Austritt aus der FDP  Auricherin verlässt Partei und strebt ins Bürgermeisteramt

| | 19.10.2025 18:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Sarah Buss ist seit sieben Jahren politisch aktiv und will nun als Parteilose für das Auricher Bürgermeisteramt kandidieren. Foto: privat
Sarah Buss ist seit sieben Jahren politisch aktiv und will nun als Parteilose für das Auricher Bürgermeisteramt kandidieren. Foto: privat
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Sarah Buss ist seit sieben Jahren auf mehreren Ebenen politisch aktiv. Nun strebt sie eine neue Aufgabe im Auricher Rathaus an - ausdrücklich als Parteilose. Was sie antreibt.

Aurich - Dass Sarah Buss aus Aurich im Herbst 2026 als Bürgermeisterin ins Auricher Rathaus einziehen möchte, macht sie schon ein Jahr vorher konsequent deutlich. Auf Nachfrage sagte die Richterin am Auricher Amtsgericht, dass sie jetzt aus der FDP austreten werde, um als parteilose Kandidatin ins Rennen gehen zu können.

„Weil ich für diese Kandidatur allein Aurich in den Mittelpunkt stelle, habe ich mich dazu entschieden, als parteilose Kandidatin meinen Hut in den Ring zu werfen und habe der FDP aus diesem Grund meinen Austritt aus der Partei mitgeteilt“, so Buss. „Dieser Schritt ist mir nicht leichtgefallen, da sich an meiner liberalen Grundhaltung selbstverständlich nichts geändert hat. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass ein Bürgermeister sich nicht vorerst in den Dienst einer Partei, sondern allein in den Dienst der Stadt stellen sollte“, so Buss.

Austritt sei ein schwieriger Schritt

Der Austritt erfolge nicht aus politischem Kalkül, um als Parteilose größere Chancen und eine breitere Basis zu haben. Es sei für sie ein sehr schwieriger Schritt. „Aber wenn man sich auf eine ganze Stadt konzentrieren möchte, dann muss man sich auch ganz darauf einlassen“, so die Juristin. Sie ist im Stadtrat Vorsitzende des Ausschusses für Feuerwehr, Ordnung und Bürgerdienste sowie seit Kurzem Ratsvorsitzende – zwei ebenfalls parteiübergreifende Ämter. Sie gehe nun an die Öffentlichkeit, um ein Jahr vor sich zu haben, indem sie sich den Aurichern bereits mit ihren Zielen und Überzeugungen vorstellen könne. Es gehe dabei derzeit noch nicht um aktiven Wahlkampf, betonte Buss. Sie wolle auch keine Kampfansage an den amtierenden Bürgermeister Horst Feddermann machen, der noch nicht bekanntgegeben hat, ob er wieder kandidiert. Sie wolle zu diesem Zeitpunkt lediglich eine demokratische Alternative eröffnen.

In der Partei bisher vielfältig aktiv

Für die Kandidatur muss sie einiges aufgeben. 2018 trat die gebürtige Wedemarkerin in die FDP ein. Wenige Wochen später wurde sie als freie Beisitzerin in den Landesvorstand gewählt. Diesem gehörte sie immer noch an, auch wenn sie sich im Februar 2023 nicht im Rennen um den Landesvorsitz als Doppelspitze mit Dr. Gero Höcker durchsetzen konnte. 2021 kandidierte Buss dreifach für politische Mandate: für den Auricher Stadtrat, den Auricher Kreistag und den Bundestag. Den Einzug in den Bundestag verpasste sie knapp. Im Stadtrat und im Kreistag wurde sie FDP-Fraktionsvorsitzende. Vorsitzende ist sie auch im FDP-Bezirksverband Ems-Jade und stellvertretende Vorsitzende im FDP-Kreisverband Aurich. Die Partei-Ämter muss sie nun aufgeben. Sie „werden von meinen Stellvertretern kommissarisch bis zu den ohnehin anstehenden Wahlen der Vorstände ab Januar geführt. Diese Schritte sind natürlich auch mit allen Beteiligten abgesprochen und organisiert“, so Buss.

