Praxen in Krankenhausgebäude  Hohes Minus im MVZ Norden führte zu Ärztewechseln

| | 27.10.2025 12:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der neue Geschäftsführer des MVZ Aurich-Norden, Thomas Hohlfeld, in den Räumen in Norden.Foto: Aiko Recke
Der neue Geschäftsführer des MVZ Aurich-Norden, Thomas Hohlfeld, in den Räumen in Norden.Foto: Aiko Recke
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Zwei dortige Chirurgen wechseln nach Aurich. Zu den Gründen äußert sich der neue MVZ-Geschäftsführer.

Norden - Weil das MVZ Aurich-Norden in wirtschaftliche Schieflage geraten ist, wurden jetzt Veränderungen im Bereich der Chirurgie am Standort im ehemaligen Norder Klinikgebäude vorgenommen. Zwei Ärzte verlassen den Standort. Die betroffenen Praxen seien „völlig unterausgelastet“ gewesen, erklärte der neue MVZ-Geschäftsführer Thomas Hohlfeld, der im März den langjährigen Chef Thomas Hippen abgelöst hatte. Das führt im Jahr 2024 zu einem hohen Verlust von rund 1,4 Millionen Euro. Für 2025 plant man noch mit rund 800.000 Euro Minus – und 2026 wolle man wieder eine ausgeglichene Bilanz vorlegen, sagte Hohlfeld in einem Gespräch mit dieser Redaktion.

Die chirurgischen Praxen im Klinikgebäude seien „nicht so angenommen worden wie gewünscht“, sagte Hohlfeld. Allein sie hätten für einen hohen sechsstelligen Verlust gesorgt. Am Ende ist offenbar die Umwandlung ehemaliger Krankenhaus-Räume in Arztpraxen nicht so einfach wie gedacht. So seien die Räumlichkeiten mit knapp 800 Quadratmetern für nur drei Ärzte letztlich überdimensioniert gewesen, sagte Hohlfeld. Auch das ambulante OP-Zentrum kam, anders als ursprünglich einmal geplant, kaum zum Einsatz. Dr. Christian Kaufmann, Facharzt für Viszeralchirurgie und Proktologie und Dr. Rafal Moczydlowski, Facharzt für Allgemeinchirurgie, wechseln laut Hohlfeld nun nach Aurich. Anders stellt sich die Lage für Dr. Rainer Sarnow dar, der als Facharzt für Chirurgie und Gefäßchirurgie und Rettungsmedizin bis zum voraussichtlichen Ruhestand in zwei Jahren am Standort bleiben soll. Betroffen sind im Bereich der Chirurgie 16 Mitarbeiter, von denen sieben bleiben und neun sich anders orientieren bzw. in den Ruhestand gehen. Es gebe aber keine betriebsbedingten Kündigungen, so Geschäftsführer Hohlfeld.

Deutlich besser laufe im MVZ in Norden die kardiologische Ambulanz, ebenso die Gastroenterologie.

Interessenten für Hausarzt-Zentrum

Zudem gebe es Interessenten für den Betrieb eines Hausarzt-Zentrums im Klinikgebäude, berichtete Geschäftsführer Hohlfeld. Darüber soll demnächst entschieden werden. „Wenn hier ein solches Zentrum entsteht, bringt das viel Potenzial, zum Beispiel bei Überweisungen“, erklärte Hohlfeld. Pro Jahr gibt es nach Angaben des Landkreises Aurich im MVZ in Norden rund 73.000 Arzt-Patientenkontakte statt, das sind rund 34.000 Behandlungsfälle. Thomas Hohlfeld ist laut Mitteilung studierter Betriebswirt mit dem Abschluss Diplom-Kaufmann. Beruflich war der gebürtige Chemnitzer zunächst in einer Düsseldorfer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und dann im Finanz- und Rechnungswesen des Klinikums Hoyerswerda/Sachsen tätig.

Genau wie der Geschäftsführer der Trägergesellschaft der Kliniken Aurich-Emden-Norden, Dirk Balster, war auch Hohlfeld über mehrere Jahre am Klinikum Chemnitz in verschiedenen Leitungsfunktionen tätig. 2023 wurde er kaufmännischer Direktor der Johann Christian Reil gGmbH Poli Reil in Halle und Geschäftsführer der Praxisnah MVZ GmbH Leipzig sowie geschäftsführender Gesellschafter der IRS Restrukturierung und Sanierung GmbH mit Sitz in Dresden wurde. Erster Kreisrat Dr. Frank Puchert betonte im März, Hohlfeld bringe somit alle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Wahrnehmung seiner neuen Aufgabe mit.

MVZ wieder von Klinikgesellschaft getrennt

Das MVZ war nach der Gründung der Trägergesellschaft als Tochtergesellschaft unter deren Dach angesiedelt, genau wie das Emder MVZ. 2020 wurde das MVZ Aurich-Norden jedoch ausgegliedert und ist nun wieder eine Landkreis-Tochter.

Im MVZ Aurich-Norden sind an drei Standorten Aurich, Norden und Wiesmoor Teams von Ärzten für verschiedene Fachbereiche tätig – von Kardiologie und Gastroenterologie über Strahlentherapie bis Orthopädie und Chirurgie.

Das MVZ ist nicht zu verwechseln mit dem Regionalen Gesundheitszentrum (RGZ), das mit 25 stationären Betten und der Palliativstation ebenfalls im ehemaligen Norder Klinikgebäude sitzt. Ebenfalls von der Trägergesellschaft Kliniken Aurich-Emden-Norden werden dort Notfallambulanz und Psychiatrie betrieben. Mit diesen Einrichtungen arbeite das MVZ eng zusammen, „um perspektivisch zusätzliche Leistungen einzuführen und den Versorgungsumfang weiter auszubauen“, so der Landkreis.

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