Debatte im Umweltausschuss  Warum Aurich vorerst keine Trinkbrunnen bekommt

| | 06.10.2025 13:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Öffentliche Trinkwasserbrunnen wie dieser sorgen an heißen Sommertagen für kostenlose Abkühlung.Foto: DPA
Öffentliche Trinkwasserbrunnen wie dieser sorgen an heißen Sommertagen für kostenlose Abkühlung.Foto: DPA
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Mögliche Standorte und Kosten wurden genannt. Doch viele Auricher Ratspolitiker sehen wenig Sinn in der Investition.

Aurich - Nur einen Tag zuvor hatte Bürgermeister Horst Feddermann die düstere Haushaltsprognose der Stadt für die nächsten Jahre präsentiert, mit einem dicken zweistelligen Minus unter dem Strich. Am späten Donnerstagnachmittag zeigte sich dann im städtischen Umweltausschuss einmal mehr, dass die Ratsleute auch über kleinere Ausgaben leidenschaftlich und intensiv streiten können. Die Gruppe GfA/Peter Specken hatte beantragt, sich einmal von der Stadtverwaltung vorrechnen zu lassen, was öffentliche Trinkbrunnen denn wohl kosten würden – und wie hoch der Aufwand für deren Aufstellung wäre (wir berichteten).

Die Brunnen sollen die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt verbessern, die Hitzebelastung im Sommer verringern und den Konsum von Flaschenwasser und Plastikmüll vermeiden.

Stadtbaurat Mirko Wento berichtete, dass im Wasserhaushaltsgesetz seit 2023 eine Verpflichtung für Kommunen verankert sei, öffentliche Trinkbrunnen bereitzustellen. Das sei nun Teil der Daseinsvorsorge. Inwieweit diese Verpflichtung kontrolliert werde, sei eine andere Sache, so Wento.

Er erklärte, dass mögliche Standorte zum Beispiel der Marktplatz, der Georgswall oder die Fußgängerzonen seien – eben Orte, wo viele potenzielle Nutzer unterwegs sind. Bei der Gestaltung der Brunnen seien der Fantasie kaum Grenzen gesetzt, so Wento. Bei den Kosten müsse man je nach Modell mit rund 15.000 Euro pro Brunnen rechnen – plus jährliche Betriebskosten von rund 3700 Euro. Die Gruppe CDU/FDP hatte gefordert, statt der Brunnen das „Refill“-Projekt einzuführen, wo Durstige in Geschäften ihre selbst mitgebrachten Trinkbehälter mit Wasser auffüllen könnten.

Ausschussvorsitzender Reinhold Mohr (Grüne) meinte, man könne doch beides machen, also Brunnen bauen und die „Refill“-Aktion starten.

Stadtbaurat: Refill-Aktion bislang kaum nachgefragt

Stadtbaurat Wento stellte klar, dass es die „Refill“-Aktion bereits gebe, jedoch mit wenig Erfolg. „Das wurde leider bisher nicht nachgefragt“, berichtete Wento. Menko Bakker (FDP) plädierte für mehr „Refill“-Stationen in öffentlichen Einrichtungen wie dem Rathaus, dem Museum oder der Stadtbibliothek. Er gab außerdem zu bedenken, dass der hygienische Zustand von Trinkbrunnen fragwürdig sein könnten, wenn er nicht regelmäßig kontrolliert wird. Wolfgang Ladwig (SPD) und Reinhard Warmulla (Linke) betonten, dass die Hemmschwelle, tatsächlich in ein Geschäft zu gehen, um etwas zu trinken, zu hoch sei.

Volker Rudolph (SPD), früher Lehrer an der IGS Aurich, berichtete aus dem Schulalltag, dass ein dortiger Trinkwasserspender nicht gut angenommen und zudem bald kaputt gewesen sei. Er fragte außerdem: „Wer nimmt schon einen Trinkbehälter mit in die Stadt?“ Darüberhinaus habe er bei den fünfstelligen Kosten schlucken müssen. Angesichts der schlechten Finanzlage der Stadt habe er Probleme, so einem Bau zuzustimmen, sagte Rudolph. Auch Artur Mannott (CDU) meinte, das Thema betreffe doch insgesamt sehr wenige Menschen. Und mit nur einem Brunnen sei wenig gewonnen. Und er rechnete vor: „Wenn das 1000 Menschen im Jahr nutzen, kostet eine Flasche Wasser fast vier Euro“. Mannott plädierte ebenfalls dafür die vorhandenen „Refill“-Stationen noch einmal besser zu bewerben und die Entscheidung über Trinkbrunnen zu vertagen.

Rokicki: „Es gibt genug Cafés und Restaurants“

Richard Rokicki (AWG) schlug in dieselbe Kerbe. „In der Innenstadt gibt es genug Cafés und Restaurants. Das reicht doch“, sagte er. Der Betriebshof habe genug anderes zu tun als ständig die Hygiene von Trinkbrunnen zu überprüfen. Am Ende bestehe die Gefahr, dass sich Leute Herpes holen, warnte Rokicki.

Antragsteller Peter Specken hielt dagegen: „Die Hitzeperioden nehmen zu. Mit den Refill-Stationen wälzen wir die Probleme auf Privatunternehmer ab.“ Und er rief den anderen Ratsleuten zu: „Ihr plant einen Kunstrasenplatz für eine Million Euro!“

Vorsitzender Mohr wies dann noch daraufhin, dass es eine Gesetzesvorgabe gebe, nach denen Kommunen Trinkbrunnen bereitstellen müssen. Nach einer fünfminütigen Sitzungsunterbrechung stimmte der Ausschuss bei einer Enthaltung einstimmig für eine Vertagung des Themas ins nächste Frühjahr. Es solle aber in die nun anstehenden Beratungen für den Doppelhaushalt 2026/27 einbezogen werden, hieß es.

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