Straßenbauprojekt rund um Aurich So lief das Treffen der B 210 n-Lobby
Beim „Pro“-Verein für den Bau der Straße betonten Vertreter von Politik und Wirtschaft einmal mehr die Bedeutung des Projekts. Einige forderten einen stärkeren Fokus auf das Gemeinwohl.
Aurich - Seit Jahrzehnten wird sie von vielen gefordert, von anderen heftig kritisiert – und parallel laufen die Planungen für die Auricher Umgehungsstraße B 210 n mitsamt Anbindung an die Autobahn 31 bei Riepe stetig weiter. Kürzlich hat der Lobbyverein „Pro B 210 n“, der sich für den Bau der neuen Straße starkmacht, wieder ein größeres Treffen veranstaltet. Man traf sich unter anderem mit Vertretern von Politik, Behörden und Wirtschaft, um den aktuellen Planungsstand und Handlungsbedarf zu diskutieren, heißt es in einer Mitteilung.
Der Staatssekretär im niedersächsischen Verkehrsministerium, Matthias Wunderling-Weibier, betonte den Angaben zufolge: „Eine effiziente Infrastruktur ist die Lebensader funktionierender Gesellschaften.“ Die Landesregierung werde in die Ertüchtigung der Verkehrsinfrastruktur zusätzliche 1,5 Euro Milliarden Euro investieren. Infrastruktur sei nun verstärkt auch eine militärische Anforderung. „Denn wir haben in Niedersachsen viele Bundeswehrstandorte sowie Häfen, über die im Bedarfsfall Material und Truppen transportiert werden müssen.“ Die B 210 n sei aber auch wichtig für den Tourismus und die Entwicklung der Region insgesamt. „Die B 210 n sichert Wohlstand und Lebensqualität. Jeder in dieses Projekt investierte Euro wird sich über die Zeit auszahlen“, so der Staatssekretär. Wunderling-Weibier sagte die „volle Unterstützung“ der Landesregierung bei der Planung und Realisierung zu. „Wenn der Baubescheid da ist, wird es schnell gehen“, so der Staatssekretär.
Landrat fordert Freigabe weiterer Planungsgelder
Der Auricher Landrat Olaf Meinen sagte laut Mitteilung: „Es gibt nur schlüssige Argumente für die Notwendigkeit der B 210 n mit allen drei vorgesehenen Abschnitten.“ Gemeinsam mit der in Bau befindlichen Zentralklinik in Georgsheil und der Reaktivierung des Personenverkehrs auf der Bahnstrecke Aurich-Abelitz zähle die B 210 n zu den drei wichtigsten Zukunftsprojekten in Ostfriesland. „Wir begrüßen die Unterstützung der Landesregierung“, so Meinen. Er appelliere, nun die Planungsmittel für den dritten Abschnitt, die Anbindung zwischen Bangstede und Georgsheil, freizugeben.
IHK-Präsident Theo Eilers (Wittmund) zeigte sich überzeugt, dass die B 210 n wichtige Impulse für ganz Ostfriesland geben werde. „Beim Entwicklungspotenzial sehe ich durchaus Parallelen zu den Effekten, die der Lückenschluss der A 31 gebracht hat“, so Eilers. Nun müsse man in die Umsetzung kommen. „Der Moment ist günstig und das Geld ist da. Jetzt ist die Politik gefordert, für eine schnelle Realisierung zu sorgen“, so Eilers.
Ems-Achsen-Geschäftsführer: Es muss schneller vorangehen
Ems-Achsen-Geschäftsführer Dr. Dirk Lüerßen betonte, dass die erforderlichen Finanzmittel durchaus zur Verfügung stünden. „Der Staat muss nun deutlich machen, dass er handlungsfähig ist und den Menschen zeigen, dass auch etwas passiert“, so Lüerßen. Grade der ländliche Raum dürfe nicht abgehängt werden. Beim Bau von Verkehrsinfrastruktur auf Straße, Schiene, auf dem Wasser und im Energiebereich müsse das Gemeinwohl wieder mehr im Vordergrund stehen. „In anderen Ländern wie Dänemark oder den Niederlanden haben vergleichbare große Projekte stets Vorfahrt“, so Lüerßen. Auch in Deutschland müsse es wieder schneller vorangehen. „Dazu sind bestehende Verfahrenswege zu hinterfragen“, so Lüerßen.
