehrere Tausend Euro sollte das Paar zahlen. Ein Teil der Beträge ließ sich erklären, ein anderer nicht.
Im Glauben, dass sich dies doch sicherlich leicht aufklären lassen müsse, wandte sich das Paar an die EWE. Telefonisch, per E-Mail oder vor Ort im EWE-Shop in Aurich. Doch statt Klarheit zu erlangen, wurde die Situation immer undurchsichtiger. So finden sich in den Unterlagen Rechnungen, die gleich darauf wieder storniert werden, Mahnungen und Kontoauszüge mit einem Stand von 0,00 Euro, nur um kurz darauf wieder eine Rechnung zu bekommen. Irgendwann hatten Sarah und Ralf Frericks vollständig den Überblick verloren. „Zuletzt haben wir nur noch gezahlt, um endlich Ruhe zu haben“, sagt Sarah Frericks.
Für das Paar war längst klar, dass es sich um gravierende Fehler in den Kundendaten der EWE handeln musste. So tauchten irgendwann Schreiben auf, die namentlich an Ralf Frericks, postalisch jedoch an sein Elternhaus in Georgsheil adressiert waren. Dort wohnt er seit vielen Jahren nicht mehr. Für seinen tatsächlichen Wohnsitz in Moordorf war dagegen ein Leerstand vermerkt. Da hatte sich bei Ralf und Sarah Frericks längst Resignation breit gemacht.
Zuletzt folgte jedoch ein Schreiben, in dem die EWE die Einleitung eines gerichtlichen Mahnverfahrens und die Meldung der angeblich säumigen Kunden an die Schufa androhte. Die Gefahr: Sollte das Paar in Zukunft mal beispielsweise einen Kredit aufnehmen oder einen Leasingvertrag für ein Auto abschließen wollen, könnte es mit einem solchen Schufaeintrag Probleme geben. Nachdem unsere Redaktion bei der EWE nachgefragt und den Fall geschildert hatte, kam plötzlich Bewegung in die Sache. Bei der EWE schien man sich nun ausführlicher mit der Angelegenheit zu befassen. Demnach habe es noch offene Beträge aus dem gekündigten Wärme-Plus-Vertrag gegeben. Diese seien in ein neues Abrechnungssystem übernommen worden, ohne das Paar ausreichend zu informieren. Eine zuvor geltende Mahnsperre sei dann aufgehoben worden. Somit kam es zu Mahnungen auf Beträge aus dem alten System, für die das Paar aber bereits Zahlungen geleistet hatte – jedoch auf eine neue Vertragsnummer im neuen Abrechnungssystem. Nun habe die EWE die geleisteten Zahlungen entsprechend umgebucht und aus Unternehmenssicht noch offene Beträge gestrichen.
Unternehmen lässt alle Forderungen fallen
„Damit sind alle Forderungen beglichen; es bestehen keine offenen Zahlungsverpflichtungen mehr“, so ein Unternehmenssprecher. Die EWE wolle zudem noch einmal auf das Paar zugehen, den Sachverhalt erläutern und sich für das Missverständnis entschuldigen.
Bei Sarah und Ralf Frericks sorgte diese Nachricht zwar für Erleichterung. So recht trauen wollen sie dem Frieden aber noch nicht. Geäußert hat sich die EWE außerdem zu der Frage, warum die alte Heizungsanlage entsorgt wurde, statt sie den Kunden kostenlos zu überschreiben. Immerhin war der Ausbau der Anlage für das Unternehmen mit zusätzlichen Kosten verbunden. Die EWE begründet dies mit der Gleichbehandlung. Grundsätzlich lege man großen Wert auf einen verantwortungsvollen, nachhaltigen und fairen Umgang mit Ressourcen und Kunden. Im vorliegenden Fall sei eine kostenfreie Überlassung der Anlage jedoch nicht in Betracht gekommen. EWE müsse sicherstellen, dass alle Kundinnen und Kunden gleichbehandelt werden. Eine unentgeltliche Überlassung einer Heizungsanlage in dieser Größenordnung wäre aus Unternehmenssicht „einer Schenkung mit erheblichem Wert“ gleichgekommen und „wäre gegenüber anderen Kundinnen und Kunden nicht vermittelbar“.