Belebung der Auricher Innenstadt Für Häuser in der Osterstraße wird wieder ein Investor gesucht
Intensiv wurde 2020/21 über die Bedingungen verhandelt, wie das südliche Ende der Osterstraße entwickelt wird. Seitdem ist nichts passiert. So sieht der neue Ansatz aus.
Aurich - Alles wieder auf Anfang: Für die Entwicklung der Osterstraße in Aurich muss die Resettaste gedrückt werden. Die Stadt Aurich hat ein neues Interessenbekundungsverfahren veröffentlicht für mehrere Gebäude am Ende der Osterstraße. Konkret geht es um den Verkauf der Grundstücke Osterstraße 28/30, 32, 34 und 36 in der Altstadt. Angebote können bis zum 15. Dezember eingereicht werden. Das Ensemble wird nur „am Stück“ verkauft.
Es geht um die Häuserzeile ehemals Möbel Jakobs/dann Kik/nun Zwischenraum (28/30), über Zoo Meyer (32), die Textilreinigung Meurer (34) bis hin zu Jameson’s Pub (36). Das Haus Nr. 38, in dem zuletzt ein Friseur war, ist bereits vor dem Umbau des Eck-Ensembles zur Kunstschule abgerissen worden.
Laut dem Exposé für die Interessenbekundungsverfahren werden Käufer gesucht, die bereit sind, für die 1075 Quadratmeter große Gesamtfläche mindestens den Verkehrswert von 608.000 Euro zu zahlen.
Nutzungskonzept muss überzeugen
Entscheidend für den Zuschlag ist aber vor allem das Nutzungskonzept, das mit 80 Prozent in die Wertung einfließt. 20 Prozent entfallen auf die Referenzen der Bieter. Zu berücksichtigen sind dabei die Auflagen des B-Plans - wie beispielsweise eine gewerbliche Nutzung im Erdgeschoss - sowie die städtebaulichen Ziele der Stadt. In Abstimmung mit der Stadt soll eine städtebaulich ansprechende Lösung entwickelt werden.
Sobald eine abgestimmte Gebäudeplanung vorliegt, könne der Kaufvertrag abgeschlossen werden. Das soll laut Ausschreibungstext relativ schnell gehen. Angestrebt ist dies für das zweite Quartal 2026. Wenn alles in trockenen Tüchern ist, beginnt eine Bau- beziehungsweise Sanierungsverpflichtung: Binnen drei Jahren muss die Entwicklung in Gang gekommen sein.
Denkmalschutz wird das gesamte Projekt begleiten
Die Häuser 34 und 36 wird die Stadt noch abreißen. Bei den anderen Gebäuden sind Denkmalschutzauflagen zu berücksichtigen. So wird dem Käufer auferlegt, das Vorderhaus des Gebäudes Osterstraße 30 wegen des geschweiften Schildgiebels zwingend zu erhalten. Es sei zwar kein Baudenkmal, aber von von städtebaulicher und baukultureller Bedeutung. „Die Überformung des Erdgeschosses ist gestalterisch zu heilen“, heißt es im Exposé. Die beiden zusammenhängenden Gebäude Osterstraße 28/30 grenzen direkt an Baudenkmale an. Sollte der Käufer Teile davon abreißen wollen, „hat die Sicherung der drei angrenzenden Baudenkmale auf dem Grundstück der Osterstraße 26 und dem Flurstück 127 höchste Priorität“. Gemeint sind das Gebäude der Drogerie Maaß sowie ein denkmalgeschützter, derzeit recht unscheinbarer Speicher auf dem hinteren Grundstück.
Das Gebäude Osterstraße 32 steht bis zu einer Tiefe von 10,62 Meter unter Denkmalschutz. Der eingeschossige Anbau kann abgerissen werden. Das Gebäude steht seit geraumer Zeit leer, was ihm zugesetzt hat, wie die Fotos im Exposé zeigen.
Am Ende steht nicht zwingend eine Vergabe
Ein Interessenbekundungsverfahren ist relativ unverbindlich. Die Stadt muss sich nicht für einen der eingereichten Vorschläge entscheiden. Ziel ist vorerst nur, Kaufinteressenten und ihre Nutzungsideen kennenzulernen. Die Stadt Aurich behält sich ausdrücklich vor, das Verfahren jederzeit einzustellen oder Quereinsteiger zuzulassen.
Es ist schon das zweite Interessenbekundungsverfahren für die Immobilien. Das erste scheiterte nach mehreren Abstrichen und zähen Verhandlungen. In die Wege geleitet wurde dieses Verfahren bereits 2017. Im Sommer 2019 erfolgte die Bekanntmachung. Damals ging es noch um einen anderen Zuschnitt: Die Stadt schrieb ein Interessenbekundungsverfahren für die Immobilien Osterstraße 40, 38, 30 und 28 aus. Hinzu kamen zwei Flächen am Georgswall, von der Ecke Osterstraße/Georgswall bis etwa zum Mitarbeiterparkplatz der OLB, die zum einen für eine Parkgarage, zum anderen für ebenerdiges Parken genutzt werden sollten. Die Stadtverwaltung war froh, als sie mit dem Auricher Immobilienentwickler E. und L. Gerstmeier einen Interessenten für alle drei Teilbereiche fand.
Verfahren wurde 2021 nur angestoßen
Und die Firma machte nach Aussage von Stadtratsmitgliedern Druck, dass es schnell losgehen solle. Mehrfach besprach der Sanierungsausschuss die Pläne für das Parkhaus, diskutierte über Fassadengestaltung und die Zahl der Stellplätze.
Grundsätzlich stimmte der Stadtrat im Februar 2021 dem Verkauf aller drei Flächen zu, stellte den Verkauf der für das Parken vorgesehenen Flächen aber unter Gestaltungsvorbehalt. So wurden eine ausreichende, überdachte Abstellfläche für Fahrräder und mindestens 6 Behindertenparkplätze sowie eine politisch beschlossene Vorentwurfsplanung verlangt. Für die Grundstücke Osterstraße 28/30, 32, 34, 36 sollte damals ein Verkehrswert von insgesamt 817.000,00 Euro gezahlt werden.
Kurze Zeit später kam die Entwicklung in Gang: Dem Betreiber des Jameson Pub (Nr. 36) wurde gekündigt. Auch die Reinigung (Nr. 34) und der Friseur (Nr. 38) verließen die Ladenlokale. Und Zoo Meyer (Nr. 32) zog an die Kreuzstraße um.
Ganzer Bereich ist im Umbruch
Die Immobilie Osterstraße 38 wurde abgerissen. Während die Kunstschule nach und nach Gestalt annahm und die Fußgängerzone in den Jahren 2022/2023 neu gepflastert wurde, tat sich an den anderen Gebäuden aber nichts. Die Politik verwarf zunächst in Übereinstimmung mit dem Investor die Idee des Parkhaus-Baus. Ende 2022 war auch erstmals die Rede davon, das Interessenbekundungsverfahren möglicherweise zu wiederholen.
Ohnehin ist das Ende der Osterstraße noch im Umschwung. Der Umzug des Mach-Mit-Museums steht noch bevor. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite sucht die Stadt Investoren für die Grundstücke Osterstraße 33-35 sowie 39. Zudem läuft die Umgestaltung des Quartiers zwischen der Wallstraße und der Großen Mühlenwallstraße. Und dort, wo das Parkhaus entstehen sollte, ist nun ein ebenerdiger Parkplatz mit 45 Stellplätzen geplant.