Buss bezeichnet sich selbst als Beuteostfriesin, weil sie durch ihre Ehe nach Aurich kam. Ihr Mann habe gleich beim ersten Treffen deutlich gemacht, dass eine Rückkehr nach Ostfriesland fest eingeplant sei. Buss kam nach zwölf Jahren in Hamburg mit. Und kann ihren Mann inzwischen verstehen, wie sie sagt. Die 43-jährige ist Mutter von dreijährigen Zwillingen und einer achtjährigen Tochter. Sie wolle, dass auch die nächste und übernächste Generation den Wunsch und gute Gründe hätten, aus Städten wie Hamburg nach Aurich zurückzukehren, um dort eine Familie zu gründen.

Sie wäre die zweite Frau und erste Mutter an der Rathausspitze

Dass sie mit drei Kindern und einem Beruf, der für sie ein Traumberuf sei, Bürgermeisterin werden möchte, sei gut durchdacht und abgesprochen. „Als berufstätige Mutter mit politischem Ehrenamt und als aktive Reiterin, ist Multitasking mein tägliches Brot. Ich habe das große Glück, dass meine gesamte Familie mich bei diesem Vorhaben unterstützt und weitere liebe Leute hinter mir stehen“, so Buss. Sie sei aus der Politik, der Verwaltung und der Wirtschaft angesprochen worden, ob sie sich das Bürgermeisteramt vorstellen könne.

Zudem sei es fast 25 Jahre her, dass Aurich mit Sigrid Griesel erstmals eine Bürgermeisterin bekam. „Das möchte ich ändern und die zweite Frau an dieser Position werden“, so Buss. „Als Mutter von drei kleinen Kindern könnte ich dazu eine vollkommen neue Perspektive in dieses Amt bringen.“ Hinzu komme, dass sie zwar Erfahrung in Behörden habe, aber anders als ihre Amtsvorgänger nicht aus der Verwaltung stamme. Zudem sei sie Volljuristin und könne sich daher in viele Aufgaben schnell einarbeiten.

Sie freue sich auf die inhaltliche Auseinandersetzung mit den anderen Kandidaten. „Als Demokratin bin ich überzeugt davon, dass der Wettbewerb um die besten Ideen für unsere Stadt nur gewinnbringend sein kann. Auch wenn der Ton in der Kommunalpolitik immer rauer geworden ist, werde ich mich für einen konstruktiven Diskurs einsetzen“, verspricht die Auricherin.

Buss: Aurich steht vor einschneidenden Jahren

Aufgaben hat sie in den bisher vier Jahren im Stadtrat und Kreistag genug ausgemacht: „Wir haben so viele Stärken und liebens- und lebenswerte Ecken und Institutionen in Aurich, die wir schützen und ausbauen müssen.“ Außerdem stehe Aurich vor einschneidenden Jahren mit dem Übergang in das Zentralklinikum, der Entwicklung der ehemaligen Blücher Kaserne, der Einführung der Ganztagsschulen, der Integration geflüchteter und zugewanderter Menschen, der Veränderung der politischen Landschaft und den großen Herausforderungen in Energiewende und Klimawandel. Damit die Stadt die nötigen Mittel hat, sei Wirtschaftsförderung kein Selbstzweck, „sondern die Grundlage unserer Freiheit zu handeln“, so Buss. „Über den bereits jetzt großen Zuspruch aus ganzen verschiedenen Richtungen freue ich mich wahnsinnig. Denn so eine Aufgabe kann man nur als Teamplayer bewältigen, im Dialog mit der ganzen Verwaltung, der Politik, der Familie und den Freunden.“

Buss ist nicht die einzige, die ihren Hut bereits in den Ring wirft. Auch Julian Jetses ist im August SPD-intern in die Nominierung zum Kandidaten eingestiegen. Während er den Rückhalt der Partei nutzen kann, muss Buss nun um Unterstützer werben. Noch sei beispielsweise nicht klar, ob ihre bisherigen Gruppenkollegen im Stadtrat aus der FDP und CDU eigene Kandidaten aufstellen werden.

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