Leser diskutieren Brauchen wir Halloween in Ostfriesland?
Ausverkauf der eigenen Kultur oder endlich gruseln und feiern. Wir haben unsere Leser aufgerufen, uns ihre Meinung zu Halloween mitzuteilen. Hier sind einige der besten Stimmen.
Ostfriesland/Aurich - Der Oktober neigt sich dem Ende zu und das kann nur eins bedeuten: Halloween naht! Auch in Ostfriesland gewinnt der Brauch mit Kürbisschnitzen und gruseligen Verkleidungen immer mehr an Beliebtheit. Aber brauchen wir das Halloweenfest hier in Ostfriesland überhaupt? In der Redaktion haben wir bereits darüber diskutiert. Zudem haben wir einen Aufruf gestartet, um herauszufinden, wie Sie über Halloween denken, und allein auf Facebook sind mehr 200 Kommentare eingegangen: Hier sind Ihre Leserstimmen:
Keine amerikanischen Importe!
Auch wenn die Halloween-Tradition ihren Ursprung in Irland hat, berühmt geworden ist das Fest zum Ende des Oktobers durch die USA. Wie bei uns in Ostfriesland zu Martini ziehen dort die Kinder von Haus zu Haus auf der Jagd nach Süßigkeiten. Für die Älteren gibt es kostümierte Mottopartys und auch jede Menge bunte Dekorationen dürfen nicht fehlen. Einige Leserinnen und Leser sprechen sich klar gegen den Import amerikanischer Feiern aus. So schreibt Marita Hesse: „Wir berauben uns unserer eigenen Feste. Warum besinnt sich keiner auf unsere eigene Kultur?“ Auch Jenny Li sieht es so: „So ein Quatsch. Man muss nicht alles haben, nur weil viele Zugezogene das meinen. Halloween gibt es nicht in Ostfriesland, dafür gibt es Martini laufen“, schreibt sie.
Für Dieter Gebhardt hat der Tag eine ganz andere Bedeutung: „Gleichzeitig steht am 31. Oktober der Reformationstag für mich als Protestanten an. Schade wäre es, wenn durch dieses recht junge Fest Halloween die alten Traditionen in den Hintergrund geraten“, schreibt er. Ein weiterer Punkt, an dem sich viele Ostfriesen stoßen, ist die Kommerzialisierung von Halloween. So schreibt Silke Fischer: „Völlig überflüssiger Kommerz. Kinder werden überfordert und verunsichert.“ Ähnlich denkt auch Werner Rauch: „Es geht doch nur darum, Geld zu verdienen. Es hat mit unserer Kultur nichts zu tun.“
Jeder wie er mag
Die Mehrheit unserer Leser fällt in diese Kategorie. Einige führen an, dass es ja noch ganz andere nicht-ostfriesische Feste gibt, die trotzdem hier gefeiert werden. So schreibt Iris Wagner: „Es gibt in Ostfriesland Weinfeste. Gehört das hier hin? Weinberge habe ich jedenfalls noch nicht gefunden.“ Auch Andrea Fröde nennt ein Beispiel: „Man feiert ja auch hier Oktoberfest. Da ist mir Halloween tausendmal sympathischer“, schreibt sie.
Auch wenn viele selbst keine Verbindung zu Halloween haben, gönnen sie den anderen ihren Spaß. Holger Nanninga sieht es ganz einfach: „Nö, ich brauche das nicht. Aber wer es mag, soll es feiern.“ Da stimmt ihm Bärbel Schütte zu: „Kann jeder selbst entscheiden. Ich mach es aber nicht mit.“ Genau andersherum sieht es Jost Ziegler: „Ich find es cool und dekoriere auch jedes Jahr. Wer es nicht will, soll es halt lassen.“ Michael Herbers ist ebenfalls ganz praktisch: „Woher das kommt und welchen Ursprung das hat, ist doch völlig egal. Handel und Gewerbe werden solche Fragen wohl nicht unbedingt stellen, solange sie damit Geld verdienen können“, schreibt er.
Auch Halloween-Fans gibt es in Ostfriesland
Viele Ostfriesen haben auch großen Spaß an Halloween. So schreibt Alexandra Prüger: „Ich finde es toll und auch meine Kinder freuen sich drauf.“ Dem stimmt Sandra Ippen zu: „Ich freue mich jedes Jahr wie ein Kind und kann mich verkleiden und schmücken“, schreibt sie. Auch richtige Halloween-Feiern gibt es hier: „Meine Tochter fährt da drauf ab und ihr zuliebe gestalten wir den Abend dementsprechend mit ihren Freundinnen mit Verkleiden und einer kleinen Party“, schreibt zum Beispiel Nicolle Nanninga.
Viele freuen sich auch über die Veranstaltungen, die in der Region zu dieser Zeit stattfinden. Vor allem die lange Nacht in Esens, der selbst erklärten „Halloween Hauptstadt Deutschlands“, hat es vielen unserer Leser angetan. „Das erste Mal in Esens gewesen und ich bin nächstes Jahr auch wieder dabei“, schreibt Karoline Bruns. Heidrun Brahms schwärmt ebenfalls: „Fahrt nach Esens und guckt es euch dort an. Dort wird die Stadt mit viel Liebe geschmückt und friedlich gefeiert. Einfach nur klasse“, schreibt sie.
Fazit: Die Meinungen unserer Leserinnen und Leser sind bunt gemischt. Während einige ein Problem mit dem Import des Festes aus den USA haben und sich lieber auf die hiesigen Traditionen besinnen wollen, freuen sich etwa ebenso viele ganz besonders auf das große Gruseln. Vor allem die Großveranstaltung in Esens hat es vielen angetan. Die meisten Ostfriesen sind beim Thema Halloween jedoch ganz praktikabel: Elk sien Möög – Jeder wie er mag.