Der Auricher Landtagsabgeordnete Wiard Siebels dankte Hinrich Tjaden (Ihlow), dem Vorsitzenden des Vereins Pro B210n, für die engagierte Arbeit der letzten Jahre. „Wie der Verein bin ich der Überzeugung, dass eine effiziente Infrastruktur die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Zukunft im ländlichen Raum ist,“ sagte Siebels. Die Anbindung einer Region entscheide mit darüber, ob junge Menschen hier blieben oder Fachkräfte von außerhalb sich hier ansiedelten. „Die grundsätzlich gute Lebensqualität in Ostfriesland muss durch eine ebenso gute Anbindung an die größeren Zentren ergänzt werden“, so Siebels.
Siebels: Nicht die Lautesten dürfen bestimmen
Natürlich seien bei Bauprojekten Bedenken der Betroffenen ernst zu nehmen, ob bei der Straße oder der Bahnanbindung. Aber das Gemeinwohl müsse immer gegenübergestellt werden und künftig wieder mehr in den Fokus rücken. „Nicht die Lautesten dürfen bestimmen, sondern die Mehrheiten“, sagte Siebels.
„Wir freuen uns über die umfangreiche Unterstützung von Bürgern, Verbandsvertretern und Politikern über Parteigrenzen hinweg“, sagte Vereinsvorsitzender Tjaden. „Unser Ziel ist, gemeinsam Richtung Hannover und Berlin zu signalisieren, dass die Region die B 210 n braucht und will, um somit das Verfahren und die Umsetzung des Projekts weiter zu beschleunigen“.
Der Auricher Bürgermeister Horst Feddermann sagte: „Sowohl die B 210 n als auch die Reaktivierung der Bahnstrecke für den Personenverkehr sind wesentliche Infrastrukturprojekte, die die ganze Region voranbringen“.
Ein Argument für den Bau der B 210 n, das in jüngster Zeit wieder genannt wurde, ist die Verkehrssicherheit. Denn im August war es auf der Von-Jhering-Straße vor dem Gymnasium Ulricianum zu einem tödlichen Unfall gekommen, bei dem ein Lkw beteiligt war. Vor allem Lkw sollen künftig über die geplante Umgehungsstraße geleitet werden, damit sie nicht mehr durch die Stadt fahren müssen.
Landeschef Lies sieht Umgehung als Entlastung
Ministerpräsident Olaf Lies (SPD), der früher auch schon Verkehrsminister in Niedersachsen war, hatte bei einer Demo für eine Tempo 30-Zone vor dem Ulricianum gesagt: „Die Verkehrsbelastung, die wir hier in Aurich haben, ist nicht der Normalfall, der für eine Stadt denkbar und zulässig ist. Wir haben hier Verkehre, die durch diese Stadt durchrauschen, die werden wir auch mit Tempo 30 nicht in den Griff bekommen“, sagte Lies vor den demonstrierenden Schülern, Eltern, Lehrern und Lokalpolitikern. Man brauche eine Lösung, um die Stadt dauerhaft vom Verkehr zu entlasten, so Lies, und brachte in diesem Atemzug die geplante Umgehungsstraße ins Spiel.
Seit es die Pläne für die Auricher Umgehungsstraße mit Autobahnanbindung gibt, gibt es auch erhebliche Kritik daran. Bei einer öffentlichen Infoveranstaltung in der Auricher Stadthalle Anfang Mai 2025 äußerte sich zahlreiche Anwohner, die gegen den Straßenbau sind.
Kritiker fürchten um ihre Heimat
Präsentiert wurde seinerzeit auch eine aktualisierte 3D-Computer-Visualisierung der 13 Kilometer langen Trasse, die von Sandhorst über Walle, Extum, Rahe und Kirchdorf bis anch Schirum reicht. Ex-Nabu-Regionalgeschäftsführer Matthias Bergmann sagte dazu, wohl stellvertretend für viele der 400 Besucher in der Stadthalle: „Diese Visualisierung ist kein Werbefilm, sondern ein Gruselfilm, der an Horror nicht zu überbieten ist. Die Trasse wird unsere Wohn- und Lebensqualität und unsere Heimat für immer zerstören.“
Kritik gibt es unter anderem auch an Wegeverbindungen, die zerstört werden und an der Verlegung der Sandhorster Ehe bei Walle.
Andere Kritiker meinen, das Projekt sei aufgrund der Bestrebungen zu mehr Klimaschutz und einer „Verkehrswende“ grundsätzlich aus der Zeit gefallen.