Pro & Contra  Brauchen wir Halloween in Ostfriesland?

Pia Pentzlin Björn Klüver
|
Ein Kommentar von Pia Pentzlin und Björn Klüver
| 24.10.2025 13:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Auch in diesem Jahr kommen die Besucher wieder in der selbsternannten "Halloween-Hauptstadt Deutschlands" in Esens zusammen. Foto: Klaus Ortgies
Auch in diesem Jahr kommen die Besucher wieder in der selbsternannten "Halloween-Hauptstadt Deutschlands" in Esens zusammen. Foto: Klaus Ortgies
Artikel teilen:

In nur einer Woche feiern Groß und Klein Halloween. Esens startet schon heute und lädt Horror-Clowns & Co. zum Gruseln ein. Die schaurige Stimmung macht aber nicht alle glücklich. Im Gegenteil.

Aurich - An diesem Freitag, 24. Oktober 2025, steht in Esens, der selbst erklärten Halloween-Hauptstadt Deutschlands, wieder die große Party an. Bei Live-Musik, Bühnenprogramm und jeder Menge kostümierter Darsteller und Besucher lässt sich der Tag des Gruselns zelebrieren, wie kaum sonst in Deutschland. Aber brauchen wir die aus den USA kommende Tradition mit gruseligen Kostümen, Kürbislaternen und Themenpartys überhaupt in Ostfriesland?

Pia Pentzlin: Kommerz pur – Halloween ist für mich überflüssig

Ungewollter Grusel, Massen an Plastikspielzeug und zu viele Süßigkeiten, die niemand braucht. Geschweige denn essen kann. Das ist für mich Halloween. Wirklich nichts an diesem Fest kann ich etwas abgewinnen. Nun bin ich eine schreckhafte Person und meide solch ein Horrorfest sowieso. Besonders wütend macht mich aber die Kommerzialisierung. An nahezu jeder Ecke wird mir im Oktober zu verstehen gegeben, dass ich ganz dringend Halloween feiern muss. Samt neuem Kostüm, das bitteschön jedes Jahr ein neues sein soll. Klar, das geht auch Secondhand. Aber bei Perücken, farbigem Haarspray und den Unmengen an Schminke und Kunstblut hört es dann schon auf. Und nicht zu vergessen: die Deko für die Wohnung. Muss ja auch schön gruselig sein in den eigenen vier Wänden. Der Kapitalismus erfreut sich ganz sicher jedes Jahr aufs Neue an einem Fest wie Halloween. Sowohl bei Kindern als auch bei den Erwachsenen, die sich zumindest einmal im Jahr als plötzliche Horror-Fans enttarnen: Hauptsache, wir haben uns bei den Amis wieder etwas abgeschaut.

Jedes Jahr im Oktober zieren Masken und Kostüme Supermärkte. Das gefällt nicht allen. Foto: Tim Brakemeier / picture alliance / dpa
Jedes Jahr im Oktober zieren Masken und Kostüme Supermärkte. Das gefällt nicht allen. Foto: Tim Brakemeier / picture alliance / dpa

Jetzt könnte man mich als Spielverderberin bezeichnen, die vor allem den Kleinen den Spaß verderben möchte. Für die bleibt doch aber in Ostfriesland nur wenige Tage später der Martini-Lauf.

In einem Kommentar zu einer Umfrage, die diese Redaktion im Oktober zum Herbst veröffentlicht hat, hat es ein Zuschauer passend beschrieben: „Martini laufen hat man mit Halloween ersetzt.“ Und so ist es! Das klassische Halloween-Fest in Deutschland besteht daraus, sich zu verkleiden und als Kind von Tür zu Tür zu gehen, um möglichst viele Süßigkeiten abzustauben. In Ostfriesland ist das aber auch der Kern beim Martinilaufen. Warum braucht man also beides? Und im Gegensatz zu Halloween, braucht es für den Laternenumzug am Martinitag nur einen kreativ und möglichst selbstgebastelten Lampion. Deutlich ressourcenschonender, wenn Sie mich fragen!

Björn Klüver: Lasst den Leuten ihren Spaß

Halloween – warum denn nicht? Klar könnte man sich über den amerikanischen Kulturimperialismus und den Ausverkauf der eigenen Werte beschweren. Aber wozu das Ganze? Macht es Spaß, so zu leben? Ich denke nicht! Stattdessen bin ich dafür, locker an die Sache heranzugehen. Sicher, das Aufeinanderfallen des kindlichen Halloweenumzuges mit dem keine zwei Wochen später stattfindenden Martini-Singen mag hier in Ostfriesland etwas unglücklich sein. So viel Süßkram können nicht einmal die hungrigsten Kinder vertragen. Aber darüber hinaus finde ich es befremdlich, mich über Leute zu beschweren, die Spaß an etwas haben. Wann kann man sich in Ostfriesland denn schon einmal verkleiden? Im Gegensatz zu den katholischen Regionen ist hier ja selbst Fasching nur eine Liebhaberveranstaltung. Was bleiben den geneigten Kostümfans der Region dann noch für Anlässe? Wer Spaß daran hat, sich der kreativen Herausforderung des gruseligsten Kostüms zu stellen, sollte dies vorbehaltlos tun dürfen. Ob teuer zusammengekauft oder günstig in Eigenarbeit kreiert, Hauptsache es macht Spaß! Umso schöner ist es dann noch, wenn das Kostüm auf einer Mottoparty Freunden und Bekannten präsentiert werden kann.

Geschnitzte Kürbisse mit gruseligen Fratzen gehören in Deutschland zur Halloween-Zeit. Foto: Pixabay
Geschnitzte Kürbisse mit gruseligen Fratzen gehören in Deutschland zur Halloween-Zeit. Foto: Pixabay

Dasselbe gilt für die Kinder. Wem schadet es, wenn zu den sonstigen herbstlichen Basteleien eine selbst geschnitzte Kürbislaterne hinzukommt? Und selbst wer meint, dass es jede Menge bunte Plastikdekorationen braucht, hat meine Unterstützung. In den grauen und trostlosen Herbstmonaten ist mir jede bunte Ablenkung willkommen, selbst wenn sie aus den USA importiert ist. Also: Lasst uns die Feste feiern, wie sie fallen!

Was halten Sie von Halloween?

Sie haben auch eine Meinung zum Horrorfest? Die wollen wir gerne hören! Schreiben Sie uns per Mail unter bjoern.klüver@zgo.de oder p.pentzlin@zgo.de. Wir veröffentlichen eine Auswahl an Stimmen anschließend in einem weiteren Artikel.

Ähnliche Artikel